Volkswagen Vorstände nutzten Firmenjets für Urlaubsflüge

VW-Manager haben offenbar jahrelang weitreichende Privilegien genossen - unter anderem flogen sie mit Firmenjets in den Urlaub, zuweilen nahmen sie ihre Familien mit. Neun Vorstände zahlten einem Bericht zufolge freiwillig Millionen zurück.
VW-Konzernzentrale in Wolfsburg

VW-Konzernzentrale in Wolfsburg

Foto: Michael Sohn/ AP

Urlaubsreisen im Firmenjet, günstige Mieten in VW-eigenen Wohnungen: Vorstandsmitglieder bei Volkswagen hatten kein schlechtes Leben. Bis der damalige Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch durchgriff und die Rückerstattung von Geldern forderte, wie die "Bild am Sonntag" ("BamS") berichtet. Der Aufsichtsrat habe den Nebenleistungskatalog für Vorstände "im Jahr 2014 konkretisiert", zitiert die Zeitung einen VW-Sprecher.

Es wurden dem Bericht zufolge Sonderleistungen gestrichen und Rückzahlungen von Reisekosten in Millionenhöhe verlangt. Volkswagen unterhält eine eigene Flotte mit neun Jets am Flughafen Braunschweig. Einige Top-Manager flogen dem Bericht zufolge sogar mit der ganzen Familie im Firmenjet in den Urlaub, wofür sie maximal Linienflug-Preise gezahlt hätten. 2014 habe Piëch die Reisekosten seiner Vorstände einzeln untersuchen lassen und eine Rückerstattung gefordert.

Alle neun Konzernvorstände zahlten dem "BamS"-Bericht zufolge das Geld zurück, darunter der damalige Vorstandschef Martin Winterkorn, der heutige Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch, Audi-Chef Rupert Stadler sowie der langjährige Einkaufsvorstand Garcia Sanz. Meist handelte es sich demnach um sechsstellige Summen, in Einzelfällen auch um mehr als eine Million Euro. Zu den Privilegien gehörten außerdem äußerst günstige Mieten in VW-eigenen Häusern, die mittlerweile auf marktübliche Preise angehoben wurden.

Wie die Nachrichtenagentur dpa schreibt, hätten die Vorstände die Reisekosten freiwillig zurückgezahlt. Außerdem dürften Firmenjets mittlerweile nicht mehr privat genutzt werden, sondern ausschließlich für Dienstreisen. Volkswagen erzielte 2014 zwar Milliardengewinne. Angesichts der Ertragsschwäche der Kernmarke VW aber hatte die VW-Spitze damals ein "Effizienzprogramm" aufgelegt, um Kosten zu senken.

Ein VW-Sprecher sagte der dpa: "Die Vorstände haben Firmenflugzeuge stets in Übereinstimmung mit dem damals geltenden Nebenleistungskatalog genutzt." Die Leistungen seien entsprechend dem damals gültigen sogenannten Nebenleistungskatalog in Anspruch genommen und nach den geltenden steuerlichen Grundsätzen korrekt behandelt worden. 2014 sei der Nebenleistungskatalog "konkretisiert" worden.

Der Konzern beauftragte im vergangenen Jahr eine Kanzlei mit einem Rechtsgutachten zu möglichen steuerrechtlichen Folgen. "Die Ausgaben wurden nach den geltenden steuerlichen Grundsätzen korrekt behandelt", sagte ein VW-Sprecher der Zeitung.

Im Geschäftsbericht für 2014 wurden für den damals neunköpfigen Vorstand für "Nebenleistungen" insgesamt rund 1,6 Millionen Euro verbucht.

nck/AFP/dpa
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