Kosten des Zuliefererstreits VW will Kurzarbeitergeld für Werk in Emden

Der Streit zwischen Volkswagen und den Prevent-Zulieferern ist beigelegt. Für die Bundesagentur für Arbeit könnte der Fall dennoch kostspielig werden: Für das Werk in Emden will VW Kurzarbeitergeld in Anspruch nehmen.

Wolfsburger VW-Werk
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Wolfsburger VW-Werk


In fünf von sechs vom Zuliefererstreit betroffenen VW-Werken verzichtet der Autokonzern darauf, Kurzarbeitergeld zu beantragen. Der Autobauer gibt an, den überwiegenden Teil der Ausfallzeiten durch interne Maßnahmen aufgefangen zu haben.

Im Werk Emden allerdings sei Kurzarbeit nicht zu vermeiden gewesen. Die Produktion war dort wegen fehlender Sitzbezüge der Prevent-Tochter Car Trim gestoppt worden.

In dem Werk waren nach früheren Angaben von VW 7500 der insgesamt gut 9000 Beschäftigten von Kurzarbeit betroffen. Dort läuft das Mittelklassemodell Passat in verschiedenen Varianten vom Band, darunter auch der CC.

Umstrittener Schritt von VW

Wegen des Streits mit zwei Lieferanten der Prevent-Gruppe waren insgesamt fast 30.000 Beschäftigte in sechs Werken von Kurzarbeit bedroht. Volkswagen hatte am Dienstag den Machtkampf mit den Zulieferern beigelegt.

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Meldungen, VW werde in dem Konflikt Kurzarbeitergeld beantragen, hatten eine politische Debatte ausgelöst. Das Kurzarbeitergeld wird von der Agentur für Arbeit gezahlt. Es soll Firmen entlasten, die unverschuldet in Schwierigkeiten geraten sind und ohne die Hilfen womöglich Mitarbeiter entlassen müssten. Laut dem dritten Sozialgesetzbuch soll Kurzarbeitergeld gezahlt werden, sofern es sich um einen "nicht vermeidbaren Arbeitsausfall" handelt.

Im Falle von Volkswagen ist umstritten, ob der Konzern den Konflikt nicht doch hätte abwenden können, etwa durch eine frühere Einigung mit den Zulieferern. "Kurzarbeitergeld darf nicht als Finanzierungsinstrument bei wirtschaftlichen Machtspielen zwischen Unternehmen missbraucht werden", kritisiert etwa der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Union, Karl Schiewerling.

60 Prozent des Gehalts

Beschäftigte in Kurzarbeit erhalten vom Arbeitgeber entsprechend weniger Lohn oder Gehalt. Wer normalerweise zum Beispiel 3000 Euro brutto pro Monat verdient, bekommt nur noch 1800 Euro, wenn die Arbeitszeit um 40 Prozent reduziert wird. Netto bedeutet das bei Steuerklasse 1 einen um 644 Euro niedrigeren Verdienst.

Diesen Verlust gleicht die Bundesagentur für Arbeit mit dem Kurzarbeitergeld zumindest teilweise aus. Sie zahlt 60 Prozent des entgangenen Geldes, im konkreten Beispiel also 386 Euro. Bei Angestellten mit Kindern übernimmt die Agentur sogar 67 Prozent.

beb/dpa



insgesamt 50 Beiträge
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pizzerino 26.08.2016
1.
"unverschuldet" und "nicht vermeidbar". Bin gespannt wie VW das begründet.
jalu-2008 26.08.2016
2. Warum nicht?
Schließlich zahlen alle VW-Mitarbeiter auch regelmäßig in die Kasse ein!
poetnix 26.08.2016
3.
Wieso werden die Kurzarbeitergelder durch Managementfehler für die "Bundesanstalt für Arbeit" teuer? Sind es nicht vielmehr die Steuerbürger, die für die Unfähigkeit des Gier-Vorstands von VW einstehen sollen? Sprache kann auch verschleiern.
dasdondel 26.08.2016
4.
---Zitat--- Im Falle von Volkswagen ist umstritten, ob der Konzern den Konflikt nicht doch hätte abwenden können, etwa durch eine frühere Einigung mit den Zulieferern. ---Zitatende--- Fakt ist : der Konflikt ist beendet. Was hat diesen Frieden bewirkt ? Warum ging das nicht eine Woche früher ? Das sollte VW erstmal erklären.
Emmi 26.08.2016
5. Pffffffffffffffft!
Das Kurzarbeitergeld ist nicht dafür gedacht, selbstverschuldete Produktionsausfälle (durch fehlende Bevorratung von Bauteilen) auf Kosten der Allgemeingeit zu regulieren! Das soll VW mal schön selbst bezahlen (100% der Löhne und Gehälter der Mitarbeiter, auch wenn sie durch das Versagen des Arbeitgebers nicht arbeiten konnten/durften)...
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