Neue Regierungsstrategie Erstes Wasserstoffprojekt erhält staatliche Förderung

Die Bundesregierung will einen Milliardenmarkt für grünen Wasserstoff schaffen. Nun erhält das erste Projekt Geld aus dem neuen staatlichen Fördertopf.
Wasserstofftankstelle (Archivbild)

Wasserstofftankstelle (Archivbild)

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Im Rahmen der Nationalen Wasserstoffstrategie (NWS) hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) die erste Förderung genehmigt. Das Unternehmen Siemens Energy erhält rund acht Millionen Euro für eine sogenannte Power-to-X-Anlage im windreichen Süden Chiles. Siemens investiert selbst rund 22 Millionen Euro.

Das Projekt namens »Haru Oni« nutzt Windstrom, um mittels Elektrolyse Wasserstoff herzustellen. Dieser wiederum wird zu synthetischem Kraftstoff weiterverarbeitet, mit dem sich Autos betreiben lassen, perspektivisch auch Flugzeuge. Im Jahr 2022 soll die Anlage rund 130.000 Liter dieser sogenannten E-Fuels erzeugen. 2024 sollen es rund 55 Millionen Liter sein, 2026 schon 550 Millionen Liter. Der Treibstoff wird per Schiff nach Deutschland geliefert. Abnehmer ist unter anderem Porsche.

Laut Wirtschaftsministerium soll das Projekt erste Erkenntnisse liefern, inwieweit grüner Wasserstoff und dessen Folgeprodukte sich global vermarkten lassen. Die Anlage leiste zudem einen Beitrag zum Aufbau verlässlicher Importkapazitäten für den neuen Rohstoff, hieß es. Sie sei darüber hinaus ein erster Schritt, um deutsche Unternehmen in diesem internationalen Zukunftsmarkt zu positionieren.

Siemens-Energy-Chef Christian Bruch sagte: »Der Aufbau einer nachhaltigen Energiewirtschaft erfordert ein Umdenken. Erneuerbare Energie wird nicht mehr nur dort produziert, wo sie gebraucht wird, sondern wo natürliche Ressourcen wie Wind und Sonne in großen Mengen vorhanden sind. Es werden also weltweit neue Lieferketten entstehen, um regenerative Energie von einer Region in die andere zu transportieren.«

Die Regierung fördert den Aufbau einer nationalen Wasserstoffindustrie aus mehreren Töpfen. Allein ein Konjunkturpaket aus dem Juni sieht sieben Milliarden Euro für den Aufbau eines nationalen Wasserstoffmarktes vor, dazu zwei Milliarden Euro für den Aufbau von internationalen Kooperationen im Bereich Wasserstoff. Das Siemens-Projekt sei »das erste, das wir aus dem Konjunkturpaket unterstützen«, sagte Altmaier. Ab 2021 können Unternehmen zudem Förderung beim Wirtschaftsministerium beantragen.

Sogenannter grüner Wasserstoff, der unter Einsatz von Ökostrom produziert wird, gilt als zentraler Baustein der Energiewende. Die H2-Technologie war vor gut zehn Jahren in Deutschland entwickelt worden, wurde von der Bundesregierung dann aber lange vernachlässigt. Das Wirtschaftsministerium hatte im Juni seine nationale Wasserstoffstrategie für Deutschland vorgelegt.

Laut einer Studie der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH ist diese allerdings weit weniger detailliert als ähnliche Strategien anderer Staaten. Länder wie Japan, Frankreich, Südkorea, Australien, Norwegen und die Niederlande hätten ihre Strategien zudem schon Monate oder Jahre vor Deutschland beschlossen.

ssu
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