Umbenennung Warum EADS lieber Airbus heißen möchte

Airbus statt EADS: Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern legt den alten Namen ab und verschlankt die Strukturen. Ganz ohne Jobabbau wird das kaum gehen.
Neuer Name: Ganz EADS soll künftig so heißen wie die Flugzeugsparte

Neuer Name: Ganz EADS soll künftig so heißen wie die Flugzeugsparte

Foto: © Morris MacMatzen / Reuters/ REUTERS

Hamburg - "Raider heißt jetzt Twix" - so bewarb ein Süßwarenkonzern Anfang der neunziger Jahre die Umbenennung seines Schokoriegels. Da man in diesem Fall tatsächlich nur die Verpackung geändert hatte, ergänzte der Slogan beruhigend: "…sonst ändert sich nix".

Auch der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS   hat einen neuen Namen. Am Mittwoch verkündete Konzernchef Thomas Enders zusammen mit neuen Zahlen, dass künftig das gesamte Unternehmen nach seiner Flugzeugtochter Airbus benannt wird. Zudem werden die Rüstungs- und Raumfahrtsparten Airbus Military, Cassidian und Astrium zur neuen Division Airbus Defence & Space zusammengelegt. All das sei eine "Evolution, keine Revolution", sagte Enders.

Die Revolution hatte Enders im vergangenen Jahr versucht. Damals wollte er EADS mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems   zusammenführen. Doch das scheiterte am Widerstand der deutschen und französischen Regierungen, die bei EADS seit jeher großen Einfluss haben. Im Vergleich zur damals geplanten Fusion stellen die jetzt verkündeten Pläne die deutlich kleinere Lösung dar. Dass sich auch bei EADS außer einem neuen Namen nichts ändert, lässt sich dennoch nicht behaupten.

Schon die Umbenennung selbst ist ein Signal dafür, dass Enders auf Empfindlichkeiten in seiner Heimat weiterhin begrenzt Rücksicht nimmt: Airbus war zwar von Beginn an ein internationales Unternehmen, doch sein Sitz ist nun mal im französischen Toulouse. Dorthin verlegte Enders trotz deutscher Proteste bereits die EADS-Zentrale. Mit dem neuen Namen rücken Frankreich und die Flugzeugtochter nun noch stärker in den Fokus.

Seine Entscheidung kann Enders jedoch gut mit den aktuellen Zahlen begründen. EADS steigerte seinen Umsatz in der ersten Jahreshälfte 2013 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um sechs Prozent, das Konzernergebnis wuchs um 31 Prozent. Besonders gut entwickelten sich dabei die Geschäfte von Airbus: Der Umsatz legte um acht Prozent zu, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 94 Prozent.

Weniger spektakulär sehen die Geschäfte in anderen Divisionen aus. Die Rüstungstochter Cassidian und die Raumfahrtsparte Astrium blieben weitgehend stabil, der Hubschrauberhersteller Eurocopter musste wegen Flugbeschränkungen für die pannengeplagte Baureihe Super Puma  sogar deutliche Rückgänge bei Umsatz und Gewinn melden.

Nach wie vor spürt EADS nach eigener Aussage die angesichts der Wirtschaftskrise "stagnierenden oder sogar schrumpfenden Verteidigungsbudgets in der westlichen Welt". Durch die Fusion mit dem Rüstungskonzern BAE wollte Enders neue Märkte erschließen, allein aber scheint das nicht zu gelingen. So konnte die zivile Sparte von Airbus im ersten Halbjahr ein Auftragsplus von 349 Prozent verzeichnen, fürs Gesamtjahr wird hier mit tausend bestellten Flugzeugen gerechnet. In der Sparte Airbus Military dagegen gingen die Aufträge um 49 Prozent zurück, in der Rüstungssparte Cassidian um 27 Prozent.

Reparaturen am A380 kosten 85 Millionen Euro

Unter diesen Umständen ist Airbus derzeit eindeutig die Lieblingstochter des Konzerns, obwohl auch hier weiterhin nicht alles glatt läuft. Die Reparatur von Flügeln des A380 kostete Airbus 85 Millionen Euro, zudem gingen die Auslieferungen des Großflugzeugs zurück. Für das Ergebnis war dieser Rückgang jedoch dem DZ-Bank-Analysten Markus Turnwald zufolge positiv: Während EADS beim A380 bislang draufzahlt, konnten nun mehr Exemplare der rentableren Modelle A320 und A330 ausgeliefert werden.

Auch vom Langstreckenflieger A350 gibt es laut EADS gute Nachrichten, alle wesentlichen Systeme hätten bislang ihre im Juni begonnenen Flugtests bestanden. Allerdings starte erst jetzt die "kritischste Phase des A350-Programms", jede Änderung des Flugplans könne höhere Rückstellungen erforderlich machen.

Die kritischste Phase dürfte auch beim Konzernumbau erst noch bevorstehen. Zwar erfüllt Enders den deutschen Wunsch, die neue Sparte Defence & Space in München anzusiedeln, zudem wird sie mit dem bisherigen Cassidian-Chef Bernhard Gerwert von einem Deutschen geleitet. Doch ob die Reduzierung der Divisionen auch zu Jobverlusten führt, wollte Enders am Mittwoch noch nicht sagen.

Rüdiger Lütjen, Chef des Europäischen Betriebsrats von EADS, sagte SPIEGEL ONLINE, die Arbeitnehmer seien bislang auch nur über die neuen Strukturen und Chefs informiert worden. Gespräche über konkrete Auswirkungen würden erst im September beginnen. "Aber da bin ich auch nicht naiv: Ich habe noch keine Restrukturierung gesehen, die ohne Beschäftigungsabbau ausgekommen ist. Die Frage ist nur, wie man den gestaltet."

Mit Material von dpa
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