Warenhaus-Poker Karstadt bangt um die letzte Chance

Der Karstadt-Krimi geht in die heiße Phase: Die Gläubiger des Vermieters Highstreet müssen an diesem Donnerstag über die Zukunft der Kaufhauskette entscheiden. Gibt es bis Mitternacht kein positives Votum, droht das endgültige Aus.

Karstadt-Filiale: Schicksalstag für die Kaufhauskette
ddp

Karstadt-Filiale: Schicksalstag für die Kaufhauskette


Essen - Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg bereitet das Ende der Warenhauskette Karstadt vor. Sollte der Vermieter Highstreet den geforderten Mietsenkungen an diesem Donnerstag nicht verbindlich zustimmen, wolle Görg am Abend auf einer Gläubigerausschusssitzung sein Liquidationsszenario vorstellen, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD) vorab. Die Präsentation sei mit der Einladung an die Ausschussmitglieder versandt worden und liege der Zeitung vor. Demnach sollen Sport- und Premiumhäuser bis Jahresende verkauft und alle anderen Filialen bis Ende Februar 2011 geräumt werden.

Der Insolvenzverwalter fürchtet offenbar, dass die Gespräche bei Highstreet scheitern und Karstadt nicht mehr zu retten ist. Denn nur wenn die Gläubiger des Konsortiums den von Karstadt-Investor Nicolas Berggruen geforderten Mietsenkungen zustimmen, können die Mietverträge für die Karstadt-Häuser auch unterzeichnet werden. Das ist wiederum die Voraussetzung dafür, dass der von Berggruen unterzeichnete Kaufvertrag auch gültig werden kann. Anderenfalls droht Karstadt die Zerschlagung. Die Frist für eine Einigung der Gläubiger läuft um Mitternacht ab.

Innerhalb des Konsortiums gibt es "FTD"-Informationen zufolge zwei Hürden für die Zustimmung. Beide betreffen die sogenannten Mezzanine-Kapitalgeber. Sie haben eine Mischung aus Eigen- und Fremdkapital eingelegt und deshalb weder Sicherheiten noch Stimmrechte, erhalten dafür aber höhere Zinsen. Zudem hat jeder von ihnen ein Vetorecht, falls diese Zinsen - etwa durch Mietsenkungen - gekürzt werden sollen.

Borletti will Verkauf an Berggruen verhindern

Seit Mittwoch spricht nach "FTD"-Informationen deshalb der italienische Kaufhausunternehmer Maurizio Borletti gezielt Mezzanine-Geldgeber an, um sie zum Verkauf ihrer Kredite an ihn zu bewegen. "Bislang war noch niemand zum Verkauf bereit", hieß es in Finanzkreisen. Ein solches Geschäft könne aber auch noch in letzter Minute abgewickelt werden.

Borletti will damit versuchen, den Verkauf an Berggruen zu verhindern. Borletti war mit seinem erst vor wenigen Wochen eingereichten Gebot für Karstadt bei Görg abgeblitzt. Am Mittwoch hatte der Insolvenzverwalter das nachgebesserte Angebot des Einzelhandel-Moguls als "substanzlos" verworfen.

Gleichzeitig wird unter den Mezzanine-Geldgebern Unternehmenskreisen zufolge weiter um die Verteilung von möglichen späteren Erträgen gefeilscht. Dagegen gilt die Zustimmung von Kreditgebern aus dem sogenannten Senior-B-Kredit inzwischen als wahrscheinlich. Dabei müssen 75 Prozent zustimmen. "Der Verwalter will nach dem monatelangen Feilschen nun endlich eine Entscheidung erzwingen", sagten Insider aus dem Konzern.

Görgs Sprecher versuchte laut "FTD", die Präsentation zu relativieren. "Die Szenarien, die in den Schubladen liegen, sollen dort möglichst auch bleiben. Unser Ziel ist der Vollzug des Kaufvertrags." Dass eine weitere Terminverschiebung möglich sei, wollte er aber nicht bestätigen.

Zuversichtlich zeigte sich die Gewerkschaft Ver.di, die für die Interessen der Karstadt-Beschäftigten eintritt. "Wir sind optimistisch, dass die Abstimmung in London so abläuft, wie sich die Beschäftigten das erhoffen", sagte die stellvertretende Gewerkschaftschefin Margret Mönig-Raane dem "Tagesspiegel".

wit/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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janne2109 02.09.2010
1. Warenhaus-Poker: Karstadt bangt um die letzte Chance
das ganze dauert schon viel zu lange. Es ist mir unverständlich warum man an Berggruen fest hält, obwohl Borletti mehr bietet und ein Kaufhaus Mann ist. Wieder wird etwas einem reinen Finanz-Investor als Präsent übergeben.
numey 02.09.2010
2. ...
"wenn ich es nicht haben kann, mache ich es dir kaputt" auf Milliardenniveau. Abscheulich.
Künstlicher_Horizont 02.09.2010
3. Schwanz wackelt mit dem Hund
Die wesentlichen Aspekte bei einer Kaufhauskette ist also die Verzinsung von Mezzanine-Krediten. Das ist ein weiteres Detail im Gesamtbild 'Finanzmarkt-Schwanz wackelt mit dem Realwirtschafts-Hund'. Aber der Hund (= Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten) hat leider kaum Alternativen. Der Schwanz ist ja festgewachsen.
alt-wikinger 02.09.2010
4. Zum Gutteil selbst schuld
Bei meinem jüngsten Besuch in Hamburg wurde ich von einem Karstadt-Mitarbeiter aufgefordert, mit meiner Unterschrift den Erhalt von Karstadt zu unterstützen. Ich habe nicht unterschrieben, denn zu einem Gutteil sind die Mitarbeiter selbst schuld an dieser Misere. Wo waren sie, als ich nur wissen wollte, was ein nicht ausgezeichneter Artikel kostete oder sogar eine Beratung wollte? Abgetaucht! Darüber sollten auch einmal die Mitarbeiter vom Kaufhof/Galerie nachdenken! Ein Kabarettist hat das einmal sehr schön karrikiert. Will man in einem Kaufhaus bedient werden, muss man sich ein Namenschild ans Revers stecken. Dann tauchen plötzlich alle Mitarbeiter auf, um den Neuen zu bestaunen. Und wer hat für höhere Löhne gestreikt, obwohl der Handel immer mehr Probleme hat, über die Runden zu kommen? Die Kaufhäusler. Ich weiß, man muss von seinem gerechten Lohn leben können - von Gegenleistung spricht keine Gewerkschaft. Nur, wenn dann der Laden dichtgemacht wird, wie viel "gerechten Lohn" haben dann die Mitarbeiter? Ich hab's erlebt, wie infolge eines wochenlangen Sreiks am Ende 200 Arbeitsplätze abgeschafft waren.
Kontrastprogramm 02.09.2010
5. :--((
wer durch die Innenstädte geht, sieht ganz deutlich, dass wir zu viele Kaufhäuser haben, die die gleichen Sortimente haben. Kaufhof und Karstadt sind mehr oder weniger Dubletten. Wer Zeit totschlagen will, hat vieleicht Spass daran, sich alle anzusehen, aber in der Regel will man doch etwas besorgen/erledigen und nicht im Mief wandeln. Angeschlagen wie Karstadt ist, wird es dem Wettbewerb nicht viel bringen. Ausser das es da ist.
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