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24. Februar 2019, 20:57 Uhr

Warren Buffett

Das Vermächtnis des Finanzimperators

Von manager-magazin.de-Redakteur

Warren Buffett muss gerade herbe Rückschläge verdauen. Der 88-jährige Starinvestor wirkt müde und ideenlos. Investoren fragen sich: Was wird aus seinem Imperium, wenn er nicht mehr ist?

Warren Buffett zählt zu den reichsten Menschen der Welt. Auch wenn es im abgelaufenen vierten Quartal für seine Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway alles andere als gut gelaufen ist, verfügte sie zum Jahresende immer noch über 112 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln. Investoren dürfte daher vor allem die Frage interessieren: Wohin mit dem vielen Geld?

Der Altmeister scheint darauf zurzeit keine Antwort zu haben. Aktuell seien die Aussichten auf einen größeren Zukauf für seine Beteiligungsgesellschaft "nicht gut", schrieb Buffett am Samstag in seinem Brief an seine Aktionäre. "Die Preise für Unternehmen mit guten langfristigen Perspektiven sind sehr hoch." Aber er gebe die Hoffnung nicht auf, doch noch einen passenden Deal zu finden.

Im vergangenen Jahr musste das "Orakel von Omaha" herbe Rückschläge hinnehmen: Im vierten Quartal stand unterm Strich ein Verlust von 25,4 Milliarden Dollar nach einem Gewinn von 32,6 Milliarden Dollar im Jahr zuvor, teilte die Gesellschaft am Samstag mit.

Im Gesamtjahr schmolz der Nettogewinn um gut 90 Prozent auf vier Milliarden Dollar und damit den niedrigsten Wert seit 2001. Immerhin operativ sah es besser aus: Hier betrug das Ergebnis im vierten Quartal 5,7 Milliarden Dollar, im Gesamtjahr 24,8 Milliarden Dollar.

Als Grund für den Quartalsrückgang nannte Berkshire vor allem Kursverluste bei den Investments sowie Abschreibungen in Höhe von rund drei Milliarden Dollar - letztere vor allem beim US-Lebensmittelriesen Kraft Heinz, der am Donnerstag rund 15 Milliarden Dollar auf den Wert seiner Marken abgeschrieben hatte. Berkshire Hathaway hält 26,7 Prozent an dem Ketchup-Konzern. Ins Kontor schlug auch der Kursverfall bei Apple.

Was Buffett nicht verrät

Der Starinvestor braucht nun dringend einen Erfolg. Aber er scheint keinen Plan zu haben. Auch auf eine zweite brennende Frage seiner Investoren gibt Buffett keine Antwort: Wer soll ihn, der mittlerweile 88 ist, und seinen Partner Charlie Munger, 95, eigentlich an der Spitze von Berkshire ablösen?

Zwei mögliche Nachfolge stünden bereit. Im vergangen Jahr um diese Zeit hatte die Firma Greg Abel, 57, und Ajit Jain, 67, ins Board berufen. Buffett lobte die beiden in seinem aktuellen Brief. "Berkshire ist heute weitaus besser geführt als damals, als ich alleine die Operationen überwachte", schrieb er. "Ajit und Greg haben seltene Talente, und Berkshire-Blut fließt durch ihre Adern."

Allein: Ob in seinen Augen nun beide oder einer der beiden für die Nachfolge prädestiniert ist, darauf gab Buffett keinen Hinweis. In früheren Briefen hatte Buffett allerdings bereits einige Anhaltpunkte und ein grobes Anforderungsprofil für den Job an der Spitze von Berkshire Hathaway skizziert.

"Relativ jung" müsse ein Nachfolger sein, damit er den Job möglichst lange machen könne, zugleich "rational, ruhig und entscheidungsfreudig". Der Neue an der Spitze von Berkshire dürfe auch "nicht durch ein großes Ego" auffallen, und er müsse in der Lage sein, die auch zukünftig milliardenschweren Erträge seiner Gesellschaft möglichst vernünftig wieder einzusetzen.

"Dieses Talent dürfte sogar das Wichtigste sein", schrieb Buffett in einem seiner vielen Briefe, aus denen das Schweizer Magazin "Bund" kürzlich zitierte. Denn je größer Berkshire durch seine milliardenschweren Investments wird, desto schwieriger wird es offensichtlich auch, den entsprechenden Index zu schlagen.

Lernen vom Altmeister: Die besten Sprüche von Warren Buffett

So hatte Berkshire in den vergangenen Jahren zwar mehr Plus gemacht als der Index S&P 500, aber eben nicht mit großem Abstand, wie das "Wall Street Journal" feststellt. Der letzte große Zukauf datiert auf Januar 2016, als Buffett für 32 Milliarden Dollar den Flugzeug-Zulieferer Precision Castparts erwarb. Berkshires größte Akquisition im Jahr 2018 kostete gerade einmal 2,5 Milliarden Dollar, seinerzeit kaufte er einen New Yorker Krankenversicherer.

Gehen Buffett also die unterbewerteten Objekte aus, deren Kauf seinen legendären Ruf als Investor ja entscheidend mitbegründeten? Verliert Berkshire ohne seinen Altmeister an der Spitze womöglich bald die berüchtigte "Buffett-Prämie"?

Sorgen von Analysten, die den Erfolg des Unternehmens mit Buffetts Ruf als "Orakel von Omaha" verbinden und nach seinem Tod eine Abkehr der Investoren und eine sinkende Unternehmensbewertung befürchten, konterte er unlängst. "Wenn ich heute Abend sterbe, würde die Aktie von Berkshire Hathaway morgen steigen", sagte er.

Buffett gibt sich überzeugt, dass sein Lebenswerk nach seinem Tod im Wert steigen wird - zunächst zumindest.

Denn Buffetts Aussage hat weniger mit Eitelkeit zu tun als vielmehr mit seiner nicht unbegründeten Einschätzung , dass Spekulanten in der Ära nach ihm versuchen dürften, sein Konglomerat aus Beteiligungen an Banken, Versicherern, Airlines, Technologie-, Energie- und Konsumgüterkonzernen zu zerlegen. Folgend der Überzeugung, dass die Einzelteile mehr wert sind als Berkshire Hathaway als Ganzes.

Dieses Ganze zusammenzuhalten, ließ Buffett in seinem Brief am Ende durchblicken, werde die vielleicht größte Aufgabe seines Nachfolgers sein.

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