Statt in Emden VW will Elektro-Kleinwagen in Osteuropa bauen

Volkswagen ändert Pläne: Aus Kostengründen soll ein günstiges E-Auto wahrscheinlich in der Slowakei gefertigt werden. Im Werk Emden soll dafür ein anderes Modell vom Band laufen.

Lädt auf: VW Golf Hybrid (Archiv)
DPA

Lädt auf: VW Golf Hybrid (Archiv)


Volkswagen will offenbar aus Kostengründen einen ursprünglich für das Werk Emden bestimmten Elektro-Kleinwagen in Osteuropa bauen. Der Aufsichtsrat des Autoherstellers habe jüngst eine Grundsatzentscheidung getroffen, dass das Modell nun wahrscheinlich im slowakischen Bratislava gefertigt werden solle, berichtet das "Handelsblatt". Der Nachrichtenagentur dpa wurde der Bericht aus Konzernkreisen bestätigt.

Eine Produktion in Emden sei bei einem angepeilten Verkaufspreis von 20.000 Euro angesichts der Lohnkosten in Deutschland wirtschaftlich nicht darstellbar, hieß es in dem Bericht. Dafür solle in dem ostfriesischen Werk ein Elektro-Kompakt-SUV in der Größe eines VW Tiguan vom Band rollen. Dieses Modell sei ursprünglich für das Werk im sächsischen Zwickau geplant gewesen, welches aber mit der Produktion für die Elektro-Modellfamilie ID ausgelastet sei.

Volkswagen will allein bis zum Jahr 2023 in seine E-Auto-Initiative 30 Milliarden Euro investieren. Die Elektrifizierung der Autos könnte in der Branche zwar kurzfristig zu mehr Arbeitsplätzen führen - langfristig wird sie Experten zufolge jedoch Tausende Jobs kosten. Dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge werden netto knapp 114.000 Arbeitsplätze verloren gehen, selbst wenn der Anteil von Elektroautos bis zum Jahr 2035 lediglich auf 23 Prozent steigt.

Dieser Jobverlust wird nicht Geringqualifizierte treffen, schreiben die Forscher. Der IAB-Studie zufolge würden weit mehr Jobs für Fachkräfte, Spezialisten und sogar Experten verloren gehen als für Helfertätigkeiten.

Hoffnung für die Arbeitsplätze der Auto- und nachgelagerten Branchen gebe es aber, wenn mehr Elektroautos auf die Straßen kämen als im Szenario angenommen - oder wenn auch die Batteriezellenfertigung für E-Autos nach Deutschland wandert. Volkswagen forscht in Salzgitter dazu, an dem Standort soll eine Zellfabrik entstehen. Auf der Hauptversammlung stellte VW weitere Batteriewerke in Aussicht. Bis es soweit ist, werden jedoch Jahre vergehen. Ende 2018 hatte VW angekündigt, im Zuge der Umstellung auf E-Autos bis zu 7000 Stellen zu streichen.

kko/dpa-AFX

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.