Weibliche Aufsichtsräte IG-Metall-Chef Huber beschließt Frauenquote

Freiwillige Selbstverpflichtung: Die IG Metall hat nach Informationen des SPIEGEL eine verbindliche Frauenquote von 30 Prozent für Aufsichtsräte beschlossen. Eine entscheidende Einschränkung gibt es allerdings: Der Anteil verkleinert sich, wenn die Vertreter aus dem Betrieb selbst kommen.

Berthold Huber, Vorsitzender der IG Metall: Frauenquote eingeführt
ddp

Berthold Huber, Vorsitzender der IG Metall: Frauenquote eingeführt


Hamburg - Die Bundesregierung kann sich nicht zu einer baldigen Einführung einer Frauenquote in Vorständen und Aufsichtsräten durchringen - dennoch löst die öffentliche Debatte Veränderungen aus: Berthold Huber, Vorsitzender der Industriegewerkschaft (IG) Metall, will künftig die Aufsichtsratsgremien in der Metall- und Elektroindustrie stärker mit Frauen besetzen.

Laut Informationen des SPIEGEL beschloss die Gewerkschaft vergangene Woche eine verbindliche Frauenquote von 30 Prozent für alle Aufsichtsratsmandate, die mit hauptamtlichen Gewerkschaftern besetzt werden. Kommen die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat hingegen aus dem Betrieb selbst, soll sich die Frauenquote am Anteil der weiblichen Beschäftigten orientieren. Und dieser dürfte in der Metall- und Elektroindustrie generell eher niedrig ausfallen.

In Aufsichtsräten mit nur zwei Arbeitnehmervertretern muss künftig mindestens ein Posten mit einer Frau besetzt werden. Huber fordert zudem die Bundesregierung auf, sich für eine Besserstellung von Frauen einzusetzen: "Ich halte eine gesetzliche Frauenquote dann für richtig, wenn die Unternehmen nicht rasch allein dafür sorgen, dass Frauen angemessen in Führungspositionen vertreten sind", so der IG-Metall-Chef.

In Aufsichtsräten sitzen meist ab einer bestimmten Unternehmensgröße zur Hälfte Vertreter der Kapitalseite - zum Beispiel die Eigentümer oder frühere Vorstände - und zur anderen Hälfte Arbeitnehmervertreter wie Betriebsräte und hauptberufliche Gewerkschaftsfunktionäre. Bisher schwankt der Frauenanteil erheblich: IG-Metall-Chef Huber sitzt etwa in den Kontrollgremien von Siemens und Volkswagen. Bei Siemens sind derzeit von 20 Aufsichtsräten vier Frauen, davon drei Arbeitnehmervertreterinnen. Bei Volkswagen sind es 20 Mitglieder, davon lediglich eines weiblich - eine IG-Metall-Funktionärin.

Die Debatte um den schwindend geringen Frauenanteil in Deutschlands Chefetagen erhitzt seit Wochen die Gemüter in Politik und Wirtschaft. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Tatsache, dass in den 200 größten deutschen Unternehmen derzeit nur drei bis vier Prozent der Führungspositionen von Frauen besetzt sind, als "ziemlichen Skandal" bezeichnet. Dennoch lehnte Merkel die Forderung ihrer Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nach einer verbindlichen Frauenquote strikt ab und stellte sich stattdessen hinter Familienministerin Kristina Schröder (CDU), die eine flexible Quote befürwortet.

