Quartalszahlen in der Coronakrise VW-Gewinn bricht um 86 Prozent ein

Nachfrage: eingebrochen, Lieferketten: gekappt, Werke: geschlossen: Die Coronakrise schlägt bei VW aufs Geschäft. Und auch die Aussichten sind mies: Der Konzern rechnet im zweiten Quartal mit Verlusten.
Autoproduktion in Wolfsburg

Autoproduktion in Wolfsburg

Foto: Swen Pförtner/ DPA

Der VW-Konzern geht wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie von einem deutlich schlechteren Geschäft im laufenden Jahr aus. Man erwarte ein "im Vorjahresvergleich gravierend rückläufiges" operatives Ergebnis, das aber noch im positiven Bereich landen werde. Dies teilte das Unternehmen in Wolfsburg mit. Auch der Umsatz dürfte "voraussichtlich deutlich unter dem Niveau des Vorjahres liegen".

Für das zweite Quartal wird auch ein Verlust im Tagesgeschäft erwartet. "Das operative Ergebnis im zweiten Quartal wird negativ sein", sagte VW-Finanzchef Frank Witter. Es dürfte das schwierigste im Jahresverlauf sein, sagte er.

Dabei sah das erste Quartal bereits düster aus: Weil ab Mitte März die meisten Werke in Europa und Nordamerika heruntergefahren wurden und Händler kaum noch Autos verkaufen konnten, sackte der auf die Hauptanteilseigner entfallende Nettogewinn im Vergleich zum ersten Jahresviertel 2019 um mehr als 86 Prozent auf 405 Millionen Euro ab. Der Gewinn vor Steuern sank von 4,1 auf 0,7 Milliarden Euro. Der Umsatz nahm zwischen Januar und März von 60 auf 55,1 Milliarden Euro ab, der Betriebsgewinn vor Sondereinflüssen von 4,8 auf 0,9 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatten zusätzliche Kosten aus der Dieselkrise das Ergebnis noch mit einer Milliarde Euro belastet.

Rückgang auch bei Porsche

"Die weltweite Covid-19-Pandemie hat unser Geschäft im ersten Quartal erheblich beeinträchtigt", sagte Finanzvorstand Frank Witter. Der Konzern erlebe eine "beispiellose Krise". So schrammte die Konzerntochter Audi knapp an den roten Zahlen vorbei: Das operative Ergebnis von 15 Millionen Euro lag im ersten Quartal deutlich unter dem Vorjahreswert von 1,1 Milliarden Euro.

Wegen der Rückgänge verlangt VW zusammen mit einer ganzen Reihe von Autoherstellern die Einführung einer staatlichen Kaufprämie für Autos. Die solle es für alle Modelle geben: Volkswagen-Cheflobbyist Thomas Steg sagte, nur E-Autos noch stärker zu fördern werde nicht ausreichen. Eine Verdopplung oder Verdreifachung der Produktion in diesem Jahr sei unmöglich - auch weil Teile aus Serbien oder Spanien fehlten.

Das Unternehmen fährt nun nach knapp eineinhalb Monaten Stillstand die Produktion in Deutschland langsam wieder hoch. Nachdem vergangene Woche der Standort Zwickau neu anlief, kamen in dieser Woche der Stammsitz Wolfsburg und andere Werke hinzu - allerdings mit zunächst geringerer Kapazität und erhöhten Sicherheitsstandards. Anfang Mai sollen Fabriken in den USA, Lateinamerika und Südafrika den Betrieb aufnehmen. In China, dem Ursprungsland der Pandemie, waren zuletzt fast alle Standorte zurück am Netz.

Bei der Hauptmarke VW Pkw halbierte sich das Ergebnis im laufenden Geschäft im Vergleich zum Vorjahr fast, es sank von 821 auf 481 Millionen Euro. Nicht viel besser sieht es bei Porsche aus, wo der Betriebsgewinn im ersten Quartal über ein Drittel (36 Prozent) geringer ausfiel als im Vorjahreszeitraum.

Finanzvorstand: "Wir werden um jeden Kunden kämpfen"

Porsche hatte zuletzt viel Geld in Zukunftsthemen wie Elektromobilität und Digitalisierung und vor allem in den Anlauf seines ersten reinen Elektrofahrzeugs Taycan gesteckt. Nun bremst Corona den Absatz, wenn auch nicht so stark wie bei anderen Herstellern. Rund 56.000 Autos konnte Porsche von Januar bis Ende März weltweit verkaufen, 1,3 Prozent weniger als im Vorjahresquartal.

Konzernweit gingen die Auslieferungen um 23 Prozent auf rund zwei Millionen Fahrzeuge zurück. Das Verkaufsminus erstreckte sich dabei über fast alle Marken, lediglich Bentley konnte leicht zulegen. Finanzchef Witter teilte mit, man werde wohl nicht in allen Märkten gleichermaßen zum Vorkrisen-Niveau zurückkehren können. Es sei aber schon möglich, von einer "gewissen Erholung" zu sprechen. "Wir werden um jeden Kunden kämpfen. Wir werden das Jahr nicht abschreiben."

apr/dpa