Tausende Neueinstellungen Rheinmetall rüstet sich für Auftragsboom

Rheinmetall bereitet sich auf eine steigende Nachfrage bei Munition, Panzern, Waffen und Flugabwehrsystemen vor. Der Rüstungskonzern erwartet ein dickes Umsatzplus.
Rheinmetall-Panzerhaubitzen der Bundeswehr vor dem Transport nach Litauen Mitte Februar

Rheinmetall-Panzerhaubitzen der Bundeswehr vor dem Transport nach Litauen Mitte Februar

Foto: Philipp Schulze / dpa

Vor dem Hintergrund wachsender Wehretats in Deutschland und anderen Ländern bereitet sich der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall auf einen Auftragsboom vor. Bisher habe man bei militärischen Gütern für 2022 im Vergleich zum Vorjahr mit einem Umsatzplus von zehn Prozent gerechnet, sagte Konzernchef Armin Papperger. Nun gehe man von 20 Prozent aus. Bis Mitte nächsten Jahres sollten 1500 bis 3000 zusätzliche Mitarbeiter in Deutschland, England und Australien rekrutiert werden, um die erwartete Auftragsflut abzuarbeiten.

Zwar müssten die Aufträge erst noch unter Dach und Fach gebracht werden, aber es sei damit zu rechnen, dass ein großer Teil der Mitarbeiter bereits bis Ende des Jahres eingestellt werde. »Es gibt bereits 700 bis 800 Stellenausschreibungen«, so Papperger. Neue Fabriken würden aber nicht gebraucht.

Rheinmetall mit seinen derzeit rund 24.000 Mitarbeitern hat fünf Werke in Deutschland und produziert zudem in Kanada, den USA, Großbritannien, Österreich, der Schweiz, Italien, Ungarn, Südafrika und Australien.

Wegen Russlands Einmarsch in die Ukraine haben mehrere EU-Länder angekündigt, ihre Wehretats aufzustocken. Die Bundesregierung will ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Ausstattung der Bundeswehr schaffen. Nach Angaben Pappergers sind allein für Munition 20 Milliarden Euro vorgesehen. Es lägen schon »erhebliche Anfragen« aus Deutschland vor.

Nach dem Beginn des Kriegs um die Ukraine hatte Rheinmetall dem Bund ein langfristiges, 42 Milliarden Euro schweres Produktpaket angeboten. Es geht dabei um Panzer, Munition, Militärlastwagen und andere Güter.

»Der Munitionsbestand der Bundeswehr ist sehr gering«

Rheinmetall könne innerhalb von sechs bis zwölf Monaten Munition im Wert von zwölf Milliarden Euro liefern, sagte Papperger. »Der Munitionsbestand der Bundeswehr ist sehr gering.« Für Lkw seien die Lieferzeiten etwa zwölf Monate, für den Radpanzer Boxer bis zu 18 Monate und für den Schützenpanzer Puma 24 Monate. Rheinmetall macht grob gesagt zwei Drittel seines Umsatzes mit Rüstungsgütern. Ein Drittel des Geschäfts erwirtschaftet die Firma als Autozulieferer.
Das Unternehmen produziert neben Munition, Panzern und gepanzerten Transportfahrzeugen auch Waffen und Flugabwehrsysteme.

Rheinmetall verfügt aktuell über einen Rekord-Auftragsbestand von rund 24,5 Milliarden Euro, wovon der Löwenanteil auf den Rüstungsbereich entfällt. Das stimmt Papperger zuversichtlich: Der Umsatz soll organisch um 15 bis 20 Prozent steigen, die operative Umsatzrendite auf über elf (Vorjahr: 10,5) Prozent klettern. In den Planungen seien bereits erste Einnahmen aus den geplanten zusätzlichen Wehrausgaben der Bundesregierung enthalten, so Papperger.

Aktienkurs erreicht Rekordhoch

2021 erzielte der Rüstungs- und Technologiekonzern ein Umsatzplus von 4,7 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro und einen Anstieg des operativen Gewinns (Ebit) um 33 Prozent auf 594 Millionen Euro. Netto schnellte das Ergebnis von einer Million Euro im Vorjahr auf 332 Millionen Euro. Die Dividende soll um fast zwei Drittel auf 3,30 Euro je Aktie steigen.

An der Börse kamen die Wachstumspläne des Traditionskonzerns, dessen Gewinnbringer früher die Autozulieferung war, gut an. Mit einem Plus von fünf Prozent markierte die Aktie mit 164,10 Euro ein Rekordhoch. Seit Kriegsausbruch in der Ukraine haben die im Nebenwerteindex MDax gelisteten Titel knapp 70 Prozent an Wert gewonnen.

kig/Reuters/dpa
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