Wegen Ehec-Warnung Spanischer Gurkenproduzent verklagt Hamburg

Weil sein Name im Zusammenhang mit der Ehec-Epidemie genannt wurde, verklagt ein spanischer Gemüseproduzent jetzt die Stadt Hamburg auf Schadensersatz. Die Gesundheitsbehörde der Stadt hatte wegen des Ehec-Erregers im Frühjahr vor dem Verzehr spanischer Gurken gewarnt.

Gurken-Vernichtung in der Ehec-Krise: Ein spanischer Produzent verlangt Schadensersatz
DPA

Gurken-Vernichtung in der Ehec-Krise: Ein spanischer Produzent verlangt Schadensersatz


Hamburg - Die Gesundheitsbehörde der Hansestadt wollte die Bürger vor einer Infektion warnen - jetzt sieht sie sich mit einer Schadensersatzklage konfrontiert. Im Frühjahr hatte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) vor dem Verzehr spanischer Gurken gewarnt und dabei auch den Namen der Herstellerfirma Frunet genannt. Der spanische Gemüseproduzent fordert der Tageszeitung "Welt" zufolge jetzt 2,3 Millionen Euro Schadensersatz von der Stadt, auch eine zweite Firma prüfe eine entsprechende Klage.

Bei verschiedenen Laboruntersuchungen während der Ehec-Epidemie waren Erreger auf spanischen Gurken gefunden worden. Anschließend stellte sich allerdings heraus, dass es sich dabei um einen anderen Serotyp als den Erreger handelte, der bis Mitte des Jahres insgesamt 50 Menschen tötete. Später wurden Bockshornkleesamen als Quelle identifiziert, die ein Hof in Niedersachsen aus Ägypten bezogen hatte.

Dem Zeitungsbericht zufolge sieht man in der Gesundheitsbehörde der Klage gelassen entgegen. "Wir sind da mit uns im Reinen", sagte Behördensprecher Rico Schmidt der "Welt". Vor Lebensmitteln, die gesundheitsgefährdende Verunreinigungen aufwiesen, müsse in jedem Fall gewarnt werden, hieß es.

"Verbraucherschutz steht oben"

Die Vorgehensweise der Hamburger Gesundheitsbehörde sei auch von der Bundesregierung und vom für Verbraucherschutz zuständigen EU-Kommissar John Dalli unterstützt worden. "Es gab diesen Befund, und der ist nicht nur durch uns festgestellt worden, sondern auch durch andere Labore. Wir haben genau das gemacht, wozu wir verpflichtet sind", sagte Behördensprecher Schmidt der Zeitung. Dass die betroffenen Betriebe darüber nicht begeistert waren, müsse man hinnehmen. Auch Gemüsebetriebe in Norddeutschland seien geschädigt worden. "Aber da ist ganz klar: Verbraucherschutz steht oben an."

Die Klage könnte die Diskussion um Transparenz und Informationspflichten erneut anfachen. Verbraucherschützer fordern seit Jahren, dass Behörden die Namen von Unternehmen veröffentlichen müssen, die in einen Lebensmittelskandal verwickelt sind. Unternehmen und Behörde lehnen das bisher ab - für die betroffenen Firmen könne das geschäftsschädigend sein.

Genauso argumentiert die spanische Firma Frunet. Der "Welt" zufolge umfasst die Klageschrift des Unternehmens , das Biogemüse im Raum Málaga züchtet, nicht nur Schadensersatzforderungen für unverkaufte Gurken, sondern für das gesamte Sortiment - also auch für nicht abgesetzte Auberginen und Zucchini.

