Familienkrach bei Disneys Erbstreit in Entenhausen

Der legendäre Trickfilmer Walt Disney galt als Visionär, der Glück und Freude verbreitete. Seine Erben haben sich dagegen heillos zerstritten. In einem spektakulären Zivilverfahren zanken sich Disneys Enkel um 400 Millionen Dollar.

ddp images/ Disney

Von , New York


Anfang Dezember 1963 traf ein Geschäftsreisender in Orlando ein, einem Kaff inmitten der Sümpfe Floridas. Er hieß William Lund, war 33 Jahre alt und gab sich als Anwalt aus, der im Auftrag eines New Yorker Investmentsfonds nach Grundstücken suchte.

Ein Immobilienmakler zeigte ihm drei riesige Parzellen vor den Toren Orlandos. Lund bedankte sich und flog nach New York zurück. Der Makler hörte nie wieder etwas von ihm.

Die mysteriöse Episode markiert nicht nur den Beginn eines globalen Amüsier-Imperiums. Sie ist auch Ausgangspunkt eines 400-Millionen-Dollar-Erbstreits, der jetzt, exakt 50 Jahre später, vor Gericht landet - als spektakulärer Zivilprozess in Los Angeles.

Denn Bill Lund war in Wahrheit ein Firmenspion des legendären Walt Disney. Der Studioboss aus Hollywood suchte nach einem Standort für einen neuen, gewaltigen Vergnügungpark. Um Behörden, Anwohner und Rivalen nicht aufzuschrecken, plante er das Vorhaben als akribische Geheimmission. Deckname: "Projekt Winter".

Disney selbst war unter falschem Namen über Orlando geflogen, um die Gegend aus der Luft zu begutachten. Bill Lund, Disneys Projektentwickler, reiste als Nachhut hinterher. Als die Finte zwei Jahre später aufflog, hatte Disney das Land längst anonym aufgekauft. Er starb, bevor sein Traum 1971 fertig wurde - Walt Disney World, der "glücklichste Ort der Welt".

Koma und Familienzank

Für Lund hingegen bedeutete das Sumpfabenteuer, aus dem ein weltweites Netz aus Freizeitparks erwuchs, zunächst auch privates Glück: 1968 heiratete er Disneys Adoptivtochter Sharon, zwei Jahre später bekamen sie Zwillinge, Michelle und Brad.

Die Ehe hielt nur bis 1977, das Paar blieb trotzdem befreundet. Ein Jahr vor ihrem Tod 1993 benannte Sharon Disney ihren Ex-Mann als einen von vier Treuhändern ihres Erbes, das von da an in Raten an drei Disney-Enkel ausgezahlt wurde: Michelle, Brad sowie Sharons Tochter aus erster Ehe, Victoria. Alle fünf Jahre gab es für jeden rund 20 Millionen Dollar.

Bill Lund, 82, lebt heute mit seiner zweiten Frau Sherry, Sohn Brad, 43, und fünf Cockerspanieln in Paradise Valley, einem reichen Vorort von Phoenix, der Hauptstadt Arizonas. Brads Zwillingschwester Michelle lebt in Südkalifornien. Lunds Stieftochter Victoria starb 2002 an Nierenversagen.

Anfang September 2009 fiel Michelle nach einem Gehirnaneurysma ins Koma. Prompt begann der Familienzank um ihr Erbteil. Angehörige, "die sich seit Jahren nicht gesehen hatten", hätten sich am Krankenbett versammelt, meldete die Zeitung "Arizona Republic" spitz. "Die Spannung war spürbar. Schließlich entlud sie sich in bitteren Konfrontationen."

Bill und Sherry wollten Michelle nach Arizona verlegen, Freunde und andere Familienmitglieder protestierten. Beide Seiten warfen einander vor, Michelle "isolieren" und an ihr Geld kommen zu wollen. Auch soll Bill den Disney-Erbfonds für profitable Immobiliendeals missbraucht haben.

"Permanent hirngeschädigt"

Wieder gesund, stellte sich Michelle ebenfalls gegen ihren Vater und behauptete überdies, er und andere würden ihren Zwillingsbruder Brad "manipulieren" und sein Erbteil verprassen. Brad lebt in Arizona direkt neben Bill und Sherry - in "buchstäblicher Gefangenschaft", so der Vorwurf. 2005 und 2010 versagten ihm die Treuhänder auf Wunsch Michelles deshalb seine Raten und unterstellten ihn einem Vormund.

