Gehaltsaffäre Staatsanwälte ermitteln auch gegen VW-Betriebsratschef Osterloh

In der Gehälteraffäre bei Volkswagen galt Bernd Osterloh bislang nur als Zeuge. Nun wird bekannt: Die Ermittlungen richten sich auch gegen den Betriebsratschef.

Volkswagen-Betriebsratschef Bernd Osterloh
DPA

Volkswagen-Betriebsratschef Bernd Osterloh


Die Ermittlungen wegen möglicherweise überhöhter Zahlungen an Betriebsratsmitglieder von Volkswagen richten sich auch gegen Betriebsratschef Bernd Osterloh. Im Zuge der bereits seit Längerem laufenden Untersuchungen würden gesonderte Ermittlungen gegen den Betriebsratsvorsitzenden wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue zugunsten Dritter geführt, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig mit. Damit bestätigte er einen Bericht des "Handelsblatts". Bisher hatte Osterloh lediglich als Zeuge gegolten.

Der Beschuldigte solle "am Zustandekommen der mutmaßlich unrechtmäßigen Vergütungsvereinbarung mitgewirkt haben", hieß es weiter. Osterloh soll einer Kommission angehört haben, die über die Bezahlung von Betriebsräten mitentschied.

Ein Sprecher des VW-Konzernbetriebsrates sagte auf Anfrage, es sei nicht neu, dass Osterloh als Beschuldigter geführt werde. Der Betriebsratschef habe über seinen Verteidiger Akteneinsicht beantragt und werde zu möglichen gegen ihn gerichteten Vorwürfen Stellung nehmen. "Von den Ermittlungsbehörden ist er zu den Vorwürfen bisher noch nicht vernommen worden", sagte der Sprecher. "Sollte es noch dazu kommen, steht er für Auskünfte natürlich weiterhin zur Verfügung." Für Osterloh stehe fest, dass ihm an keiner Stelle ein Vorwurf zu machen sei.

In dem Hauptverfahren ermitteln die Strafverfolger bereits seit geraumer Zeit gegen vier Beschuldigte, die seinerzeit als Vorstände in die Entscheidungen involviert waren. Dabei geht es um den Verdacht der Bevorzugung von Betriebsratsmitgliedern. Auf Grundlage dieser Ermittlungen wegen möglicher Verstößen gegen das Betriebsverfassungsgesetz leitete die Staatsanwaltschaft ein gesondertes Verfahren gegen Osterloh ein. Mit einem Abschluss der Ermittlungen sei nicht vor Ende August zu rechnen, teilte die Behörde mit.

Da die Ermittlungen auch mögliche steuerstrafrechtliche Fragen betreffen, waren bereits vor eineinhalb Jahren Büros von mehreren Vorständen und Osterloh durchsucht worden. Volkswagen sah sich damals zu Unrecht am Pranger und verwies darauf, dass die Entgeltfindung für Betriebsräte durch einen externen Gutachter überprüft und für rechtmäßig befunden worden sei. Bei der VW-Tochter Porsche laufen seit Kurzem ebenfalls Ermittlungen wegen möglicherweise überhöhter Zahlungen an ein früheres Betriebsratsmitglied.

dab/Reuters

insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dr_gb 11.06.2019
1. VW reformieren, vom wem der VW kennt und Erfahrung hat: Hartz
der Schroeder'le Buddy, der Hartz, der wär's der alles wieder ins Lot bringen könnte. Der kennt Alles was es hier braucht : Korruption, VW, Betriebsräte, Bestechung, Politik und hat reichlich Erfahrung. Sein Name erneut für weitere Wohlklangs-Reformen, da Vorbild war er ja schon hinreichend genug .. bei VW, Korruption, Bestechlichkeit, also rundum befähigt -- und zudem als rechtskräftig Verurteilter im VW-Kontext prädestiniert ein ordentliches Berater-Salär nun fix einzufordern, damit er selbst nicht in seinen letzten Tagen noch gar Hartz IV beantragen muss -- und selbst das hätte noch was Korrumptives, das ist gewiss.
Andreas P. 11.06.2019
2. Wen wundert es noch?
Der Typ fährt mit fetten Bugattis & Co. durch die niedersächsische Prärie, predigt Wasser und trinkt Wein. Die IG Metall und deren Machtvertreter werden bei VW traditionell gepampert, da ist auch Herr Osterloh keine Aushame. Cash statt Nutten ist ja auch Compliance mäßig sauberer.
marialeidenberg 11.06.2019
3. Jahrzehntelange enge Ko-Operation mit dem Vorstand
kann gar nicht folgenlos bleiben. Die Sichtweise des 'Gegners' ein halbes Arbeitsleben lang in gepflegter Atmosphäre und ebensolcher Umgangsform zur Kenntnis zu nehmen, schafft unweigerlich eine unziemliche Nähe. Es braucht übermenschliche moralische Kraft, hier standhaft zu sein.
gm-nk 11.06.2019
4. Deutsche lieben Neid
Zitat von Andreas P.Der Typ fährt mit fetten Bugattis & Co. durch die niedersächsische Prärie, predigt Wasser und trinkt Wein. Die IG Metall und deren Machtvertreter werden bei VW traditionell gepampert, da ist auch Herr Osterloh keine Aushame. Cash statt Nutten ist ja auch Compliance mäßig sauberer.
Schon wieder ein Neid-Kommentar, der unsachlich und unseriös ist. Die Mitarbeiter von VW zählen zu den bestbezahlten Angestellten und -Arbeitern in Deutschland. Mindestlohn spielt bei den Mitarbeitern dieses Unternehmens keine Rolle. Das ist auch ein Verdienst von Herrn Osterlohe. Er wird auch nicht vom Vorstand bestellt sondern von seinen Kollegen gewählt. Dass er seit Jahrzehnten immer wieder bestätigt wurde, spricht für seine Qualitäten. Ich kann nur jeden Mitarbeiter beglückwünschen, der einen fähigen und starken Betriebsrat in seinem Unternehmen hat.
berlin333 11.06.2019
5. Ein Betriebsrat kann ja von den Mitarbeitern
gewählt sein –was er danach macht, ist seine Sache. Wenn er sich von der Firmenleitung kaufen lässt sprich mehr Gehalt bekommt, ist das auch seine Sache. Und heute keine Seltenheit. Wes Brot ich ess', des Lied ich sing'. Das ist auch in mittelständischen Betrieben gang und gäbe. Selbst erlebt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.