nck

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anders_denker 22.12.2011
1. Menschenleben müssen VOR wirtschaftlichem Interesse stehen!
Zitat von sysopWeil sein Name im Zusammenhang mit der Ehec-Epidemie genannt wurde, verklagt ein spanischer Gemüseproduzent jetzt die Stadt Hamburg auf Schadensersatz. Die Gesundheitsbehörde der Stadt hatte wegen des Ehec-Erregers im Frühjahr vor dem Verzehr spanischer Gurken gewarnt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,805259,00.html
Man hat gewarnt, als Keime gefunden wurden. Das sich diese nach langwiriger DNA Untersuchung als andere (aber trotzdem EHEC) als die verursachenden entpuppten ist zweitrangig. Und? Hätte im anderen Fall die Firma die Opfer und Hinterbliebenden entschädigt? Und wie... Gefühle kann man nicht "bezahlen". Sorry - ein gewisses Unternehmerisches Risiko muss man eben eingehen, sich ggf. versichern. Als Bürger muss ich aber auch erwarten, das Behörden schon beim kleinsten Verdacht meine Gesundheit und die meiner Mitmenschen schützen. Dies kann nur gelingen, wenn dadurch keine Konsequenzen drohen. Dem darf sich auch ein Gericht nicht verschießen - jedes Urteil zugunsten des Profits wäre nicht im Namen des Volkes, sondern in dessen Gesicht gespuckt!
Drake_De 22.12.2011
2.
Zitat von anders_denkerMan hat gewarnt, als Keime gefunden wurden. Das sich diese nach langwiriger DNA Untersuchung als andere (aber trotzdem EHEC) als die verursachenden entpuppten ist zweitrangig. Und? Hätte im anderen Fall die Firma die Opfer und Hinterbliebenden entschädigt? Und wie... Gefühle kann man nicht "bezahlen". Sorry - ein gewisses Unternehmerisches Risiko muss man eben eingehen, sich ggf. versichern. Als Bürger muss ich aber auch erwarten, das Behörden schon beim kleinsten Verdacht meine Gesundheit und die meiner Mitmenschen schützen. Dies kann nur gelingen, wenn dadurch keine Konsequenzen drohen. Dem darf sich auch ein Gericht nicht verschießen - jedes Urteil zugunsten des Profits wäre nicht im Namen des Volkes, sondern in dessen Gesicht gespuckt!
Nun ja, beim kleinsten Verdacht wohl kaum, aber bei BEGRÜNDETEM Verdacht. Und das lag hier wohl vor. Es muss halt eine Risikoabschätzung gemacht werden. Und das Risiko in Bezug auf Leben und Gesundheit der Verbraucher war hier so groß, dass jede Stunde / Tag Verzögerung weitere Todesfälle angehäuft hat. Aber mE ist es gut dass das vor einem Gericht geklärt wird, auch um für Behörden und Firmen Entscheidungshilfen zu geben.
fatherted98 22.12.2011
3. Wieder mal typisch...
Zitat von sysopWeil sein Name im Zusammenhang mit der Ehec-Epidemie genannt wurde, verklagt ein spanischer Gemüseproduzent jetzt die Stadt Hamburg auf Schadensersatz. Die Gesundheitsbehörde der Stadt hatte wegen des Ehec-Erregers im Frühjahr vor dem Verzehr spanischer Gurken gewarnt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,805259,00.html
....bei Gesundheitswarnungen werden Klagen erhoben. Wird aber mal ein Keim oder ein verunreinigtes Produkt in den Markt gebracht und es entsteht Schaden wird nur mit den Schulter gezuckt...frei nach dem Motto: Hättet es ja nicht essen müssen.
Gebetsmühle 22.12.2011
4. warnung war berechtigt
Zitat von fatherted98....bei Gesundheitswarnungen werden Klagen erhoben. Wird aber mal ein Keim oder ein verunreinigtes Produkt in den Markt gebracht und es entsteht Schaden wird nur mit den Schulter gezuckt...frei nach dem Motto: Hättet es ja nicht essen müssen.
so ist es. der entscheidende satz lautet: "Bei verschiedenen Laboruntersuchungen während der Ehec-Epidemie waren Erreger auf spanischen Gurken gefunden worden." damit war eindeutig handlungsbedarf gegeben, weil es bereits todesfälle gab, darunter auch kinder. die hätten halt ihre gurken in spanien nicht mit kacke düngen sollen, dann wär auch kein ehec drauf. dass es scih nicht um den gefährlichen kolikeim handelte, war eigentlich nur glück.
freidimensional 22.12.2011
5. Die späte Rache der Gurke.
Zitat von sysopWeil sein Name im Zusammenhang mit der Ehec-Epidemie genannt wurde, verklagt ein spanischer Gemüseproduzent jetzt die Stadt Hamburg auf Schadensersatz. Die Gesundheitsbehörde der Stadt hatte wegen des Ehec-Erregers im Frühjahr vor dem Verzehr spanischer Gurken gewarnt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,805259,00.html
Scheint ein nachtragendes Geschöpf zu sein, dieses Gewächs... Aber vielleicht hat sich auch einfach weltweit herumgesprochen, dass man in Deutschland die besten Chancen hat, mit Schuldzuweisungen an irgendwelche "Versager" in Behörden und Ämtern und entsprechend nachfolgender Klage mit Hilfe erfahrener deutscher Anwälte Kohle zu machen. Ich hielt diese Vermutung "Gurke, Tomate u. Co" damals auch schon für ziemlich abwegig, aber getroffen hat diese Fehleinschätzung natürlich auch viele deutsche Gemüseproduzenten, auch im Bio-Bereich. Wenn die alle klagen wollten, was dann? Aber: Es hatten schon öfter Leute Erfolg, die mit noch lächerlicheren Ansinnen gegen die deutschen Systeme daher- und durchgekommen sind.
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