Starinvestor Buffett 100 Milliarden Dollar Cash - und kein Deal in Sicht

Minizinsen und Mondpreise für Geldanlagen machen nicht nur Normalsparern zu schaffen - sondern auch Warren Buffett. Der US-Starinvestor findet keine Kaufobjekte mehr. Oder wartet er auf die nächste Krise?
Warren Buffett (2018)

Warren Buffett (2018)

Foto: RICK WILKING/ REUTERS

Das "Wall Street Journal" nennt ihn einen "Elefantenjäger" - nur scheint US-Investor Warren Buffett schon länger kein Jagdglück mehr zu haben. Jedenfalls hat der 88-Jährige seit Jahren keinen "Elefanten" mehr getroffen, wie im Investorenjargon große, multimilliardenschwere Investments und Übernahmen genannt werden.

Der letzte Megadeal des eigentlich auf Megadeals spezialisierten Buffett? Liegt fast drei Jahre zurück. 2016 kaufte er für 32 Milliarden Dollar den Luftfahrtzulieferer Precision. Seither hat der Investor keine lohnenden Kaufoptionen mehr gefunden. Die Auswirkungen lassen sich laut "Wall Street Journal" an den Cash-Reserven von Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway verfolgen: Sie belaufen sich auf 103,6 Milliarden Dollar - und liegen das fünfte Quartal in Folge über der 100-Milliarden-Marke.

"Cash-besoffene Leute an allen Ecken"

Das Besondere: Dabei handelt es sich um Geld, das im Prinzip sofort verfügbar wäre für lohnende Investments. An denen herrscht laut Buffett allerdings Mangelware - weil die Konkurrenz die Preise verderbe. Laut "Wall Street Journal" steht Buffett im Wettbewerb mit global agierenden Fonds, deren Reserven wiederum sich in den vergangenen zehn Jahren auf 2,1 Billionen Dollar verdoppelt hätten. Und die - so argumentiert Buffett -, verderben die Preise auf dem Markt.

Die Konkurrenz sei im Zweifelsfall bereit, jeden Preis zu zahlen, sagt Buffett. Es sei "schwieriger geworden, mit Cash-besoffenen Private-Equity-Leuten und Geld an allen Ecken und Enden", zitiert die Zeitung einen Berkshire-Investor.

Foto: SPIEGEL ONLINE

Allerdings gab es in der Vergangenheit immer wieder Phasen, in denen Buffett sich mit großen Investitionen zurückhielt: 1969 löste er seine damalige Investmentgesellschaft auf, weil er sich angesichts enormer Kurssteigerungen sorgte, nicht genügend lohnende Anlageobjekte mehr finden zu können. Vor dem Platzen der Dotcom-Blase mied er Investitionen im Tech-Sektor.

Hält sich Buffett also womöglich auch diesmal zurück - um dann im Falle eines Abschwungs umso größer zuschlagen zu können? So lässt sich zumindest die Aussage von Henry Asher deuten, dem Präsidenten der Northstar Group, die zu Buffetts Berkshire-Konglomerat gehört. "Wenn der Markt das nächste Mal 30 bis 40 Prozent einbricht", so Asher, werde Berkshire wieder "viele Deals zu machen haben".

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