Sammelklage gegen VW Verbraucherschützer fordern Direktvergleich für alle Dieselkunden

Alle Dieselkunden sollen entschädigt werden und nicht nur die an der Sammelklage beteiligten, fordern Verbraucherschützer. Es geht um 15 Prozent des Kaufpreises - mindestens.
Auto vor VW-Konzernzentrale in Wolfsburg: "Ein zweites Mal betrogen"

Auto vor VW-Konzernzentrale in Wolfsburg: "Ein zweites Mal betrogen"

Foto: Jan Huebner / imago images

Verbraucherschützer fordern nach dem Ende der Vergleichsgespräche zur Diesel-Musterklage von VW, sein Angebot auf alle Dieselkunden des Konzerns auszuweiten. "In den Verhandlungen mit uns war VW nicht bereit, alle Kunden zu entschädigen. Wenn es jetzt wirklich um Fairness geht, sollte der Konzern das Angebot nun aber allen Betrogenen unterbreiten und nicht nur denen, die im Klageregister der Musterfeststellungsklage stehen", verlangte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (VZBV), Klaus Müller.

Statt einigen Hunderttausend könnten so Millionen Verbraucher Entschädigungszahlungen bekommen. Bei dem vom Autokonzern angekündigten "Direktvergleich" müsse sich der Konzern zudem - wie versprochen - an den zuletzt erzielten Stand in den Verhandlungen mit dem VZBV halten. Demnach sollen 830 Millionen Euro als Gesamtsumme für im Musterverfahren registrierte Dieselfahrer bereitgestellt werden. VW äußerte sich zunächst nicht dazu.

Wer hat wen gedrängt?

Der mit dem VZBV bereits erreichte Verhandlungsstand sollte dabei das Minimalangebot darstellen. Zuletzt diskutiert wurden Entschädigungen in Höhe von rund 15 Prozent des Kaufpreises. "Das ist nicht übermäßig großzügig, lag im Januar aber im Rahmen der in Individualklagen erzielten Vergleiche", so Müller. 

Die formellen Gespräche über einen Vergleich für die Teilnehmer der Musterfeststellungsklage waren am Freitag abgebrochen worden. Beide Seiten schieben sich gegenseitig die Schuld dafür zu: Der Autobauer nennt nicht hinreichend begründete Gebührenforderungen von Anwälten des Verbraucherschutzverbandes als Grund. Der Verband erklärte, VW sei bei der Abwicklung der Zahlungen an die Kunden "nicht zu Transparenz und Sicherheitsmaßnahmen" bereit gewesen. Es gibt zudem Streit darüber, wer auf wen Zeitdruck ausgeübt hat: Im Mai steht die erste Verhandlung zu Einzelprozessen von VW-Dieselkunden am Bundesgerichtshof (BGH) mit einem möglichen Grundsatzurteil an.

Müller warf dem Autohersteller dem Handelsblatt zufolge vor, nach den Dieselmanipulationen "ein zweites Mal betrogen" zu haben. Die Aufkündigung des Vergleichs habe der VZBV am Freitag aus den Medien erfahren. Dieser Darstellung widerspreche man energisch, hieß es aus Kreisen des Konzerns.

caw/dpa