Niedrige Zinsen Euro fällt auf tiefsten Stand seit viereinhalb Jahren

Der Euro ist so schwach wie seit 2010 nicht mehr. Zum Jahresstart verliert er im Vergleich zum Dollar weiter an Wert - und der Absturz soll noch weitergehen.
EZB-Chef Draghi: Niedrige Zinsen für eine lange Zeit

EZB-Chef Draghi: Niedrige Zinsen für eine lange Zeit

Foto: EMMANUEL DUNAND/ AFP

Hamburg - Es war mal wieder Mario Draghi, der den Kurs des Euro   stürzen ließ. In einem Interview mit dem "Handelsblatt" erklärte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), dass die Zinsen im Euroraum noch lange niedrig bleiben würden - und deutete zugleich mögliche Staatsanleihekäufe an, um die Inflation zu schüren.

Das alles klingt für Investoren nicht gerade attraktiv. Schließlich sind sie auf der Suche nach Rendite auf ihr Geld - und die gibt es in der Eurozone kaum, solange die EZB die Zinsen so niedrig hält.

Gleich zum Jahresbeginn fiel der Euro-Kurs am Freitag dann auch kräftig - zeitweise um 0,6 Prozent auf 1,2033 Dollar. So wenig war die europäische Währung zuletzt im Juni 2010 wert.

Der Absturz ist schon seit Monaten im Gange: Noch im Mai kratzte der Euro an der Marke von 1,40 Dollar. Danach ging es fast stetig bergab. Und wenn man den Experten glauben darf, dann wird es für den Euro 2015 auch noch weiter nach unten gehen.

Der Grund ist vor allem die zu erwartende Zinsentwicklung in Europa und den USA. Während die EZB die Zinsen in der Eurozone noch lange niedrig halten will, plant die amerikanische Notenbank Fed die Wende: Nach sechs Jahren mit quasi Nullzinsen soll es 2015 wieder nach oben gehen - die Anleger erhalten also wieder ein bisschen Rendite auf ihr Geld.

Diese Aussicht und die Unsicherheiten, die die verschiedenen Krisen in der Welt mit sich bringen, treiben die Investoren derzeit in Scharen in den Dollar. Der Dollar-Index, der die Entwicklung des Dollar zu anderen wichtigen Währungen abbildet, kletterte am Freitag mit 90,72 Punkten auf den höchsten Stand seit knapp neun Jahren.

Der Euroraum dagegen birgt für Anleger neben niedrigen Zinsen auch noch einige Risiken. Was passiert, wenn die Griechen sich den Sparverpflichtungen entziehen? Schafft Italien die Umsetzung der angekündigten Reformen? Und was wird aus dem wirtschaftlichen Sorgenkind Frankreich?

Die Banken an der New Yorker Wall Street sehen den Euro jedenfalls weiter auf dem Weg nach unten. Goldman Sachs   und Morgan Stanley   etwa sagten bereits vor Monaten voraus, dass die europäische Währung im Laufe des Jahres 2015 auf 1,15 Dollar fallen werde. Danach sei sogar ein Absturz auf einen Dollar wahrscheinlich. Eine solche Parität gab es zuletzt Ende 2002.

stk/Reuters
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