Multinationale Unternehmen Deutsche Konzerne nutzen offenbar eifrig Steueroasen

Deutsche Multis machen pro Jahr 4,6 Billionen Umsatz und 360 Milliarden Euro Gewinn. Um möglichst wenig Steuern zu zahlen, nutzen sie offenbar auch Steueroasen – darauf lassen Zahlen des Statistischen Bundesamtes schließen.
Steueroase Bermuda

Steueroase Bermuda

Foto: Drew Angerer/ AFP

Die deutsche Wirtschaft ist so globalisiert wie wenige andere Volkswirtschaften auf der Welt. Insbesondere viele große deutsche Konzerne machen bereits seit Jahren einen großen Teil ihres Geschäftes jenseits der deutschen Grenzen. Nun hat das Statistische Bundesamt (Destatis) erstmals eine ausführliche Erhebung zu Deutschlands multinational ausgerichteten Unternehmensgruppen veröffentlicht.

Insgesamt gab es demnach – im Berichtsjahr 2018 – 387 Unternehmensgruppen, auf die das Kriterium der Multinationalität zutrifft. Zu diesen Konzernen zählte eine Gesamtzahl von etwa 50.000 Tochterunternehmen. Gemeinsam erwirtschafteten diese Verbünde Umsätze von 4,6 Billionen Euro. Die Gewinne vor Steuern summierten sich auf einen Betrag von etwa 360 Milliarden Euro (die vollständige Auswertung von Destatis finden Sie hier ).

Fünf Milliarden Euro Steuerzahlung an China

Geografisch ergibt sich eine deutliche Konzentration deutscher Firmen im Westen sowie in China. Die größte Anzahl Tochterfirmen unterhalten deutsche Konzerne in den USA (4300), danach folgen Großbritannien (2600), Frankreich und China (jeweils rund 1650) sowie die Niederlande (1560). In Russland hingegen waren nur 531 Tochterfirmen registriert, eine Zahl, die sich seit Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine weiter reduziert haben dürfte. Wichtigster Wirtschaftszweig war die Industrie, von Destatis erfasst als »verarbeitendes Gewerbe« (43,7 Prozent). Die höchsten Profite strichen die Konzerne im US-Geschäft mit 34,7 Milliarden Euro ein, in den Niederlanden (24,5 Milliarden Euro) und in China mit 22,1 Milliarden Euro. Das Russlandgeschäft nimmt sich dagegen mit 2,3 Milliarden Euro Gewinn eher bescheiden aus.

Aus den Gewinnen auf ausländischen Märkten ergeben sich auch teils erhebliche Steuerzahlungen: Insgesamt führten deutsche Konzerne 48,4 Milliarden Euro ab. Davon gingen 21,1 Milliarden Euro an den deutschen Fiskus, gefolgt von der Volksrepublik China (fünf Milliarden Euro), Frankreich (1,4 Milliarden Euro) und Italien (1,2 Milliarden Euro).

Auffällig ist, dass auch deutsche Firmen offenbar gern die Vorteile von Steueroasen nutzen. Einen Hinweis darauf gibt die Relation zwischen dem in einem Land registrierten Eigenkapital einer Tochterfirma und der tatsächlich vor Ort beschäftigten Zahl von Mitarbeitern. Laut Destatis liegt das Verhältnis von Eigenkapital zu Beschäftigtenzahl am höchsten in Bermuda (37,3 Millionen Euro je beschäftigter Person), auf den Britischen Jungferninseln (22,6 Millionen Euro) und auf Malta (13,3 Millionen Euro).

beb
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