Falsche Angaben zum Spritverbrauch VW zahlt fast 100 Millionen Dollar an US-Autobesitzer

Volkswagen überweisen knapp 100 Millionen Dollar an US-Autobesitzer wegen falscher Angaben zum Benzinverbrauch. Der Konzern stimmte einem Vergleich zu - nachdem die Umweltbehörde EPA ihn schwer belastet hatte.

VW in Boston 2016: Zwischen 5,4 und 24,3 Dollar pro Monat
Adam Glanzman/ DPA

VW in Boston 2016: Zwischen 5,4 und 24,3 Dollar pro Monat


Unter hohem Treibstoffverbrauch leidet die Umwelt - und der Geldbeutel. Und weil VW die Angaben zahlreicher Autos zum Spritverbrauch der US-Umweltbehörde EPA zufolge mit einer Software frisiert hatte, muss der Wolfsburger Konzern in den USA nun viel Geld bezahlen.

Mit klagenden Fahrzeugbesitzern und der US-Umweltbehörde EPA hat sich Volkswagen auf eine Lösung im Streit über angebliche Falschangaben zum Benzinverbrauch von Autos seiner Marken Audi, Bentley, Porsche und Volkswagen geeinigt. Sollte der Vergleich vom zuständigen US-Gericht genehmigt werden, so würde VW rund 96,5 Millionen Dollar zahlen, wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht.

Angaben bei 98.000 Fahrzeugen korrigiert

Betroffene Kunden sollen pro Monat, den sie ein Auto besessen oder geleast hatten, zwischen 5,4 und 24,3 Dollar Entschädigung erhalten. US-Richter Charles Breyer soll bei einer Anhörung am 13. September in San Francisco entscheiden, ob er dem Kompromiss vorläufig zustimmt.

Mit dem Vergleich steht Volkswagen vor der Bewältigung eines weiteren juristischen Streits. Anders als in anderen Verfahren geht es hier nicht um die Manipulation an Dieselmotoren, um Abgasnormen zu erfüllen, sondern um Benziner. VW hat wegen Verbraucher- und Anlegerklagen hohe Summen zurückstellen müssen, einige Manager sind auch wegen Betruges vor Strafgerichten angeklagt.

Die Wiedergutmachung des Abgasskandals hat den Wolfsburger Konzern allein in den USA umgerechnet mehr als 25 Milliarden Euro gekostet. Einschließlich Bußgeldern in Deutschland und weiteren Rückstellungen summieren sich die Kosten inzwischen auf mehr als 30 Milliarden Euro. Vor dem Oberlandesgericht Braunschweig soll am 21. Oktober ein Musterprozess um die Ansprüche von Aktionären fortgesetzt werden.

Zu dem nun geschlossenen Vergleich schrieb VW, dass dadurch kein Schuldeingeständnis verbunden sei. Ein Fehlverhalten werde nicht eingeräumt.

Die EPA ordnete jedoch an, dass Angaben zum Kraftstoffverbrauch von rund 98.000 Fahrzeugen der Modelljahre 2013 bis 2017 korrigiert werden. Weil auch der Schadstoffausstoß mithilfe einer Software geschönt worden sei, würden zudem Emissionsgutschriften aberkannt, so die Behörde.

Einem Bericht der "Bild am Sonntag" 2016 zufolge hatte das kalifornische Umweltamt Carb die VW-Tochter Audi des Einsatzes einer weiteren illegalen Abgastechnik verdächtigt . Die weiteren Ermittlungen hätten dann Unregelmäßigkeiten der Kraftstoffbilanzen gezeigt, heißt es im Vergleichsantrag.

apr/dpa/Reuters



insgesamt 65 Beiträge
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spiegelleser987 31.08.2019
1.
Verdienen das wirklich die Autobesitzer? Den größten Teil davon verdienen doch die Anwälte und Richter. Zitat "...summieren sich die Kosten inzwischen auf mehr als 30 Milliarden Euro." Wenn VW diese Summe bereits zahlt und zurücklegt, ist es kein Wunder, dass hier bereits eine Menge Arbeitsplätze abgeschafft wurden. An anderer Stelle habe ich glesen, dass ebenso wurde die Schichtarbeit bereits abgeschafft wurde. Das betrifft nicht nur die Autoindustrie direkt sondern auch deren Zulieferer. Und die Zulieferer haben auch Zulieferer. Dort geht es ebenso bergab. Deshalb habe ich einen für dieses Jahr geplanten Auftrag nun verloren. Wenn das so weitergeht, dann haben wir nur noch Hartz IV und danach das "soziale Grundeinkommen" mit Zwangsarbeit, wie Straßen kehren, Hundehaufen sammeln usw.
burlei 31.08.2019
2. Na und?
Das ist eben der kleine Unterschied. In den USA klagt man vor Gericht und VW zahlt. Hier in Deutschland haben Autoindustrie und Lobbyverbände zusammen mit der CDU/CSU jeden Versuch erfolgreich erstickt. Dafür hat der Verbraucher, also der Kunde des VW-Konzerns, auch brav weiter VW gekauft. Sicher, er hätte umsteigen können. Einen anderen europäischen Wagen kaufen, einen Japaner, Koreaner.... Hat er aber nicht. Wie nennt man das eigentlich, wenn jemand über kriminelle Machenschaften in seinem näheren oder weiteren Umfeld informiert ist, diese aber dadurch unterstützt, indem er trotz dieses Wissens mit diesen Kriminellen in geschäftlicher Verbindung bleibt? Kundenbindung?
zdzs 31.08.2019
3. Schleierhaft
Mir ist Schleierhaft, warum die genormten Messmethoden überhaupt erlaubt sind. Das ist schon fast staatlich organisierter Betrug! Batterie vollladen, Generator abklemmen, alle el. Verbraucher abschalten- gehts noch? Mein Wagen ist im Mic mit 4,3l Diesel/100km angegeben. Mit Tempomat bei 70km kann man das schaffen...
ClaudioMonteverdi 31.08.2019
4. Amerikanische Verhältnisse
Vielleicht sollten wir hier, schadensersatzrechtlich, doch mal langsam 'amerikanische Verhältnisse' schaffen angesichts der absolut unzureichend vorhandenen Schadensersatzleistungen seitens VW in D. Wo bleibt denn da der Beschützer der deutschen Autobosse und -industrie, unser Kasperlverkehrsminister Andi S.?
igora 31.08.2019
5. und deutsche VW-Fahrer?
Warum bekommen deutsche VW-Fahrer keine Entschädigung? Ich bin 40 Jahre lang Volkswagen gefahren. Warum bekomme ich nichts?
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