Volkswagen-Konzern Acht Millionen Autos in der EU von Abgasaffäre betroffen

Von den elf Millionen Autos, die vom VW-Abgasskandal betroffen sind, fahren allein acht Millionen innerhalb der Europäischen Union. Der Konzern zeigt sich transparent - auch um einer allzu kritischen Befragung des US-Repräsentantenhauses zu entgehen.

Volkswagen-Modelle: Es könnte weitere personelle Konsequenzen geben
AP/dpa

Volkswagen-Modelle: Es könnte weitere personelle Konsequenzen geben


Volkswagen geht in die Offensive: Am Montagabend informierte ein Konzernsprecher, dass von den insgesamt elf Millionen manipulierten Fahrzeugen allein acht Millionen innerhalb der EU verkehren. Darunter seien auch Fahrzeuge mit vergleichsweise kleinen Motoren mit 1,2 Litern Hubraum.

Alle Bundestagsabgeordneten mit VW-Standorten in ihren Wahlkreisen erhielten zudem ein Schreiben aus der Konzernzentrale, durch das sie entsprechend informiert wurden. Über den Brief berichtet auch das "Handelsblatt" in seiner Dienstagsausgabe.

Darin entschuldige sich VW bei den Politikern für das "Fehlverhalten einiger weniger Personen" im Konzern und verspreche, dass der Aufsichtsrat mit Unterstützung deutscher und amerikanischer Juristen "die lückenlose Aufklärung der Vorgänge überwachen" werde. Unterzeichnet hat das Schreiben unter anderem Thomas Steg, heutiger VW-Cheflobbyist und früherer Regierungssprecher unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD).

"Schonungslose und konsequente Aufklärung"

Volkswagen ist offensichtlich nicht nur nach außen bemüht, das Image einigermaßen zurechtzurücken, sondern auch nach innen. Nachdem der neue Konzernchef Matthias Müller bereits vor Führungskräften "schonungslose und konsequente Aufklärung" versprochen hat, will er dies offenbar auch vor der einfachen Belegschaft tun.

Am Dienstagmorgen wollen die Mitarbeiter des Konzerns zu einer Betriebsversammlung zusammenkommen. Am Vormittag soll neben dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh Medienberichten zufolge auch Müller zu den Mitarbeitern sprechen und sie über die Maßnahmen zur Bewältigung des Skandals um manipulierte Abgaswerte informieren.

Der Skandal erfasst inzwischen auch die Politik. Am Dienstagnachmittag wird sich das EU-Parlament mit dem Betrug beschäftigen. In Straßburg wollen Abgeordnete über Emissionsmessungen in der Autobranche und mögliche Nachbesserungen der Tests diskutieren. Das Thema wurde nach Bekanntwerden der Affäre kurzfristig auf die Tagesordnung der Plenarsitzung gesetzt. Die EU plant derzeit eine neue Gesetzgebung für realistischere Tests. Dabei soll der Testwagen auf der Straße gefahren und abwechselnd beschleunigt und abgebremst werden.

Der Kampf um verlorenes Vertrauen

Um den ohnehin schon immensen Schaden zu begrenzen, gibt sich Volkswagen geschäftig. Schon am Mittwoch will das Unternehmen bereits erste Ergebnisse der internen Ermittlungen präsentieren, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine nicht namentlich genannte Quelle. "Es wird eine Zwischenbilanz geben", sagte eine Person mit Kenntnis über die Beratungen. Ein weiterer Insider fügte hinzu, je nach Fortschritt der Untersuchungen könne es auch weitere personelle Konsequenzen geben.

Volkswagen wolle vor der am Donnerstag angesetzten Anhörung in einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses möglichst große Transparenz demonstrieren, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Bis Mittwoch muss VW zudem dem Flensburger Kraftfahrt-Bundesamt einen Fahrplan vorlegen, wie die Abgasmanipulationen behoben werden sollen.

VW hatte zugegeben, Abgaswerte in den USA und in Europa mit einer verbotenen Software so manipuliert zu haben, dass sie im Testbetrieb weniger giftige Stickoxide ausstoßen als im normalen Betrieb. Dem Konzern drohen nun milliardenschwere Strafzahlungen.

Daran erkenne ich, ob mein Auto betroffen ist
    Sicherheit darüber gibt die Motornummer. Diese besteht aus maximal drei Buchstaben und einer Zahl. Sie wird vom Hersteller an einer einsehbaren Stelle des Motorblocks angebracht. Manchmal findet sich die Identifikationsnummer auch im Kaufvertrag. Im VW-Skandal handelt es sich um den Diesel-Motortyp EA 189.
    Eine andere Möglichkeit bietet die Überprüfung der Fahrgestellnummer in der Werkstatt.
    VW weist jedoch darauf hin, dass für die Kunden "momentan gar kein Handlungsbedarf" bestehe. "Alle betroffenen Fahrzeuge sind absolut sicher und fahrbereit", so ein VW-Sprecher. Derzeit arbeitet der Konzern an einer Lösung der Abgasprobleme. Liegt diese vor, sollen alle betroffenen Autos in die Werkstatt gerufen werden.

jat/dpa/Reuters/AFP

insgesamt 86 Beiträge
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Ein_denkender_Querulant 05.10.2015
1. teuer
Das wird teuer. Denn es wird nicht einfach nur neue Software geben. Einige Fahrzeuge brauchen neue Steuergeräte, dritte werden andere Abgasreinigungen bekommen.
chjuma 05.10.2015
2. Alles Makulatur
Die Amerikaner werden VW vernichten. Das ist abgesprochen. Der Konkurrenz wegen. Und die VW Spitze macht mit. Den "hohen" Löhnen wegen. Läuft alles wie abgesprochen. Das mit den Abgaswerten halte ich für eine abgesprochene Nummer. Das perfekte Verbrechen im Namen des Geldes.
pr8kerl 05.10.2015
3. So ein Unsinn wird hier verzapft
Ich habe nach der Motornummer gesucht. Kein EA 189 zu sehen sondern CFF. Also mein Audi nicht betroffen. Ich rufe bei Audi an. Mein Audi ist nicht betroffen. Ich gebe die Fahrgestellnummer in die Maske ein. Siehe da, mein Audi ist betroffen. So unendlich viel Desinformation habe ich noch nie erlebt.
ediart 05.10.2015
4. Das Auto
die heilige Kuh hier zu Lande ist nun mal eine Dreckschleuder, die Autoindustrie hat mit Wissen der Politik vorgetäuscht sauber zu sein. Aber mal im Ernst wer konnte so was glauben? Ein Verbrennungsmotor bleibt ein Verbrennungsaggregat was unvermeidlich Dreck ausstößt.
GueMue 05.10.2015
5. Unglaublich
Dass in USA schon Anklage erarbeitet werden und bei uns nach Schuldigen gesucht wird. Der Vorstand und alle Organe von VW sind schuldig. Gewusst oder nicht, ist irrelevant. Es ist kriminell was getan wurde und wie mit der Arbeit so vieler Schindluder getrieben wurde. Zumindest Scham bei den Zuvor so präpotenten Angebern wäre beruhigend.
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