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22. Dezember 2011, 08:59 Uhr

Wegen Ehec-Warnung

Spanischer Gurkenproduzent verklagt Hamburg

Weil sein Name im Zusammenhang mit der Ehec-Epidemie genannt wurde, verklagt ein spanischer Gemüseproduzent jetzt die Stadt Hamburg auf Schadensersatz. Die Gesundheitsbehörde der Stadt hatte wegen des Ehec-Erregers im Frühjahr vor dem Verzehr spanischer Gurken gewarnt.

Hamburg - Die Gesundheitsbehörde der Hansestadt wollte die Bürger vor einer Infektion warnen - jetzt sieht sie sich mit einer Schadensersatzklage konfrontiert. Im Frühjahr hatte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) vor dem Verzehr spanischer Gurken gewarnt und dabei auch den Namen der Herstellerfirma Frunet genannt. Der spanische Gemüseproduzent fordert der Tageszeitung "Welt" zufolge jetzt 2,3 Millionen Euro Schadensersatz von der Stadt, auch eine zweite Firma prüfe eine entsprechende Klage.

Bei verschiedenen Laboruntersuchungen während der Ehec-Epidemie waren Erreger auf spanischen Gurken gefunden worden. Anschließend stellte sich allerdings heraus, dass es sich dabei um einen anderen Serotyp als den Erreger handelte, der bis Mitte des Jahres insgesamt 50 Menschen tötete. Später wurden Bockshornkleesamen als Quelle identifiziert, die ein Hof in Niedersachsen aus Ägypten bezogen hatte.

Dem Zeitungsbericht zufolge sieht man in der Gesundheitsbehörde der Klage gelassen entgegen. "Wir sind da mit uns im Reinen", sagte Behördensprecher Rico Schmidt der "Welt". Vor Lebensmitteln, die gesundheitsgefährdende Verunreinigungen aufwiesen, müsse in jedem Fall gewarnt werden, hieß es.

"Verbraucherschutz steht oben"

Die Vorgehensweise der Hamburger Gesundheitsbehörde sei auch von der Bundesregierung und vom für Verbraucherschutz zuständigen EU-Kommissar John Dalli unterstützt worden. "Es gab diesen Befund, und der ist nicht nur durch uns festgestellt worden, sondern auch durch andere Labore. Wir haben genau das gemacht, wozu wir verpflichtet sind", sagte Behördensprecher Schmidt der Zeitung. Dass die betroffenen Betriebe darüber nicht begeistert waren, müsse man hinnehmen. Auch Gemüsebetriebe in Norddeutschland seien geschädigt worden. "Aber da ist ganz klar: Verbraucherschutz steht oben an."

Die Klage könnte die Diskussion um Transparenz und Informationspflichten erneut anfachen. Verbraucherschützer fordern seit Jahren, dass Behörden die Namen von Unternehmen veröffentlichen müssen, die in einen Lebensmittelskandal verwickelt sind. Unternehmen und Behörde lehnen das bisher ab - für die betroffenen Firmen könne das geschäftsschädigend sein.

Genauso argumentiert die spanische Firma Frunet. Der "Welt" zufolge umfasst die Klageschrift des Unternehmens , das Biogemüse im Raum Málaga züchtet, nicht nur Schadensersatzforderungen für unverkaufte Gurken, sondern für das gesamte Sortiment - also auch für nicht abgesetzte Auberginen und Zucchini.

nck

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