Warnstreiks Karstadt-Mitarbeiter legen Arbeit nieder

Arbeitskampf bei Karstadt: In ganz Deutschland demonstrieren Mitarbeiter der angeschlagenen Warenhauskette für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Trotz der Warnstreiks bleibt keine Filiale geschlossen. Teilweise müssen aber laut Gewerkschaft die Führungskräfte selbst an der Kasse sitzen.

Streikende Karstadt-Mitarbeiter in Hamburg: "Das Vertrauen sinkt"
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Streikende Karstadt-Mitarbeiter in Hamburg: "Das Vertrauen sinkt"


Essen - Mit Warnstreiks und mehrstündigen Betriebsversammlungen haben Tausende von Karstadt-Mitarbeitern am Freitag ihrer Forderung nach einer Standort- und Beschäftigungsgarantie Nachdruck verliehen. Die Auswirkungen der Proteste hielten sich nach Angaben des Unternehmens aber in Grenzen. "Bis auf wenige Ausnahmen gibt es in den Karstadt-Filialen nur geringe Beeinträchtigungen", sagte Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz. "Keine Filiale ist geschlossen."

Mehr als 400 Karstadt-Beschäftigte demonstrierten vor dem Luxuskaufhaus KaDeWe in Berlin, auf dem Rathausmarkt in Hamburg protestierten Hunderte mit Trillerpfeifen und Rasseln. Etwa 250 Streikende zogen in einem Protestzug durch die Dortmunder Innenstadt. Auch in vielen anderen Städten kam es laut der Gewerkschaft Ver.di zu Warnstreiks und Kundgebungen. In Süddeutschland öffneten viele Filialen mit Verspätung, weil die Mitarbeiter an Betriebsversammlungen teilnahmen.

Die Gewerkschaft hatte zuvor gewarnt, Kunden müssten sich am Freitag und zum Teil auch am Samstag auf "erhebliche Beeinträchtigungen bis hin zur Schließung von Häusern" einstellen. Doch bemühte sich der Konzern, die Häuser offen zu halten. Teilweise hätten Führungskräfte an den Kassen gesessen, andernorts sei der Betrieb mit Leiharbeitern aufrechterhalten worden, berichtete die Gewerkschaft.

Mit den Warnstreiks will Ver.di Karstadt zur Rückkehr in die Tarifbindung zwingen, nachdem das Unternehmen im Mai einseitig eine "Tarifpause" verkündet hatte. Außerdem fordert die Gewerkschaft einen Standort- und Beschäftigungssicherungsvertrag für die rund 20.000 Beschäftigten. Erste Gespräche zwischen den Tarifparteien waren ergebnislos geblieben. Doch sollen die Verhandlungen am 11. November mit einem mehrtägigen Gesprächsmarathon fortgesetzt werden.

"Das Vertrauen in das Management sinkt immer weiter, weil man keine positive Entwicklung sieht", beschrieb Ver.di-Verhandlungsführer Rüdiger Wolff im Fernsehsender n-tv die Stimmung im Unternehmen. Auch das Vertrauen in die Eigentümer sei gesunken, weil Versprechungen gemacht, aber bis heute nicht eingehalten worden seien. Für zusätzliche Unruhe sorgte zuletzt, dass der Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen drei Luxus-Warenhäuser und 28 Sporthäuser mehrheitlich an den österreichischen Immobilieninvestor René Benko verkauft hat.

stk/dpa



insgesamt 23 Beiträge
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kabian 25.10.2013
1. Heuschreckenfestung wird sturmreif geschossen
Jetzt darf sich der Wolf im Schafspelz warm anziehen. Die Mitarbeiter haben lange genug stillgehalten. Jetzt muss auch mal was kommen ausser heißer Luft.
petsy157 25.10.2013
2.
Man kann nur das Verteilen was nach den Kosten noch übrig bleibt und wenn ein Unternehmen schon angeschlagen ist, ist diese Forderunf einfach nicht schlichtweg dumm. Fazit: Nur der Dumme sägt den Ast ab auf dem er sitzt.
Toltek 25.10.2013
3. Bei allem Verständnis,
aber Arbeitsplätze hängen in der freien Wirtschaft immer auch von der Auftragslage ab. Wenn die Umsätze bei Karstadt zurückgehen, liegt das nicht zuletzt auch an manchen unmotivierten Mitarbeitern. Was sollen denn all die Beschäftigten kleinerer Unternehmen sagen? Wenn die für Beschäftigungsgarantie streiken würden, können die Läden gleich dicht machen. Wir haben hier nun mal annähernd amerikanische Verhältnisse. Und realistisch gesehen: Ohne Berggruen wäre Karstadt sowieso längst Schnee von gestern. Kaufhäuser dieser Art und Größe haben sich längst überlebt.
kd0627 25.10.2013
4. Wenn die Kaufhäuser weiterhin Verluste machen, und was dann?
Verdi ist hoffentlich nicht wieder ein Sargnagel auf den Arbeitsplätzen der "Gewerkschaftler"! Hoffentlich ist die Kampagne gegen Schlecker noch in Erinnerung. Die Verdi Funktionäre waren sehr erfolgreich...., der Betrieb hatte einen Betriebsrat und war dann, unter Mithilfe der Verdi-Kampagne, pleite und die "Verdi-Betreuten" standen auf der Strasse! Mal sehen ob dies bei Karstad genauso läuft!
h.hass 25.10.2013
5.
Die Zeit dieser Kaufhaus-Kathedralen geht ihrem Ende entgegen. Das ganze Konzept, das dahintersteht, ist heute nicht mehr zeitgemäß. Gegen den spezialisierten Versandhandel und gegen die großen Elektronikketten können Kaufhäuser einfach nicht mehr anstinken und wirken piefig. Das ist traurig für die Mitarbeiter, aber der Trend lässt sich nicht mehr umkehren. Bis es Karstadt erwischt, ist es nur eine Frage der Zeit... da kann auch der große Bellheim oder Berggruen nicht mehr helfen.
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