Weinberg leergepflückt Traubenklau kostet Top-Winzer 100.000 Euro

Diebe haben in der Pfalz einen ganzen Weinberg gestohlen: Unbekannte pflückten in einer Nacht- und Nebelaktion 2500 Kilogramm Trauben eines internationalen Spitzenweines. Der Schaden beläuft sich auf rund 100.000 Euro

Bis auf die letzte Rebe kahlgeerntet: ausgeraubter Weinberg des Weinguts von Winning
dapd

Bis auf die letzte Rebe kahlgeerntet: ausgeraubter Weinberg des Weinguts von Winning


Deidesheim - Eine der besten Weinlagen Deutschlands ist kahl gepflückt: Spätnachts erbeuteten Kriminelle am Wochenende im pfälzischen Deidesheim rund 2500 Kilogramm vollreife Spätburgunder-Trauben im Wert von über 100.000 Euro. Aus der Ernte sollte eine Rotwein-Cuvée der internationalen Spitzenklasse werden. Preis pro Flasche: etwa 32 Euro.

Anfang dieser Woche sollten Erntehelfer die Spitzentrauben per Handlese pflücken. Doch in der Nacht zum Samstag fuhren der oder die Diebe mit einer Erntemaschine durch die Reihen der Weinlage "Herrgottsacker". "Die Rebstöcke sind bis auf die Randpflanzen leergepflückt", sagte der Winzer Stephan Attmann.

Laut Hans-Jörg Rebholz vom Verband der Prädikatsweingüter traf der große Traubenklau eines der "angesagtesten Weingüter in Deutschland". Die Fachpresse kürte es zum "Erzeuger des Jahres". Und im Mai kamen sogar Bundespräsident Christian Wulff und 180 Diplomaten zu einer Weinverköstigung vorbei.

Dass Trauben im Stockdunkelen gelesen werden, ist nicht ungewöhnlich. "Dank der Nachtkälte haben die Trauben die optimale Temperatur zur Weiterverarbeitung", sagte Attmann. Darum dürften sich mögliche Augenzeugen nicht über die hellen Scheinwerfer der Erntemaschine im Weinberg gewundert haben.

"Wir leiden auch seelisch unter dem Verlust"

Die Trauben seien bereits selektiert worden und sollten das "Herzstück" eines erstklassigen Cuvées werden, erzählte Attmann. "Schon 2008 gewannen wir damit höchste internationale Anerkennung", sagte er. Und fügte hinzu: "Wir leiden auch seelisch, nicht nur finanziell unter dem Verlust."

Beim Deutschen Weininstitut geht man nun von der Verzweiflungstat eines anderen Winzers aus: "Das waren Winzerkollegen mit Ortskenntnis", sagte Sprecher Ernst Büscher. Er vermute hinter der Tat Weinbauern, deren Ernte durch den Spätfrost im Mai oder die Hagelstürme im August zerstört wurden. "Vielleicht war es eine Verzweiflungstat, auf alle Fälle aber kriminell und nicht zu entschuldigen." Solche Trauben-Diebstähle kämen "immer wieder mal vor". Die Täter blieben meist unbekannt.

Die Polizei Haßloch hofft dennoch auf Zeugen. Außerdem hätten die Reifen des Vollernter im Weinberg und auf dem Asphalt deutliche Spuren hinterlassen. "Diese könnten uns zum Täter führen", sagte ein Sprecher.

dis/dapd

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