Börsengang des Uber-Rivalen Warum die Lyft-Aktie in die Höhe schießt

Der Fahrdienstvermittler Lyft hat einen fulminanten Börsenstart hingelegt. Anleger rissen sich um die Aktie. Dabei hat das Unternehmen noch keinen Dollar verdient. Und es gibt einen mächtigen Konkurrenten.

Lyft-Börsengang an der New Yorker Börse
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Lyft-Börsengang an der New Yorker Börse

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Wer nach Autos mit pinken Schnurrbärten in europäischen Städten Ausschau hält, wird derzeit noch enttäuscht. Der Dienst des US-Fahrdienstvermittlers Lyft ist hier noch nicht verfügbar, doch das könnte sich bald ändern.

Zumindest hätte das Start-up durch den Mega-Börsengang, den es an diesem Donnerstag auf das New Yorker Parkett hingelegt hat, die nötigen finanziellen Mittel, um seine globale Expansion zu finanzieren. Insgesamt 2,3 Milliarden Dollar sammelte die Firma ein, sie kommt damit auf einen gigantischen Firmenwert von 23 Milliarden Dollar.

Die Aktie der Firma ist bei ihrer Premiere an der Wall Street durchgestartet. Die Papiere des Fahrdienstvermittlers verteuerten sich gegenüber dem Ausgabepreis um 21 Prozent. Erster Kurs war 72 Dollar.

Es ist der größte Börsengang eines US-Tech-Unternehmens seit dem Mega-Börsengang von Snap vor zwei Jahren. Der globale Tech-Hype erreicht damit die nächste Stufe: Es geht ein Unternehmen an die Börse, das noch keinen einzigen Dollar Gewinn gemacht hat und unter immensen Konkurrenzdruck steht - und die Investoren greifen trotzdem gierig zu.

Lyft vermittelt genau wie der Konkurrent Uber Fahrten mit privaten Fahrern, die Kunden per App bestellen können. Lange stand Lyft im Schatten des viel größeren Konkurrenten, doch damit dürfte es durch den Börsengang nun vorbei sein: Denn Lyft ist zumindest beim Thema Börsengang dem Konkurrenten einen Schritt voraus: Als Lyft im Dezember 2019 den Börsengang anmeldete, kündigte Uber an, ebenfalls an die Börse gehen zu wollen. Daraufhin zog Lyft das Debüt auf den heutigen Tag vor. Die Sorge war groß, dass das Interesse von Aktionären nach dem Debüt von Uber im April stark nachlassen würde.

Lyft liefert sich seit seiner Gründung im Jahr 2012 mit Uber einen harten Kampf um Preis und Marktanteile. Marktführer Uber kommt in den USA auf einen Anteil von 65 Prozent, Lyft nur auf 34 Prozent. "Sie werden unsere Konkurrenten sein und wir werden sie töten müssen", sagte der damalige Uber-Chef Travis Kalanick über Lyft 2011 in einem Podcast-Interview.

Im Kampf um Marktanteile pumpten Investoren Milliarden in die Unternehmen, obwohl beide bis heute riesige Verluste anhäufen. Weil es den Kunden im Prinzip egal ist, wer sie zum Ziel fährt, solange es günstig ist, wurde der Wettstreit vor allem mithilfe von Werbung und Rabattschlachten ausgefochten.

Uber fuhr lange einen sehr aggressiven Kurs, wegen Sexismus-Vorfällen und schlechter Arbeitsbedingungen seiner Fahrer geriet es immer wieder in die Schlagzeilen. Nach einer Serie von Skandalen musste gar Uber-Mitgründer Kalanick seinen Posten räumen. Lyft dagegen gilt als kleinere, freundliche Alternative.

Lyft-Auto
Josh Edelson/ AP Images for Lyft

Lyft-Auto

Doch auch Lyft schreibt tief rote Zahlen. Der Verlust im vergangenen Jahr betrug 911 Millionen Dollar und war damit ein Drittel höher als 2017, wie aus den Dokumenten hervorgeht, die Lyft bei der US-Börsenaufsicht eingereicht hat.

Es ist damit das Start-up mit den höchsten Verlusten, das sich jemals an die Börse gewagt hat. Das Management rund um die beiden Gründer Logan Green und John Zimmer warnen im Börsenprospekt, dass Lyft auf Jahre hin nicht profitabel sein wird.

Digitale Märkte, die meist von jungen Unternehmen aus dem Silicon Valley besetzt werden, laufen seit jeher nach dem "The Winner takes it all"-Prinzip. Das Geschäft der digitalen Plattformen ist ein Monopolgeschäft: Ein klarer Marktführer kann die Preise hochsetzen und die Werbeausgaben herunterfahren. Wenn zwei sich dagegen um den Titel der Nummer eins streiten, drohen am Ende beide zu verlieren.

