Wall-Street-Skandal Ermittler prüfen Verbindungen Rajaratnams zu Tamil-Rebellen

Nach dem spektakulären Fall des Milliardärs und Hedgefonds-Chefs Raj Rajaratnam sind laut US-Medien weitere Festnahmen wahrscheinlich. Spekuliert wird auch über Finanzkontakte des in Sri Lanka geborenen Managers zu Tamil-Rebellen.

AP

New York - Der Insiderhandel-Skandal um den Milliardär und Hedgefonds-Chefs Raj Rajaratnam ist vermutlich der größte in der Geschichte der Wall Street - und wohl bei weitem nicht der einzige: Fahnder seien mehreren Netzwerken ähnlicher Finanzbetrüger auf der Spur, berichtete der Wirtschaftsdienst Bloomberg am Montag unter Verweis auf Insider. Einige Verdächtige hätten Verbindungen zu Rajaratnam. Aber auch unabhängige Fälle seien im Visier der Behörden. Mehrere Ex-Kollegen des Hedgefonds-Managers helfen den Ermittlern dem "Wall Street Journal" zufolge bei der Untersuchung gegen Rajaratnam.

In getrennten früheren Ermittlungen habe sich überdies eine Spur von Rajaratnam zu den Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) ergeben, so die Zeitung unter Berufung auf damit vertraute Personen. Von Rajaratnam an eine Hilfsorganisation in den USA gespendetes Geld sei letztlich bei den Rebellen gelandet, die von der Regierung auf Sri Lanka inzwischen besiegt wurden. Auch diese Vorwürfe streitet Rajaratnam über seine Anwälte ab.

Die Wall Street wird von dem Skandal um Rajaratnam schwer erschüttert. Die Behörden hatten den 52-Jährigen und fünf Spitzenmanager am Freitag festgenommen. Sie sollen mit verbotenen Aktiengeschäften rund um Konzerne wie Intel, IBM und Google etwa 20 Millionen Dollar verdient haben. Rajaratnam selbst beteuert weiter seine Unschuld.

Rajaratnam ist Gründer des 1997 gestarteten weltweit agierenden Hedgefonds Galleon. Er begann seine Karriere an der Wall Street in den neunziger Jahren als Analyst in der Tech-Branche. Dem Manager drohen laut US-Medien bis zu 20 Jahre Haft, einige sprechen gar von lebenslänglich. Gegen eine Kaution von 100 Millionen Dollar ist er derzeit auf freiem Fuß.

Der mutmaßliche Insiderhandel war durch einen ehemaligen Komplizen aufgedeckt worden. Die illegalen Geschäfte sollen bereits seit mehreren Jahren gelaufen sein. Die Fahnder hörten erstmals wie im Anti-Terrorkampf Telefongespräche ab und werteten systematisch Daten zu Aktiengeschäften aus.

ssu/dpa



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Seite 1
Hartmut Dresia, 19.10.2009
1.
Zitat von sysopErst Madoff, jetzt Rajaratnam - hat die Wall Street aus der Wirtschaftskrise nichts gelernt?
Was sollte sie denn lernen? Dass der Staat im Zweifel die Rechnungen begleicht, das konnten auch die deutschen Banken aus der Krise lernen. Und dass Politiker Geld ohne jede Gegenleistung geben. Warum ist das so? Es gibt da viele Thesen: Heiner Flassbeck: Gescheitert - Warum die Politik vor der Wirtschaft kapituliert (http://www.plantor.de/2009/gescheitert-warum-die-politik-vor-der-wirtschaft-kapituliert/) Aber was sollen Banken auch von Politikern halten, wenn man sich zum Beispiel die Besetzung von Vorstandsposten bei der Bundesbank durch die Politik anschaut: Thilo Sarrazin - eine glatte Fehlbesetzung in der Bundesbank (http://www.plantor.de/2009/thilo-sarrazin-eine-glatte-fehlbesetzung-in-der-bundesbank/)
founder 19.10.2009
2. Ein Stoßdämpfer für die Börsen
Zitat von sysopErst Madoff, jetzt Rajaratnam - hat die Wall Street aus der Wirtschaftskrise nichts gelernt?
Was passiert wenn bei einem Auto die Stoßdämpfer kaputt sind? Schlechte Straßenlage, längerer Bremsweg, es wird extrem gefährlich damit zu fahren. Stoßdämpfer sind Schwingugsdämpfer. Ohne Schwingungsdämpfung schaukelt sich das Auto auf Bodenwellen zu immer größeren Schwingungen auf, bis es unkontrollierbar ins Schleudern gerät. Eine Börsentransaktionssteuer wäre ein Stoßdämpfer für die Börse.
londoneye 19.10.2009
3. Wie blöd muss man eigentlich sein?
Der Kerl hat schon 1,3 Mrd US Dollar Privatvermögen und betreibt Insiderhandel, um an weitere 20 Mio USD zu gelangen! Das ist nicht nur raffgierig, sondern auch extrem dämlich.
Ghost12 19.10.2009
4. Nicht ein paar Profiteure, sondern
Zitat von sysopErst Madoff, jetzt Rajaratnam - hat die Wall Street aus der Wirtschaftskrise nichts gelernt?
Die Verantwortung der Exzesse, die momentan noch schlimmer sind als bei Beginn der Finanzkrise, trägt derjenige, der die Blasen aufbläht- das ist Ben Bernanke. Mit Unterstützung von Geithner und Obama, die ihn bei seinem Kurs unterstützen.
Sackaboner 19.10.2009
5.
Es ist schon mehr als merkwürdig, dass Leute, die eigentlich mehr als genug Kohle für ein sorgefreies Leben bis an ihr Ende haben, immer noch weiter raffen müssen. Das kann nur eine Krankheit sein, da jede Logik und Vernunft darin fehlen. Dumm, wenn man dann noch der amerikanischen, alttestamentarischen Rachejustiz in die Hände fällt.
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