Sparkurs bei Volkswagen 600 Leiharbeiter in Sachsen fürchten um ihre Verträge

Kurz vor Weihnachten müssen 600 Leiharbeiter bei Volkswagen schlechte Nachrichten verkraften: Ihre Beschäftigung am Standort Zwickau soll auslaufen. Der Betriebsrat will Alternativen ausloten.
VW-Logo an Phaeton-Kühlergrill: Sorge um Jobs in Sachsen

VW-Logo an Phaeton-Kühlergrill: Sorge um Jobs in Sachsen

Foto: Ralf Hirschberger/ dpa

Volkswagen will bei seiner Luxuslimousine Phaeton sparen, das wiederum bedeutet für Hunderte Leiharbeiter eine unsichere Zukunft. Die Verträge von 600 Leiharbeitskollegen am Standort Zwickau sollen 2016 in zwei Stufen auslaufen, berichtete der VW-Betriebsrat unter Berufung auf Pläne des Vorstands der VW-Kernmarke.

Gründe seien zum einen die neue Strategie für das Nachfolgemodell des Phaeton. Zum anderen sei für den Standort Sachsen im kommenden Jahr unter anderem ein geschlossener Werksurlaub vorgesehen, schrieb die Arbeitnehmervertretung. Sie fordert, alternative Aufgaben im Konzern für die Betroffenen zu prüfen.

Die Leiharbeiter in Zwickau hatten bei einer Versammlung von den Plänen erfahren - gut eine Woche vor Weihnachten. Noch im September gab es Pläne für einen Phaeton-Nachfolger im Jahr 2016. Doch infolge des Abgasskandals warf der Konzern dieses Vorhaben über den Haufen.

Laut dem Betriebsratschef von VW-Sachsen, Jens Rothe, gibt es neben Porsche womöglich auch bei der Tochter Audi Bedarf. Stichtage für eine nahtlose Anschlussbeschäftigung wären Ende März und Ende Juni. Porsche-Betriebsratschef und VW-Aufsichtsrat Uwe Hück sagte, die Gespräche zwischen Vorstand und Betriebsrat von Porsche liefen bereits. "Wir wollen dazu beitragen, zumindest für einen Teil der heute bei Volkswagen-Sachsen befristet beschäftigten Kollegen eine Perspektive bei Porsche in Zuffenhausen und Leipzig zu eröffnen", sagte Hück.

In Zwickau wird die Karosserie für den Phaeton gefertigt, die Endfertigung erfolgt in der Gläsernen Manufaktur in Dresden. Der Phaeton soll künftig nur noch als Elektroauto mit Batterieantrieb gebaut werden. Das soll laut Konzernkreisen aber frühestens bis zum Jahr 2019 klappen.

VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh sagte der "Emder Zeitung", der Vorstand spreche derzeit nur für die Stammbelegschaft von sicherer Beschäftigung. Das Unternehmen plane zur Leiharbeit mehrere Szenarien. "Ich habe für das Werk Wolfsburg gesagt, dass wir jedenfalls für das erste Quartal 2016 sagen können, dass es keine Veränderungen für die Kolleginnen und Kollegen mit Leiharbeitsverträgen geben wird", sagte Osterloh.

Der Konzern bekommt den Abgasskandal bereits im Geschäft zu spüren und verliert Marktanteile in Europa.

mmq/Reuters/dpa