Warnung vor Engpässen Energieagentur sagt massiven Ölpreisschub voraus

190 Dollar für ein Fass Rohöl: Laut Internationaler Energieagentur werden die Energiepreise massiv steigen, die Ausgaben in der EU drohen sich bis 2030 zu verdoppeln. Fachleute warnen vor dramatischen Engpässen - auch bei Erdgas. Abhilfe soll ein komplett neues Energiesystem schaffen.

Ölfeld in Kalifornien: "Die Welt braucht im Prinzip vier neue Russlands"
dpa

Ölfeld in Kalifornien: "Die Welt braucht im Prinzip vier neue Russlands"


London - Der weltweite Ölverbrauch steigt in rasantem Tempo. Laut Internationaler Energieagentur (IEA) treibt das die Preise drastisch in die Höhe. Die Experten warnen, dass sich die Industriestaaten in den kommenden 20 Jahren auf eine Verdoppelung ihrer Energieausgaben einstellen müssen.

Die Internationale Energieagentur vertritt die Interessen von 28 Industriestaaten. Ihre Forderung: Die Welt muss sich auf konkrete Klimaschutzprogramme und auf Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs einigen. Ansonsten werde es nicht gelingen, die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren.

Wegen der Rezession dürfte der Energiebedarf in diesem Jahr zwar um zwei Prozent zurückgehen. Dem Szenario der Experten zufolge ist aber allein in den kommenden fünf Jahren mit einem durchschnittlichen Anstieg der Nachfrage um 2,5 Prozent pro Jahr zu rechnen. Bis 2030 werde der Bedarf jährlich um 1,5 Prozent zunehmen. Zu diesem Zeitpunkt soll die Ölnachfrage dann einen Höhepunkt von 105 Millionen Barrel am Tag erreichen. Dies wären pro Tag 20 Millionen Barrel mehr, als im vergangenen Jahr verbraucht wurden.

Das Problem: Die Produktion kommt mit der Nachfrage nicht mit, wie ein Mitarbeiter der IEA sagte. Nach Überzeugung vieler Experten schwinden die weltweiten Ölvorkommen, deshalb sei 2030 selbst eine Ausbeute von 90 bis 95 Millionen Barrel am Tag kaum denkbar. Dies sagte ein IEA-Insider dem britischen "Guardian". "Aber es herrscht die Angst vor, dass an den Finanzmärkten Panik ausbrechen könnte, wenn die Prognosen noch weiter gesenkt werden."

"Wir müssen unser Energiesystem ändern"

Laut IEA-Jahresbericht, den Chefvolkswirt Fatih Birol an diesem Dienstag vorstellte, dürfte der Ölpreis bis 2015 auf 100 Dollar je Fass steigen. Bis 2030 prognostizierte Birol einen Preis von 190 Dollar je Fass. Damit würden sich die Energieausgaben in der Europäischen Union in den beiden kommenden Jahrzehnten auf 500 Milliarden Dollar glatt verdoppeln. "Wir halten das für sehr alarmierend", sagte Birol.

Mit dem Ölpreisrekord im vergangenen Jahr hätten die Energiekosten in der EU bereits 2,3 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung erreicht. "Wir kommen in Schwierigkeiten, wenn wir nichts an unserem Energiesystem ändern", betonte Birol. Im Sommer 2008 war der Ölpreis auf einen Rekord von 147,27 Dollar je Fass gestiegen. Derzeit notiert US-Leichtöl bei 79 Dollar.

Auch für den Energieträger Gas sagt die IEA trotz der gegenwärtigen Überkapazitäten Engpässe voraus. Dank einer höheren Förderung in den USA und im Nahen Osten werde die Ausbeute zwar in den kommenden fünf Jahren auf 250 Milliarden Kubikmeter und damit das Dreifache von 2008 steigen, sagte Birol. Um 2030 aber den erwarteten Höhepunkt des Bedarfs zu befriedigen, seien große Anstrengungen nötig. Die Welt brauche bis dahin im Prinzip "vier neue Russlands", betonte der Volkswirt.

Russland hat die größten Gasvorkommen der Welt. Die USA bleiben den Prognosen zufolge bis 2025 der größte Energieverbraucher der Welt, werden dann aber von China abgelöst. Indien dürfte bereits 2020 Japan überholen und auf Platz drei der größten Verbraucher aufrücken.

ore/Reuters



insgesamt 140 Beiträge
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Seite 1
Klo, 20.10.2009
1.
Zitat von sysopDer Ölpreis schwingt sich schon wieder von Rekordhoch zu Rekordhoch - und beflügelt damit Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Weltwirtschaftskrise. Doch inwieweit kann man dieser Entwicklung trauen?
Wieso sollte die Krise vorbei sein, wenn der Ölpreis steigt? Wenn Energie teurer wird, dann fängt die Krise erst an.
Hartmut Dresia, 20.10.2009
2.
Zitat von sysopDer Ölpreis schwingt sich schon wieder von Rekordhoch zu Rekordhoch - und beflügelt damit Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Weltwirtschaftskrise. Doch inwieweit kann man dieser Entwicklung trauen?
Man wird die Krise nicht wegbeten können und es besteht die Gefahr, dass die neue Koalition zusätzliche Neuverschuldung für Präsente nutzt, statt nachfragewirksame Maßnahmen zu ergreifen. Die Rechnung wird dann auf dem Arbeitsmarkt präsentiert: Dem Arbeitsmarkt steht das Wasser bis zum Hals (http://www.plantor.de/2009/dem-arbeitsmarkt-steht-das-wasser-bis-zum-hals/)
ukw 20.10.2009
3.
Dollarnotierte Öl Orgasmen beflügeln wild onanierende Börsen - so muss die Schlagzeile lauten. Sex sells °;) Meine Erwartungen sinken
meslier 20.10.2009
4.
Zitat von sysopDer Ölpreis schwingt sich schon wieder von Rekordhoch zu Rekordhoch - und beflügelt damit Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Weltwirtschaftskrise. Doch inwieweit kann man dieser Entwicklung trauen?
Der steigende Ölpreis zeigt mir nur, dass die Notenbanken die Märkte fast im Geld ersaufen lassen, meine Ex-Kollegen wieder satt an der Börse verdienen.
newright 20.10.2009
5. Verstehe ich nicht
Auf der einen Seite sinkt der Dollar im Wert, auf der anderen Seite steigt der Ölpreis in Dollar. Das soll jetzt eine Hoffnung auf Aufschwung sein? Ist es nicht eher so, das der Dollar an Wert verliert und damit sein Gegenwert in Öl steigt?
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