Roboterautos Google-Schwester wirft Uber Einsatz gestohlener Technologie vor

Waymo verklagt Uber: Ein Ex-Mitarbeiter soll vertrauliche Informationen über Googles Roboterautos gestohlen und mit zur Konkurrenz genommen haben. Die Alphabet-Tochter spricht von "kalkuliertem Diebstahl".

Selbstfahrendes Google-Auto (Archivbild)
AP

Selbstfahrendes Google-Auto (Archivbild)


Schon seit Jahren arbeitet Google an Autos mit Robotertechnik. Ein ranghoher Entwickler bei dem Projekt war Anthony Levandowski. Der gründete im vergangenen Jahr das Start-up Otto, das später von Uber gekauft wurde. Nun wirft die Google-Schwester Waymo, die mittlerweile für die Roboterwagen im Alphabet-Konzern verantwortlich ist, Uber in einer Klage den Einsatz gestohlener Technologie vor. Levandowski habe demnach vertrauliche Informationen mitgenommen. Dabei gehe es unter anderem um die Technik eines Schlüsselelements - der Laser-Radare, die man als rotierende Aufsätze auf den Dächern der Wagen kennt.

Waymo wurde im Dezember unter dem Dach des Mutterkonzerns Alphabet gegründet. Die Klage holt mit Vorwürfen des Bruchs von Geschäftsgeheimnissen, Patentverletzungen und unfairen Wettbewerbs weit aus. Durch eine möglicherweise versehentlich verschickte E-Mail von einem Zulieferer sei Waymo darauf aufmerksam geworden, dass die Schaltkreise von Ubers Laser-Radar-System den eigenen sehr ähnlich seien. Eine Untersuchung habe gezeigt, dass Levandowski sechs Wochen vor seinem Rückzug bei der Alphabet-Tochter 14.000 Dateien mit dem Design verschiedener Systeme heruntergeladen habe.

Auch mehrere andere Mitarbeiter, die zu Otto wechselten, hätten zuvor vertrauliche Dokumente gespeichert. In der Klage ist von einem "kalkuliertem Diebstahl" die Rede. Eine Reaktion von Uber oder Otto gab es zunächst nicht.

Levandowski, ein in der Branche hoch angesehener früherer Entwickler der Google-Roboterwagen, hatte Otto im vergangenen Mai gegründet, um an selbstfahrenden Lastwagen zu arbeiten. Wenige Monate später wurde das Start-up für 680 Millionen Dollar von Uber gekauft und Levandowski wurde zum Chef der Roboterwagen-Entwicklung bei dem Fahrdienst-Vermittler.

Levandowski soll Kollegen von Plänen erzählt haben

In einem Post auf der Website "Medium" listet Waymo die Vorwürfe ausführlich auf. Demnach soll Levandowski spezielle Software auf seinen damaligen Firmenlaptop installiert haben und 9,7 Gigabyte an vertraulichen Dateien von Waymos Servern heruntergeladen und schließlich auf eine externe Festplatte gespeichert haben. Danach soll er versucht haben, seine Spuren zu verwischen, in dem er unter anderem seinen Laptop neu formatierte.

Laut der Alphabet-Tochter sei das alles Teil eines gemeinschaftlichen Plans gewesen, Unternehmensgeheimnisse und geistiges Eigentum von Waymo zu stehlen. Monate bevor Levandowski die Dateien heruntergeladen habe, soll er Kollegen erzählt haben, er hätte Pläne, Waymos Technologie bei einem Mitbewerber nachzubilden.

Der Vorstoß von Waymo sorgt zusätzlich für Aufsehen, weil Alphabet ein wichtiger Investor bei Uber ist. Der Risikokapital-Arm Google Ventures hatte bereits 2013 rund 260 Millionen Dollar in die Fahrdienst-Firma gesteckt. Die Unternehmen entwickelten sich jedoch zuletzt immer mehr zu Rivalen.

Die Klage ist kein Einzelfall in diesem Sektor: Erst vor wenigen Wochen verklagte der Elektroautohersteller Tesla den früheren Chef seines Assistenzsystems Autopilot. Sterling Anderson habe vor seinem Abgang "Hunderte Gigabyte" an Daten auf eine Festplatte geladen und mitgenommen, lautet der Vorwurf in der Tesla-Klage. Er wolle die Informationen in einer eigenen Firma nutzen. Tesla verklagte zugleich auch den früheren Chefentwickler der Google-Roboterautos, Chris Urmson, weil er mit Anderson in dem Start-up Aurora zusammenarbeite.

Inmitten des Wettlaufs um die Entwicklung selbstfahrender Autos ist es in der Branche zum Trend geworden, dass sich Spitzenleute wie Levandowski oder Urmson selbstständig machen und Aussicht auf einen Geldregen haben. So kündigte Ford vor knapp zwei Wochen eine Milliardeninvestition in das frische Start-up Argo AI an, das vom ehemaligen Hardware-Chef der Google-Autos, Brian Salesky, und einem der führenden Entwickler von Software für autonomes Fahren bei Uber gegründet wurde.

max/dpa



insgesamt 4 Beiträge
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WOLF in USA 24.02.2017
1. Aha ...
klingt nach einem sehr ernsten Vorwurf. Aber von Google? Dass ich nicht lache. Man schaue sich mal in Ruke ganz genau an, wie es zu Android gekommen ist. DAS nenne ich Diebstahl gigantischen Ausmasses!
Stefan_G 24.02.2017
2. Unabhängig davon ...
... wie viele Gigabyte Firmendaten Lev. bei Google geklaut hat, gibt der Artikel einen schönen Eindruck, wie in der Sparte "autonom fahrende Autos" gedacht wird: In den Augen der laienhaften Geldgeber gibt offenbar "geniale Koryphäen", die Zugriff auf den "heiligen Gral" der Implementierung von "Künstlicher Intelligenz" haben. Die werden dann für 9stellige Beträge von der Konkurrenz abgeworben. Die Koryphäen erzählen dann den Laien Dinge wie "für das Rundum-Radar werden spezielle Schaltkreise gebraucht, deren Geheimnisse -wie durch ein Wunder- einzig und allein ich euch offenbaren kann". Für mich sieht das eher so aus, als würde man anfangen, Entschuldigungen zu suchen und Legenden darüber zu stricken, warum es mit der KI doch nicht klappt.
thomasbär 26.02.2017
3. KI ausschlaggebend - nicht Sensoren
den Beitrag von Stefan G kann ich unterstützen: die Messung des Umfelds durch Radar, LiDAR etc. ist der leichte Teil der Übung. Die KI- Erkennung, was da gesehen wurde ist der schwere Teil. Neue KI-Erkennungen fokussieren sich darauf, vergleichbare Ergebnisse aus billigen Sensoren zu gewinnen.
martinmde 20.03.2017
4. scheint in diesen Kreisen
normal zu sein Gigabytes an Daten mitzunehmen. Man sollte daher Designprojekte immer so organisieren dass die eine oder andere wichtige Datei nicht auf dem Zentralserver liegt und bei einem Datenklau dsr beschriebenen Art glatt übsersehen wird.
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