dpa/dapd

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Seite 1
tl-hd 12.02.2011
1. Diskriminierend
---Zitat von SPON--- In Aufsichtsräten mit nur zwei Arbeitnehmervertretern muss künftig mindestens ein Posten mit einer Frau besetzt werden. ---Zitatende--- Interessant. Bei zwei Vertretern muss *mindestens* eine Frau dabei sein - das heißt also, zwei Männer sind verboten, zwei Frauen (und kein Mann) aber durchaus ok. Das soll Gleichberechtigung sein? Warum müssen solche Ansätze (fast) immer dahin gehen, dass sie eine (gefühlte oder tatsächliche) Diskriminierung durch eine entgegengesetzte Diskriminierung ersetzen, anstatt echte Gleichberechtigung zu schaffen? Auch die immer wieder diskutierten Ansätze, bis zum Jahr X mindestens Y% Frauen in Gremium Z zu haben, sind im Prizip eine Form der Diskriminierung, weil die Zahlen oft nur dann erreicht werden können, wenn bis zum Zieljahr X fast jeder frei werdende Posten mit einer Frau besetzt wird. Das heißt, dass einige Jahre lang Männer praktisch keine Chance mehr haben, einen Posten mit neu eingeführter Frauenquote zu bekommen. Wenn überhaupt Quotenregelungen sein müssen, dann doch bitte auf Neueinstellungen bezogen - es dauert dann zwar etwas länger, bis die Zielquote erreicht wird, aber es kommt einer Gleichberechtigung trotzdem deutlich näher als die jetzt häufig diskutierten Quotenmodelle. Neulich habe ich, ich glaube es war bei Wiso im ZDF, ein paar Statistiken über den Anteil von weiblichen Chefs verschiedener Altersstufen gesehen. Je jünger die Vergleichsgruppen waren, umso höher war der Anteil der Frauen unter den Chefs. Das bestätigt meine Meinung, dass die geringe Präsenz von Frauen in Vorständen etc. auch damit zu tun hat, dass die Frauen in der Altersstufe der Mehrzahl der Vorstandsmitglieder noch oft mit dem ersten Kind aus dem Berufsleben ausgeschieden sind. Wenn wir also einfach warten, bis die mittlerweile mehr Karriere orientierten Frauen nachrücken, erledigt sich das Problem im Laufe der Zeit von alleine, auch ohne Quoten, die letztendlich häufig statt Gleichberechtigung eher Diskriminierung junger Männer bewirken.
kapitaen1 12.02.2011
2. Frauenquote
Frauenquote, na toll! Also muss ein Unternehmen auch eine eventuell geinger geeignete Frau einstellen damit auch ja die Quote erfuellt wird. Das soll jetzt aber nicht heissen das Frauen grundsaetzlich eine geringere Qualifikation haben. Irgendwie werde ich das Gefuehl nicht los das einige Politiker auf dem ANTI-TRIP sind. Armes Deutschlan
stanis laus 12.02.2011
3. Sieh an, er beschließt
Von Mitbestimmung hält der H. Huber wohl nichts.
Clawog 12.02.2011
4. Frauenquote
Wohl von der Nervensäge Engelen-Käfer nicht genug gehabt.
unterländer 12.02.2011
5.
Zitat von tl-hdInteressant. Bei zwei Vertretern muss *mindestens* eine Frau dabei sein - das heißt also, zwei Männer sind verboten, zwei Frauen (und kein Mann) aber durchaus ok. Das soll Gleichberechtigung sein? Warum müssen solche Ansätze (fast) immer dahin gehen, dass sie eine (gefühlte oder tatsächliche) Diskriminierung durch eine entgegengesetzte Diskriminierung ersetzen, anstatt echte Gleichberechtigung zu schaffen? Auch die immer wieder diskutierten Ansätze, bis zum Jahr X mindestens Y% Frauen in Gremium Z zu haben, sind im Prizip eine Form der Diskriminierung, weil die Zahlen oft nur dann erreicht werden können, wenn bis zum Zieljahr X fast jeder frei werdende Posten mit einer Frau besetzt wird. Das heißt, dass einige Jahre lang Männer praktisch keine Chance mehr haben, einen Posten mit neu eingeführter Frauenquote zu bekommen. Wenn überhaupt Quotenregelungen sein müssen, dann doch bitte auf Neueinstellungen bezogen - es dauert dann zwar etwas länger, bis die Zielquote erreicht wird, aber es kommt einer Gleichberechtigung trotzdem deutlich näher als die jetzt häufig diskutierten Quotenmodelle. Neulich habe ich, ich glaube es war bei Wiso im ZDF, ein paar Statistiken über den Anteil von weiblichen Chefs verschiedener Altersstufen gesehen. Je jünger die Vergleichsgruppen waren, umso höher war der Anteil der Frauen unter den Chefs. Das bestätigt meine Meinung, dass die geringe Präsenz von Frauen in Vorständen etc. auch damit zu tun hat, dass die Frauen in der Altersstufe der Mehrzahl der Vorstandsmitglieder noch oft mit dem ersten Kind aus dem Berufsleben ausgeschieden sind. Wenn wir also einfach warten, bis die mittlerweile mehr Karriere orientierten Frauen nachrücken, erledigt sich das Problem im Laufe der Zeit von alleine, auch ohne Quoten, die letztendlich häufig statt Gleichberechtigung eher Diskriminierung junger Männer bewirken.
Vollkommen korrekt. Aus meinem Jahrgang (Babyboomer) 1962 sind etwa 70% meiner Mitschülerinnen berufstätig. Aus dem Jahrgang meines "Vetters" (1954) sind es gerade mal etwa 40%. Und die Posten und Pöstchen in den Betrieben werden zum größten Teil von noch älteren Arbeitnehmern besetzt. Ich gehe davon aus, dass der Anteil der Frauen im Berufsleben damals NOCH geringer war. Von den Mitschülerinnen meiner Mutter waren z.B. nur zwei nach der Hochzeit und der damals anscheinend obligatorisch unmittelber darauffolgenden Mutterrolle) berufstätig (incl. meiner selbstständigen Mutter). Also Mädels. Ihr müsst halt auch warten, bis Ihr dran seid.
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