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12. Januar 2016, 10:56 Uhr

Abgasaffäre

VW-Chef Müller blamiert sich bei Interview

Eigentlich wollte Matthias Müller auf seiner USA-Reise Vertrauen zurückgewinnen. Doch bei einem Interview mit einem Radiosender wirkt der VW-Boss fahrig und weltentrückt. Dann verlangt er, das Gespräch neu aufzuzeichnen.

Dass die Reise von Volkswagen-Chef Matthias Müller in die USA kein leichter Gang sein würde, war von vornherein klar. Steht doch der Wolfsburger Autokonzern in Amerika angesichts des Abgasskandals besonders in der Kritik. Also haben sich Müller und seine Berater auf bohrende Fragen von Analysten, Politikern und Journalisten vorbereitet.

Doch offenbar sind sie dabei nicht akribisch genug vorgegangen. Ein Interview mit dem Radiosender NPR (hier im Original) lief derart schief, dass Müllers Leute die Reporter bitten mussten, das Gespräch zu einem späteren Zeitpunkt zu wiederholen. Und es ging nicht nur um ein paar Versprecher - vielmehr versuchte Müller zunächst, den Skandal zu verharmlosen.

"Wir haben nicht gelogen", sagte der Konzernlenker dem verdutzten NPR-Reporter Sonntagabend am Rande der Detroiter Automesse. Volkswagen habe lediglich die US-Gesetze "falsch interpretiert".

Der VW-Abgasskandal um manipulierte Dieselmotoren und geschönte Abgaswerte - plötzlich alles nur ein Missverständnis?

Desaströser kann der Eindruck nicht sein, den Müller in den USA hinterlässt. Immerhin hatten die US-Ermittlungsbehörden Volkswagen bereits vorgeworfen, nicht ausreichend zu kooperieren und den Skandal kleinzureden. Angesichts des Interviews wirkt Müllers offizielle Entschuldigung, um die er kurz zuvor bat, beinahe wertlos. Und das alles kurz vor dem Treffen mit der Chefin der US-Umweltbehörde EPA, Gina McCarthy.

Seltsame Rechtfertigung für seltsame Darstellung

Müllers Berater waren mit dem Auftritt des Chefs offensichtlich extrem unglücklich. Nachdem bereits ein Teil des Interviews ausgestrahlt worden war, bat Volkswagen NPR, das Gespräch zu wiederholen.

Während der Neuauflage entschuldigte sich Müller für seinen ersten Auftritt vorm Mikrofon. Es sei für ihn in der Situation sehr schwierig gewesen, die richtigen Worte zu finden, weil es um ihn herum sehr laut gewesen sei. "Die Situation war etwas schwierig für mich", sagte Müller, "vor so vielen von Ihren Kollegen, jeder hat gerufen."

Volkswagen "akzeptiert den Gesetzesverstoß in vollem Maße", gab Müller nun zu Protokoll. Jedenfalls arbeite das Management "Tag und Nacht, um Lösungen zu finden". Es gehe nicht nur um technische Lösungen. "Es ist viel Arbeit für die Rechtsabteilung und auch für die Presseabteilung."

Dafür hat Müller in diesem Fall höchstpersönlich gesorgt.

ssu/nvs

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