Skurrile Erbregelung bei der WAZ-Gruppe Verlagsgesellschafter adoptiert eigenen Kollegen

Als Mitgesellschafter der nordrhein-westfälischen WAZ-Gruppe gehört Stephan Holthoff-Pförtner zu den wichtigsten Figuren der Verlagsbranche. Weil der Anwalt keine Kinder hat, griff er nun zu einem ungewöhnlichen Trick: Um seine Nachfolge zu regeln, adoptierte er kurzerhand seinen Kollegen.

Zeitungen WAZ-Mediengruppe: Holthoff-Pförtner ist Miteigentümer
DPA

Zeitungen WAZ-Mediengruppe: Holthoff-Pförtner ist Miteigentümer

Von manager-magazin-Redakteur Klaus Boldt


Essen - Die Verlagsgruppe WAZ erlebt einen skurrilen Versuch, das spätere Erbe ihrer Anteilseigner zu regeln. Verlagsgesellschafter Stephan Holthoff-Pförtner (64) hat dazu seinen Anwaltskollegen Georg Scheid (41) adoptiert. Dies berichtet das manager magazin in seiner neuen Ausgabe.

Holthoff-Pförtner arbeitet als Rechtsanwalt in Essen und hält einen Anteil an der Zeitungsgruppe, zu der unter anderem die "Westdeutsche Allgemeine" und die "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" gehören. Der unverheiratete und kinderlose Holthoff-Pförtner, einst Anwalt von Exkanzler Helmut Kohl, habe seine Nachfolge frühzeitig und steuergünstig regeln wollen, heißt es.

Adoptivsohn Scheid, verheiratet und Vater zweier Kinder, ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner in Holthoff-Pförtners Kanzlei. Darüber hinaus führt er die Hopf-Holding, in der Holthoff-Pförtner seinen Firmen- und Beteiligungsbesitz zusammengefasst hat.

Bedeutung hat die Adoption vor allem für die WAZ-Gruppe, die seit dem vergangenen Jahr von den Nachfahren des Mitgründers Jakob Funke kontrolliert wird: Holthoff-Pförtner hält 16,7 Prozent der Anteile. Er selbst war einst von der 2011 verstorbenen Gesellschafterin Gisela Holthoff adoptiert worden und hatte deren Anteile geerbt. Ohne Zustimmung der Miteigner kann eine WAZ-Beteiligung bislang nur an Familienangehörige weitergegeben werden. Mehrheitsgesellschafter mit einem Anteil von 66,7 Prozent ist die Funke-Tochter Petra Grotkamp.

Wie das manager magazin weiter berichtet, plant die WAZ-Gruppe darüber hinaus eine Umfirmierung zur Funke Mediengruppe. Damit soll die Rolle des Zeitungshauses als Familienunternehmen unterstrichen werden. Auch eine Änderung der Gesellschaftsform ist vorgesehen: Das bislang als GmbH & Co KG verfasste Unternehmen soll künftig als Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) auftreten.

insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ks82 16.01.2013
1.
Zitat von sysopDPAAls Mitgesellschafter der nordrhein-westfälischen WAZ-Gruppe gehört Stephan Holthoff-Pförtner zu den wichtigsten Figuren der Verlagsbranche. Weil der Anwalt keine Kinder hat, griff er nun zu einem ungewöhnlichen Trick: Um seine Nachfolge zu regeln, adoptierte er kurzerhand seinen Kollegen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/waz-gruppe-miteigner-holthoff-pfoetner-adoptiert-kollegen-scheid-a-877855.html
Schön, dass man das inzwischen wenigstens offen sagt. Zumindest ehrlich. Der Name des Verlags ist eigentlich egal, das Problem hätte man bei jedem anderen Verlag doch genauso gelöst.
kanadasirup 16.01.2013
2. Clever
Schlau und sinnvoll. Im Ausland zum Teil schon seit Jahrhunderten gängige Praxis wenn man keine leiblichen Erben hat. Insofern ist das allerhöchstens in Deutschland "schockierend".
albert schulz 16.01.2013
3. Vernünftig ohne jede falsche Sentimentalität
Das haben schon die antiken römischen Kaiser ähnlich gemacht, wenn wegen untauglicher weiblicher Gene oder Erziehung ihre eigenen Sprößlinge absolute Gurken waren. Man kann oft beobachten, daß die alten Firmeneigner die Macht nicht an die eigene Brut weitergeben. Wer Geld und Firma nicht an Verwandte ersten Grades vererben kann, schenkt fast alles dem Staat. Also bekommt es eine Stiftung oder ein vertrauenswürdiges Adoptivkind. Die Vermögen der Kirchen sind großenteils solchen Vorgehensweisen zu danken. Das führt zwangsläufig zu der Frage, ob es nicht besser wäre, dem Staat sein Vermögen zu überlassen.
hahu 16.01.2013
4. Info fehlt
Warum steht in dem Artikel nicht, dass schon früher im WAZ-Konzern adoptiert wurde, dies also gängige Praxis ist? Jakob Funke hat auf diese Weise Erich Schumann zu seinem Erben gemacht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.