Wachwechsel Siemens ernennt neuen Anti-Korruptionsaufseher

Beim Technologiekonzern Siemens kümmert sich ab Juli der bisherige Deutschland-Chef Josef Winter um die Einhaltung von Richtlinien und Gesetzen. Die strenge Überwachung will der Konzern künftig zu einem Wettbewerbsvorteil ummünzen.
Konzernzentrale von Siemens: Anti-Korruptionsprogramm neu ausgerichtet

Konzernzentrale von Siemens: Anti-Korruptionsprogramm neu ausgerichtet

Foto: ddp

München - Siemens hat seinen Deutschland-Chef Josef Winter zum neuen Anti-Korruptionswächter berufen. Er wird als Chief Compliance Officer für die Überwachung des operativen Geschäfts zuständig sein, wie Siemens   am Dienstag in München mitteilte. Winter tritt am 1. Juli die Nachfolge des Chief Compliance Officers Andreas Pohlmann an, der nach dem Schmiergeldskandal bei Ferrostaal zu dem Essener Anlagenbauer gewechselt war.

Der bisherige Compliance Operating Officer, Klaus Moosmayer, verantworte in der neu geschaffenen Position des Chief Counsel Compliance alle rechtlichen Aspekte der Einhaltung externer und interner Regeln. Beide Manager berichten direkt an Siemens-Vorstand Peter Solmssen, hieß es weiter.

"Mit der neuen Aufstellung werden wir die hohen Compliance-Standards nicht nur beibehalten, sondern sie gleichzeitig besser als Wettbewerbsvorteil für unser operatives Geschäft nutzen können", sagte Solmssen. Der von der US-Börsenaufsicht bestellte Aufseher von Siemens, der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU), habe die Neuaufstellung ausdrücklich begrüßt.

Langjährige Erfahrung im Vertrieb

Siemens hatte sein Anti-Korruptionsprogramm nach dem größten deutschen Schmiergeldskandal neu ausgerichtet. Insgesamt sollen bei Siemens über mehrere Jahre hinweg rund 1,3 Milliarden Euro dubiose Zahlungen getätigt worden sein. Der Skandal kostete Siemens zwei Milliarden Euro. Mehrere Manager wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt, der ehemalige Siemens-Chef Heinrich von Pierer und andere Exvorstände zahlten Schadensersatz in Millionenhöhe.

Winter sollte ursprünglich zum 1. Juli in den Sektor Industry wechseln, war laut Siemens aber nach dem Ausscheiden Pohlmanns der ideale Kandidat für den Posten - nicht zuletzt aufgrund seiner langjährigen internationalen Erfahrung im Vertrieb.

mik/ddp/AP
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