Richtig Sinn macht das Geschäft vor allem dann, wenn aus der Vermittlung von privaten Mitfahrgelegenheiten eine Vermittlung von autonomen Autos wird. Beide Unternehmen haben die Vision, dass Kunden bald ihr eigenes Fahrzeug abschaffen und nur noch für die Nutzung der Robotertaxis bezahlen. Denn dann würden die Kosten für den Fahrer komplett wegfallen. Aus gewaltigen Verlusten könnten dann riesige Gewinne werden, hoffen Anleger.

Aber Experten bezweifeln, ob es so kommt und ob der Mitfahrmarkt überhaupt nach diesen Gesetzmäßigkeiten läuft. In vielen Ländern gelten unterschiedliche Gesetze, in Deutschland wurde Uber gar komplett verboten.

Uber ist deshalb keineswegs auf der ganzen Welt beherrschend. Laut der Schweizer Großbank UBS hat Uber weltweit einen Marktanteil von gerade 36 Prozent. Lyft kommt nur auf sechs Prozent und liegt damit noch hinter dem südosasiatischen Anbieter Grab (13 Prozent) und dem indischen Vermittler Ola (neun Prozent).

Daimler und BMW, die ihre Mobilitätsdienste gerade zusammengelegt haben, kommen global nur auf einen Marktanteil von zwei Prozent.

Bei aller Wachstumseuphorie bleibt das Risiko also hoch. Dass insbesondere die bisherigen Investoren sowie die Mitarbeiter auf den Lyft-Börsengang gedrungen haben, die jetzt mit dem Verkauf ihrer Anteile Kasse gemacht haben, macht zusätzlich Sorgen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes war in einem Absatz die Rede vom "Uber-Börsengang". Gemeint war jedoch der Lyft-Börsengang. Wir haben die Passage entsprechend korrigiert.

Mit Material von dpa



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J.Meinert 29.03.2019
1. Didi
Warum wurde einer der ganz großen anderen Platzhirsche "vergessen"? Ach ja, ist ja eine chinesische Firma - da hat man ja bei diesem Blatt eine prinzipiell andere Einstellung.
OberstSL 29.03.2019
2. Mir scheint...
...es ist noch viel zu viel Geld im Markt. Die Anleger stürzen sich auf Firmen, die auf Jahre nur Verluste erwirtschaften und es ist noch kein Licht in Sicht. Naja, wenn man nicht weiss wohin mit seinem Geld.
Andre V 29.03.2019
3.
"Gerade einmal 36% Marktanteil weltweit"... das ist ja fast gar nichts /Ironieoff
oldman2016 30.03.2019
4. Fahrdienste haben Zukunft
In Großstädten und Ballungszentren werden Fahrdienste - beispielsweise zum Arzt, Friseur oder Theater genau so eine Zukunft haben, wie Liefer- und Kurierdienste für Dinge des täglichen Bedarfs. Letzlich ist es eine Frage der Zeit- und Kostenersparnis für die Kunden. Im Rheinland gibt es z. B. ein aus den Niederlanden stammender Zustelldienst, der in Zusammenarbeit mit EDEKA Waren des täglichen Bedarfs mit Elektrofahrzeugen ab einem Bestellwert von 25 Euro kostenlos liefert und sogar Pfandflaschen -egal wo das Getränk vorher gekauft worden ist - mitnehmen und das Pfand gutschreiben. Der absolute Clou ist aber der im Gegensatz zu den Paketdiensten vorbildlich eingehaltene Zeitrahmen von etwa 30 Minuten für doe Anlieferung. Für mobilitätsbeschränkte Menschen und gestresste alleinerziehende Mütter ist das eine richtige und wichtige Steigerung der Lebensqualität für den genannten Personenkreis. Ich wünsche mir mehr davon. Fahrdienste zum Arzt, zum Friseur und zu kulturellen Veranstaltungen werden für zahlreiche Menschen des oben genannten Personenkreises neben dem ÖPNV ein wichtiger Mobiltätsfaktor werden. Ich besitze noch ein Auto und muss Monat für Monat Kosten in Höhe von mindestens 300 Euro für Wertverlust, Stellplatzmiete, KFz-Steuer und -Versicherung verkraften. Das für einen Mobilitätsbedarf mit Kfz von vielleicht 150 km im Monat.
frenchie3 30.03.2019
5. @3 "Nur 36 Protzent"
Schon richtig. Aber wie immer bei Prozentrechnungen: von was? Den größten Anteil am Minusgeschäft zu haben scheint mir nicht das erstrebenswürdige Ziel zu sein. Außer mir gehört der Laden, ich finde genug Vollpfosten die Geld aufdrängen und finde ein paar "Hoffnungsvolle" (als Euphemismus für Volltrottel) die mir den Laden abkaufen bevor alles platzt.
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