Vorwurf des Betrugs an Aktionären US-Börsenaufsicht verklagt VW

Im Dieselskandal wirft die US-Börsenaufsicht SEC VW und Ex-Konzernchef Winterkorn "massiven Betrug" an Aktionären vor - und hat Klage eingereicht. "Unrechtmäßig erlangte Gewinne" sollen zurückgezahlt werden.

VW-Werk in Wolfsburg
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VW-Werk in Wolfsburg


Die US-Börsenaufsicht SEC hat Volkswagen im Dieselskandal wegen angeblicher Verstöße gegen amerikanische Wertpapiergesetze verklagt. Tochterfirmen des Konzerns sollen bei der Ausgabe von Anleihen und anderen besicherten Wertpapieren gegen Informationsvorschriften verstoßen haben. Von "massivem Betrug" an Investoren ist die Rede.

Mit der Klage gegen den Konzern sowie gegen den Ex-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn will die SEC erreichen, dass Winterkorn nicht mehr als führender Manager eines US-Unternehmens arbeiten kann. Zu unrecht erhaltener Gewinn solle zurückgezahlt werden.

VW kündigte am Freitag an, sich mit "Nachdruck" zur Wehr zu setzen. Die Klage weise "erhebliche juristische und inhaltliche Mängel auf". Die Klage steht im Zusammenhang mit der im September 2015 in den USA aufgeflogenen Software-Manipulation von Abgastests.

23 Milliarden Dollar für Rechtsstreitigkeiten

"Volkswagen hat bereits vor über zwei Jahren milliardenschwere Vergleichsabkommen mit dem US-Justizministerium, fast allen US-Bundesstaaten sowie beinahe 600.000 Verbrauchern in den USA geschlossen", sagte ein VW-Sprecher. "Bedauerlicherweise versucht die SEC, nun noch einmal draufzusatteln."

Im Geschäftsbericht hatte VW am Dienstag bereits mitgeteilt, dass die US-Börsenaufsicht den Konzern im Januar 2017 informiert hatte, dass sie rund um die Begebung von Anleihen und vermögensbesicherten Wertpapieren (sogenannte ABS - Asset Backed Securities) ein förmliches Ermittlungsverfahren eingeleitet habe.

Insgesamt hat VW bereits mehr als 23 Milliarden Dollar gezahlt, um die Rechtsstreitigkeiten aus dem Weg zu räumen. Zum Vergleich mit dem Justizministerium zählte auch ein Schuldeingeständnis des Konzerns, gegen US-Gesetze verstoßen zu haben.

Auch in Deutschland sieht sich VW - neben Klagen von Autokäufern - einer Reihe von Anlegerklagen gegenüber, vor allem im Kapitalanlegermusterverfahren von Aktionären vor dem Oberlandesgericht Braunschweig. Zuletzt bezifferte VW die Risiken aus solchen anhängigen Anlegerklagen weltweit im Geschäftsbericht auf rund 9,6 Milliarden Euro.

Volkswagen hat immer wieder bestritten, gegen Informationspflichten verstoßen zu haben. Mit einigen klagenden US-Anlegern einigte sich der Konzern bereits auf einen Vergleich.

apr/dpa/Reuters

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