SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

08. Oktober 2014, 14:57 Uhr

Herbstgutachten

Wirtschaftsforscher kappen Wachstumsprognose

Die führenden Wirtschaftsinstitute blicken immer skeptischer auf die Konjunktur in Deutschland. Die Forscher senkten ihre Wachstumsprognose laut "Handelsblatt" deutlich.

Berlin - Das Herbstgutachten gilt als richtungsweisend für die Konjunkturprognose der Bundesregierung: Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognose für Deutschland deutlich gekappt, berichtet das "Handelsblatt".

Sie erwarten nur noch 1,3 Prozent Wachstum in diesem Jahr und ein Plus von 1,2 Prozent für 2015, heißt es in dem Bericht. Die Zeitung beruft sich dabei auf mit dem Gutachten vertraute Kreise. Der ausführliche Bericht der Wirtschaftsforscher wird am Donnerstag vorgestellt.

Vor einem halben Jahr hatten die Institute noch 1,9 Prozent Wachstum für 2014 und 2,0 Prozent für 2015 vorhergesagt. Die sogenannte Gemeinschaftsdiagnose wird von vier Konsortien der Wirtschaftsforschungsinstitute erstellt. Zu dem Gremium gehören das ifo Institut in München, das DIW in Berlin, das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen und das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).

Auch IWF kappt Prognose für Deutschland

Nicht nur die deutschen Wirtschaftsforscher sehen die konjunkturelle Entwicklung skeptischer. Auch die aktuelle Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) für das Wachstum in Deutschland fiel erheblich skeptischer aus als bisher. Der Fonds rechnet nur noch mit einem Wirtschaftswachstum in diesem Jahr von 1,4 Prozent und im kommenden Jahr von 1,5 Prozent. Das entspricht für 2014 einer Absenkung um einen halben Prozentpunkt und für 2015 um 0,2 Prozentpunkte. Zudem warnte der IWF vor einer neuen Weltwirtschaftskrise.

Die Sorge vor einem Abschwung macht sich auch an der Börse bemerkbar. Der Dax fiel erstmals seit zwei Monaten wieder unter die Marke von 9000 Punkten. Bis zum frühen Nachmittag kletterte der Leitindex aber wieder auf 9011 Punkte.

Bundesregierung will Kurzarbeitergeld erneut verlängern

Sollten Firmen durch weniger Aufträge Probleme bekommen, sorgt die Bundesregierung bereits vor. Sie plant die Bezugsdauer für das Kurzarbeitergeld auch im kommenden Jahr auf bis zu zwölf Monate zu verlängern. Eine entsprechende Verordnung werde zurzeit vorbereitet, bestätigten Regierungskreise einen Bericht der "Rheinischen Post". Gesetzlich ist das Kurzarbeitergeld eigentlich auf maximal sechs Monate begrenzt. Die Bundesregierung hatte die Bezugsdauer allerdings schon in den vergangenen Jahren auf das Doppelte ausgedehnt. Idee des Kurzarbeitergeldes ist es, bei Auftragsflauten Entlassungen zu verhindern. Es wird von der Bundesagentur für Arbeit gezahlt und entlastet Unternehmen.

bos/Reuters

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung