VW-Abgasaffäre weitet sich aus Erst Diesel - jetzt Benziner

Neuer Akt in der Abgasaffäre: VW räumt ein, dass bei rund 800.000 Autos die CO2-Werte falsch waren. Auffälligkeiten gibt es demnach auch bei Wagen mit Benzin-Motoren. Es drohen zusätzliche Kosten von zwei Milliarden Euro.
VW in Wolfsburg: Weitere Autos von der Affäre betroffen

VW in Wolfsburg: Weitere Autos von der Affäre betroffen

Foto: AXEL SCHMIDT/ REUTERS

In der Abgasaffäre hat der Autobauer Volkswagen ein neues Problem - und es geht um Milliarden. Bei etlichen Motoren seien Unregelmäßigkeiten im Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) und damit auch beim Spritverbrauch festgestellt worden, teilte VW mit. Auch ein Benzinmotor mit Zylinderabschaltung sei betroffen. Allerdings handele es sich um eine geringe Stückzahl, sagte ein VW-Sprecher.

"Nach derzeitigem Erkenntnisstand können davon rund 800.000 Fahrzeuge des Volkswagen Konzerns betroffen sein", heißt es in einer Mitteilung vom Dienstagabend in Wolfsburg. "Die wirtschaftlichen Risiken werden in einer ersten Schätzung auf rund zwei Milliarden Euro beziffert."

Im Rahmen der internen Überprüfungen aller Prozesse und Abläufe bei Dieselmotoren sei aufgefallen, dass bei der CO2-Zertifizierung einiger Fahrzeugmodelle zu niedrige CO2- und damit auch Verbrauchsangaben festgelegt wurden.

Die Unregelmäßigkeiten wurden demnach bei einigen der meistverkauften Modelle des Konzerns festgestellt, darunter Autos der Typen Polo, Golf und Passat. Bei Audi gehe es um A1- und A3-Modelle, bei Skoda um den Octavia und bei Seat um den Leon und den Ibiza, sagte ein Sprecher. Bei den Dieselmotoren seien 1,4-, 1,6- und 2,0-Liter-Varianten betroffen. Alle Aggregate stammen dem Sprecher zufolge aus dem Wolfsburger Stammhaus von VW.

Die Sicherheit der Fahrzeuge sei in keinem Fall beeinträchtigt. Eine verlässliche Bewertung des Umfangs der Unregelmäßigkeiten sei derzeit nicht möglich, hieß es. Die Höhe weiterer Rückstellungen werde im Laufe der Untersuchungen ermittelt.

Die neue Dimension der Abgasaffäre könnte für Volkswagen und seine Kunden jedoch mögliche Folgeprobleme haben. In Deutschland etwa ist die Höhe der Kfz-Steuer für jüngere Pkw (Erstzulassungsdatum ab 1. Juli 2009) auch vom CO2-Ausstoß abhängig.

Anleger reagieren schockiert

VW-Chef Matthias Müller versprach erneut, eine "schonungslose" Aufklärung. "Dabei machen wir vor nichts und niemandem Halt. Das ist ein schmerzhafter Prozess, aber er ist für uns ohne Alternative." Dies sei die Voraussetzung für die grundlegende Neuausrichtung des Konzerns. Der VW-Aufsichtsrat kündigte ein baldiges Treffen an um über die Konsequenzen zu beraten.

Bisher ging es in der Abgasaffäre um Stickoxid (NOX). Im September hatte das Unternehmen eingestanden, bei Abgas-Tests auf dem Prüfstand mit Softwarehilfe die Ergebnisse für Diesel-Motoren manipuliert zu haben. Die Software schaltet in Testsituation in einen Sparmodus. In diesem Zusammenhang musste VW bereits 6,5 Milliarden Euro zurückstellen.

Erst am Montag war bekanntgeworden, dass die US-Umweltbehörde EPA ihre Untersuchungen in der Abgasaffäre ausweitet. Nach Angaben der US-Behörde wurden auch in bestimmten Diesel-Modellen der Marken VW, Audi und Porsche der Modelljahrgänge 2014 bis 2016 Drei-Liter-Dieselmotoren verbaut, die die erlaubten EPA-Grenzwerte bis zu neunmal übertreffen.

Anleger zeigten sich am Dienstagabend von den neuen Entwicklungen schockiert. Die VW-Aktie, die bereits im Xetra-Hauptgeschäft zu den schwächsten Titeln gehört hatte, verlor im späten Frankfurter Handel weitere 4,3 Prozent.

otr/brk/dpa/AFP
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