Bundesbankpräsident Weidmann fordert von Griechenland mehr Verlässlichkeit

Die Skepsis wächst: Setzt Griechenland die vereinbarten Schritte um? Damit das Vertrauen in die Athener Regierung wiederhergestellt wird, wünscht sich Bundesbankchef Weidmann "mehr Verlässlichkeit".

Jens Weidmann (Archivbild): Vertrauen zurückgewinnen
AP/dpa

Jens Weidmann (Archivbild): Vertrauen zurückgewinnen


Berlin - Die Glaubwürdigkeit der griechischen Politik ist erschüttert. Während Finanzminister Giannis Varoufakis mit einem mutmaßlich gefälschten Stinkefinger von sich reden macht, erntet Regierungschef Alexis Tsipras viel Zurückhaltung von Seiten der EU-Kommission auf seine Ankündigung, beim bevorstehenden EU-Gipfel ausführlich über die Lage seines Landes berichten zu wollen.

Auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann verleiht im Schuldenstreit zwischen Griechenland und seinen Geldgebern seiner Skepsis Ausdruck. "Letztlich würde es ganz gut tun, wenn man etwas mehr Verlässlichkeit in den Aussagen hätte", sagte Weidmann laut Nachrichtenagentur dpa: "Zunächst geht es darum, Vertrauen zurückzugewinnen in den Willen, das Vereinbarte umzusetzen".

Ähnlich äußerte sich der Chefsprecher der EU-Kommission vor dem EU-Gipfel, der am Donnerstag beginnt: "Die Kommission ist der Auffassung, dass dies der Augenblick der Arbeit ist und nicht der Erklärungen."

Ziel ist es laut Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem, sich bis Ende April auf den Abschluss des verlängerten Hilfsprogramms zu einigen, damit verbliebene Milliardenhilfen fließen können. "Es gibt einen Prozess, die Frist ist gegeben, alle Beteiligten sind sich darüber klar", resümierte der Sprecher der Kommission.

"Nicht wirklich ein funktionierendes Staatswesen"

Weidmann äußerte sich auch zur Diskussion um einen Grexit, einen Ausstieg der Griechen aus der Eurozone: "Ziel muss es sein, genau ein solches Szenario zu vermeiden", sagte er. "Letztlich ist die beste Option doch, dass Griechenland sich an das hält, was vereinbart worden ist", sagte der Bundesbankpräsident.

Griechenland habe bislang "offensichtlich nicht wirklich ein funktionierendes Staatswesen", so Weidmann. Außerdem müsse das Land Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen und seine Staatsfinanzen in Ordnung bringen. Damit könne Griechenland die Voraussetzungen dafür erfüllen, sich wieder selbstständig an den Kapitalmärkten Geld zu beschaffen.

bos/dpa

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