Milliardendeal Das erhofft sich Microsoft von LinkedIn

Für mehr als 26 Milliarden Dollar kauft Microsoft das Karrierenetzwerk LinkedIn. Es ist der erste Deal von Konzernchef Satya Nadella - und er zeigt, wohin der Software-Riese steuert.
Logos von Microsoft und LinkedIn

Logos von Microsoft und LinkedIn

Foto: DADO RUVIC/ REUTERS

Es ist ein unerwarteter und spektakulärer Kauf: Der Softwarekonzern Microsoft übernimmt das Karrierenetzwerk LinkedIn für 26,2 Milliarden Dollar (rund 23,3 Milliarden Euro); der erste große Deal des 2014 angetretenen Microsoft-Chefs Satya Nadella - er soll Microsoft damit für seine Klientel noch attraktiver machen.

Die Übernahme ist so teuer, dass Nadellas Zukunft jetzt mit dem Erfolg des Deals verknüpft sein dürfte. Seinem Vorgänger Steve Ballmer, der Microsoft mehr als ein Jahrzehnt lang führte, wird heute die am Ende misslungene Übernahme der Handy-Sparte von Nokia für über neun Milliarden Dollar zur Last gelegt.

LinkedIn, der deutlich größere Wettbewerber des deutschen Portals Xing, hat international mehr als 430 Millionen Kunden. Und ist seit dem vergangenen Jahr auch auf dem Markt für E-Learning aktiv. Als er die Übernahme verkündete, wies Nadella ausdrücklich auf die neue LinkedIn-App hin, sowie auf das E-learning-Portal Lynda, das das Netzwerk erst vor einigen Monaten für 1,2 Milliarden Dollar übernommen hatte.

Bei LinkedIn können sich Nutzer mit eigenen Profilen in ihrem beruflichen Umfeld vorstellen, nach neuen Jobs Ausschau halten und mit anderen Mitgliedern kommunizieren. Das Netzwerk liefert Geschäftsnachrichten an seine Community und hat auch ein spezielles Tool für Headhunter entwickelt, mit dem diese in den Millionen von Kontakten nach passenden Kandidaten für zu besetzende Positionen suchen können.

Die Unternehmen verbindet dieselbe Mission

Und LinkedIn wächst. Im ersten Quartal 2016 kletterte die weltweite Nutzerzahl von 414 auf 433 Millionen. Pro Monat waren 105,5 Millionen von ihnen aktiv. Das alles sind für Nadella gute Gründe, sich mit Linkedin zusammenzutun. "Dieser Deal bringt die größte professionelle Cloud mit dem führenden Karrierenetzwerk der Welt zusammen", frohlockte Nadella in einem regelrecht euphorischen Brief an seine Beschäftigten .

Ein Zusammengehen bedeute nicht nur eine Ausweitung des Marktes, den Microsoft bereits bediene, so Nadella. Die beiden Konzerne verbindet auch dieselbe Mission: nämlich ihren Nutzern bei ihrer professionellen Entwicklung neue Möglichkeiten an die Hand zu geben.

Nachdem Office 365 sich in den vergangenen Jahren von einer Werkzeugsammlung zu einem über verschiedene Geräte hinweg verfügbaren Cloud-Service gewandelt habe, sei die Linkedin-Übernahme nun der nächste Schritt - nämlich die Verbindung zum größten und wertvollsten Karrierenetzwerk der Welt, schrieb Nadella. 

Der Microsoft-Chef jedenfalls sieht durch den Deal bereits reihenweise neue Geschäftsmöglichkeiten - von der Produktivitätssteigerung der Nutzer über neue Rekrutierungsmöglichkeiten bis zum Talentmanagement, vom Marketing bis zum Verkauf.

Zwar ist offenbar eine enge Verknüpfung der Dienstleistungen beider Unternehmen angedacht, als Marke und operationell soll LinkedIn demnach aber erst einmal eigenständig bleiben. Auch Chef Jeff Weiner soll bleiben und direkt Nadella unterstehen.

Nadella und Weiner sagten dem Finanzdienst Bloomberg, über den Deal sei seit Januar gesprochen worden. Der Durchbruch sei erzielt worden, als Nadella LinkedIn viel Unabhängigkeit im Microsoft-Verbund zugesichert habe. Allerdings dürfte es nicht lange dauern, bis erste Verknüpfungen stehen, wie dies auch nach Microsofts Übernahme des sozialen Business-Netzwerkes Yammer der Fall war.

Bei den Aktionären von LinkedIn   kam der Deal sehr gut an. Die Aktie legte nach Bekanntgabe der Nachricht um 48 Prozent zu. Die von Microsoft   gab angesichts des teuren Zukaufs um fast vier Prozent nach. Branchenbeobachter zeigten dagegen Verständnis für den hohen Kaufpreis. "LinkedIn ist eine erstklassige Firma und verdient eine erstklassige Bewertung", sagte ein Analyst. Im vergangenen Jahr kostete die Aktie des Unternehmens noch mehr als 270 Dollar.

Und auch bei den Aktionären des mit zehn Millionen Nutzern deutlich kleineren deutschen Karrierenetzwerk Xing   löste der Deal offenbar Hoffnungen aus. Die Aktie von Xing stieg mehr als acht Prozent. Die des lange siechen Kurznachrichtendiensters Twitter   legte sogar um mehr als sechs Prozent zu. Offenbar verleiht die Tatsache, dass der Kauf von Communities wie beispielsweise in der Sportindustrie gerade en vogue ist, auch Aktienkursen Flügel.

Mit Material von Reuters und dpa