Abgasaffäre VW-Chef spekuliert über Ende des Diesel

Die Deutschen lieben ihren Diesel, rund ein Drittel der Autos fahren mit einem solchen Antrieb. Doch VW-Chef Müller zweifelt, ob die Technologie nach der Abgasaffäre noch eine Zukunft hat.
Volkswagen-Chef Müller

Volkswagen-Chef Müller

Foto: FABIAN BIMMER/ REUTERS

Einen Tag vor der Hauptversammlung zieht Volkswagen-Chef Matthias Müller die Dieseltechnologie in Zweifel. "Es wird sich die Frage stellen, ob wir ab einem gewissen Zeitpunkt noch viel Geld für die Weiterentwicklung des Diesels in die Hand nehmen sollen", sagte Müller im Interview mit dem "Handelsblatt" .

Dieselfahrzeuge sind in Deutschland weit verbreitet, rund ein Drittel der Autos auf deutschen Straßen fahren mit dieser Technologie, rund jede zweite Neuzulassung ist ein Diesel. Über Jahrzehnte gehörte die Technologie auch zum Fundament der VW-Strategie. Seit im vergangenen Herbst die Abgasmanipulationen von VW an seinen Dieselmotoren bekannt wurden, ändert sich das.

In den USA hat VW inzwischen alle Dieselmodelle vom Markt genommen. Ob der Konzern jemals wieder solche Autos in Amerika anbieten wird, ist offen. "Das ist derzeit schwierig zu beantworten", sagte Müller. Zu groß ist offenbar der Imageschaden, den die Marke VW in den USA durch den Skandal erlitten hat.

Auch in Europa ist die Lage nicht einfach. "Die Abgasreinigung beim Diesel wird enorm aufwendig und teuer", sagte Müller. Die Steuervorteile des Diesels sind in Deutschland auf Dauer ebenfalls nicht gesichert. "Im Dialog mit der Politik müssen wir sehen, wie das alles weitergeht."

Neues Vergütungssystem

Der Volkswagen-Konzern denkt zudem über ein neues Vergütungsmodell für sein Top-Management nach. "In den nächsten zwölf Monaten werden wir dem Aufsichtsrat unseren Vorschlag präsentieren - mit einer anderen Orientierung", sagte Müller dem "Handelsblatt".

Die Gehaltsschere zwischen Mitarbeitern in der Fertigung und dem Top-Management im Vorstand habe sich zu weit geöffnet, sagte der Manager. Eine Deckelung nach oben sei für ihn "selbstredend". Über Details habe er sich aber noch keine Gedanken gemacht.

Volkswagen war wegen seiner Boni-Politik in den vergangenen Wochen massiv unter Druck geraten. Das Top-Management hatte im Frühjahr einen Teil seiner flexiblen Vergütung trotz des Dieselskandals bekommen. Müller verteidigte diese Auszahlung: "Wie wollen Sie das einem Manager erklären, der mit der ganzen Sache nichts zu tun hat?", fragte er rhetorisch.

ssu
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