WAZ-Notar Heinemann "Hinter meinem Rücken"

Um die WAZ-Gruppe gab es ein monatelanges Gezerre. Jetzt ist der Verkauf des Essener Verlags beschlossene Sache - und Peter Heinemann, 75, als Testamentsvollstrecker dafür zuständig. Im Gespräch enthüllt er, dass er in die Verkaufspläne erst eingeweiht wurde, als sie bereits ausgehandelt waren.

SPIEGEL: Es sah im Herbst so aus, als sei der Verkauf der WAZ so gut wie besiegelt. Nun hat es doch Monate bis zur Unterschrift gedauert. Was lief schief?

Heinemann: Wir haben uns geeinigt, aber die Unterschriften müssen noch geleistet werden. Ich musste im Interesse der Verkäufer, der drei jungen Enkel von WAZ-Mitgründer Erich Brost, einige Veränderungen durchsetzen. Dazu gehörte, dass der Kaufpreis nicht wie ursprünglich vorgesehen in Raten bezahlt wird, und die Zusicherung, dass die neue Eigentümerin, Petra Grotkamp, mindestens ein Jahr lang keine Gesellschaften des WAZ-Konzerns weiterverkauft. Ab Dezember 2011 ist dann durch Finanzierungsschwierigkeiten wertvolle Zeit verlorengegangen.

SPIEGEL: Sie wurden als Testamentsvollstrecker erst über die Verkaufspläne informiert, als die Brosts bereits einen weitgehenden Vertrag mit dem zweiten WAZ-Eignerstamm, den Grotkamps, ausgehandelt hatten. Waren Sie persönlich enttäuscht ?

Heinemann: Ich war jedenfalls überrascht darüber, dass man hinter meinem Rücken verhandelt hatte.

SPIEGEL: Sie haben dem Verkauf am Ende zugestimmt. Warum?

Heinemann: Als Testamentsvollstrecker schulde ich dem Erblasser - also demjenigen, der vererbt hat -, Loyalität. Erich Brost hätte nicht im Traum daran gedacht, seine Anteile an die Familie Grotkamp zu verkaufen. Aber es liegt nicht in meiner Macht, Entscheidungen der Familie Brost, die dem Willen von Erich Brost widersprechen, zu korrigieren. Ich hätte den Verkauf ohnehin nur für die Dauer der Testamentsvollstreckung, also bis Juli 2015, aufhalten können. Das aber hätte für die WAZ einen mehr als dreijährigen Schwebezustand bedeutet.

SPIEGEL: Springer-Chef Mathias Döpfner ist zwischendurch mit einem deutlich höheren Kaufpreis in die Verhandlungen gegrätscht. Hatte seine Offerte Einfluss auf den Preis?

Heinemann: Der von Springer gebotene Marktpreis war nicht realisierbar. Denn die Gesellschafterverträge der WAZ sehen vor, dass ein Verkauf nur innerhalb der Gründerfamilien möglich ist. Um das zu ändern, bräuchte man einen einstimmigen Beschluss aller Gesellschafter.

SPIEGEL: Was bedeutet der Verkauf für die WAZ?

Heinemann: Die komplizierte Gesellschafterstruktur wird endlich neu geordnet, das erleichtert die Entscheidungsabläufe. Der Verlag kann sich endlich auf seine eigentlichen Aufgaben konzentrieren, die bei dem raschen Wandel in der Medienwelt auf der Hand liegen. Das wird der WAZ zugutekommen.

SPIEGEL: Das Verlagshaus gilt als echte Schlangengrube. Sind Sie froh, dass Ihre Mission vorbei ist?

Heinemann: Ich habe keine Angst vor Schlangen.

Das Interview führte Isabell Huelsen

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