Walt Disneys andere Tochter Diane Disney Miller schloss sich ihrer Nichte Michelle an. Der Disney-Clan war damit vollends zersplittert. Seit 2009 haben die Zwillinge Michelle und Brad nicht mehr miteinander gesprochen. Michelle behauptet, Brad sei behindert und unfähig, sein Erbe anzutreten. Was Brad wiederum energisch abstreitet - bisher aber ohne Erfolg.

Nach vier Jahren kulminiert der Zoff am Donnerstag kommender Woche vor einem Zivilgericht in Los Angeles. Auf der einen Seite: Brad, Bill und Sherry, die Brads Erbe freiklagen wollen und hinzufügen, Michelle sei seit ihrer Krankheit 2009 ihrerseits "permanent hirngeschädigt". Auf der anderen Seite: Michelle und die restlichen Disney-Treuhänder.

Eine Beteiligte wird den Ausgang des Prozesses nicht mehr erleben. Diane Disney Miller - eine prominente Mäzenin, die den Bau der berühmten Walt Disney Concert Hall in Downtown Los Angeles ermöglichte - starb Mitte November im Alter von 79 Jahren. Sie habe das kulturelle Erbe ihres Vaters stets "vor schlecht recherchierten Biografien und inakkuraten Gerüchten" beschützt, hieß es im Nachruf der Disney-Stiftung, der sie vorstand.

Um das finanzielle Erbe müssen sich jetzt die Gerichte kümmern.



insgesamt 6 Beiträge
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motzer2.0 01.12.2013
1. tragisch
wenn einem die 20 Millionen alle 5 jahre nicht reichen (das sind pro jahr 4 Millionen) dann ist das schon sehr tragisch und zeigt das geld nicht glücklich macht...
HaioForler 01.12.2013
2.
Zitat von motzer2.0wenn einem die 20 Millionen alle 5 jahre nicht reichen (das sind pro jahr 4 Millionen) dann ist das schon sehr tragisch und zeigt das geld nicht glücklich macht...
Doch schon. Mehr Geld macht halt mehr glücklicher. Die Villen wollen halt unterhalten werden, und da sind 20 Millionen besser als 5. Unbd wenn es nicht glücklich macht, dann zumindest *sehr, sehr* zufrieden. Und das ist schon ne Menge.
scalawag 01.12.2013
3. *lach*
Die streiten sich, um das Geld und sehen nicht, wie sie bei den Anwälten eimerweise verlieren. Wie hoch mag die Rechnung sein bei der Streitsumme?
ronald1952 01.12.2013
4. Also wenn denen 400 Millionen Dollar
Zitat von sysopddp images/ DisneyDer legendäre Trickfilmer Walt Disney galt als Visionär, der Glück und Freude verbreitete. Seine Erben dagegen haben sich dagegen heillos zerstritten. In einem spektakulären Zivilverfahren zanken sich Disneys Enkel um 400 Millionen Dollar. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/walt-disney-erben-streiten-um-400-millionen-dollar-a-936059.html
nicht reichen, dann haben diese Herrschaften es auch nicht verdiehnt. Der Staat sollte bei solchen Streitereien das Geld beschlagnahmen und die Erben sollten dann mal Arbeiten gehen. Es ist üblich bei solchen Leuten die nichts selbst Geschaffen haben, die nur Geerbt haben so zu Spinnen. Wie Armseelig! schönen Tag noch,
toormaschine 01.12.2013
5. @HaioForler
Ich hoffe, dass sich hinter Ihrem Nick-Name keiner meiner Geschwister verbirgt und sie zu meiner Erbengemeinschaft gehören. Das würde sicherlich "lustig". Ich schließe mich meinen Vorrednern an : Wer pro Jahr 4 Mio verballert und dafür nichts tun musste, außer geboren zu werden, der hat es auch nicht besser verdient, als das Staranwälte sich in endlosen Prozessen die Kohle nach und nach unter den Nagel reißen. Das kapieren die ja schon nicht - also nicht viel cleverer als einige Figuren des alten WD.
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