Wall Street Daimler verabschiedet sich von New Yorker Börse

Erst die Allianz, dann die Deutsche Telekom, jetzt Daimler: Der Stuttgarter Autokonzern hat seinen Rückzug von der Wall Street angekündigt. Das Unternehmen will Kosten sparen - auch muss es künftig nicht mehr an die strenge US-Börsenaufsicht berichten.
Mercedes-Benz-Logo: Der Konzern entzieht sich der Kontrolle der US-Börsenaufsicht

Mercedes-Benz-Logo: Der Konzern entzieht sich der Kontrolle der US-Börsenaufsicht

Foto: ddp

New York Stock Exchange

Stuttgart - Nach der Deutschen Telekom   und Allianz   will auch der Autobauer Daimler   seine Aktien nicht mehr an der New Yorker Börse handeln lassen. Sowohl die Notierung der Aktien als auch eine von Daimler garantierte Anleihe an der (NYSE) sollen eingestellt werden, teilte der Autokonzern mit. Ziel sei es, die Finanzberichterstattung zu vereinfachen sowie Verwaltungskosten und Gebühren zu sparen.

Aus Sicht von Daimler stehen Aufwand und Nutzen in keinem vernünftigen Verhältnis mehr: In den vergangenen zwölf Monaten habe das Handelsvolumen in den USA deutlich unter fünf Prozent der weltweiten Transaktionen mit Daimler-Papieren gelegen, erklärte der Konzern. In erster Linie werde der Handel mit Daimler-Aktien in Deutschland und über elektronische Plattformen abgewickelt. Der von Vorstand und Aufsichtsrat beschlossene Rückzug wird laut Konzern "zeitnah" beantragt. Einen genauen Termin nannte Daimler nicht.

SEC

Nach dem Abzug der Aktien von der Wall Street will Daimler auch nicht mehr an die US-Börsenaufsicht berichten, teilte der Konzern weiter mit. Daimler entzieht sich damit dem strengen Blick der Aufseher, die jede Firma, die in den USA notiert ist, kontrollieren. Denn dabei gehen die Ermittler auch gehen Vergehen vor, die jenseits der US-Grenzen stattfinden.

Daimler verkauft jedes vierte Auto in den USA

So hatte es zuletzt auch Daimler getroffen. Erst Ende März stimmte ein US-Richter einem Vergleich zu, den der Autobauer mit dem Justizministerium und der SEC ausgehandelt hatte. Daimler bekannte sich schuldig, über zehn Jahre hinweg in mindestens 22 Ländern Regierungsbeamte bestochen zu haben, um an lukrative Aufträge für Lastwagen, Kleintransporter, Busse und Pkw heranzukommen. Dabei soll es um Aufträge im Wert von mehreren hundert Millionen US-Dollar gegangen sein. Das Unternehmen muss deswegen 185 Millionen Dollar zahlen.

Die Gefahr, von der US-Justiz verklagt zu werden, alarmiert offenbar viele deutsche Unternehmen: Im vergangenen Herbst hatten bereits Infineon, Bayer, BASF und E.on den Rückzug von der US-Börse angetreten. Künftig werden somit nur noch vier Dax-Unternehmen in New York gelistet sein: SAP  , Siemens  , die Deutsche Bank   und Fresenius Medical Care  .

Nordamerika werde für Daimler auch weiterhin ein wichtiger Markt bleiben, bekräftigte das Unternehmen. Im vergangenen Jahr wurde dort fast ein Viertel des weltweiten Konzernumsatzes (78,9 Milliarden Euro) erwirtschaftet. Fast jeder zehnte der weltweit 256.000 Beschäftigten arbeitet in Nordamerika. Noch vor zwei Wochen, nachdem die Deutsche Telekom ihren Abschied von der Wall Street mitgeteilt hatte, hatte Daimler-Finanzchef Bodo Uebber Überlegungen, sich von der New Yorker Börse zurückzuziehen, dementiert.

lgr/dpa/Reuters