Wegen Wetterkapriolen Winzer beklagen schlechteste Weinernte seit 1961

Fast 20 Prozent weniger Bordeaux, bei italienischen Weinen sogar 23 Prozent Minus: Europas führende Weinbauländer kämpfen mit der ungünstigen Witterung.

Weinreben
DPA

Weinreben


Nach Wetterkapriolen in Europa wird die Weinproduktion in diesem Jahr wohl so schlecht ausfallen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Weltweit dürfte sie im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent auf 246,7 Millionen Hektoliter schrumpfen, wie die internationale Weinorganisation OIV auf Basis einer Schätzung mitteilte. Das ist die niedrigste Produktionsmenge seit 1961.

Die drei weltweit führenden Weinbauländer mussten wetterbedingt heftige Einbußen hinnehmen: In Frankreich mit seinen weltberühmten Weinregionen Bordeaux, Burgund und Champagne wird die geringste Erntemenge seit Jahrzehnten erwartet. Die OIV schätzt, dass sie um 19 Prozent auf 36,7 Millionen Hektoliter eingebrochen ist. Für Weltmarktführer Italien wird sogar ein Rückgang um 23 Prozent auf 39,3 Millionen Hektoliter erwartet. In Spanien dürfte die Produktion um 15 Prozent auf 33,5 Millionen Hektoliter zurückgehen.

Auch deutsche Winzer brachten in diesem Jahr deutlich weniger Wein in ihre Keller. Die OIV sprach von einem Rückgang um zehn Prozent auf 8,1 Millionen Hektoliter. Das wäre allerdings noch deutlich mehr, als das Deutsche Weininstitut Anfang des Monats in seiner ersten Schätzung angegeben hatte. Diese ging sogar von einem Minus um 18 Prozent auf 7,5 Millionen Hektoliter aus. Woher der Unterschied kommt, war zunächst nicht zu klären. Eine Sprecherin des Weininstituts sagte, dass dort bislang keine neuen Zahlen vorlägen. Deutschland steht in der Rangliste der größten Weinproduzenten auf Platz 10.

In Übersee entwickelten sich die Ernten hingegen besser. Die USA als weltweite Nummer vier hatten keine nennenswerten Einbußen, Australien und Argentinien konnten sogar mehr Wein produzieren als im Vorjahr. In Europa zählen Portugal, Rumänien, Ungarn und Österreich zu den Gewinnern.

Ob Weine wegen der geringeren Produktionsmenge nun teurer werden, ist jedoch noch nicht ausgemachte Sache. Denn die Preisfindung hängt auch von den Lagermengen aus den vorigen Jahren und der Qualität der geernteten Trauben in ausgewählten Regionen ab. Zudem hatte sich in der jüngsten Vergangenheit ein Überangebot herausgebildet, da die Nachfrage nach Wein in den Nachwehen der Weltfinanzkrise tendenziell nachgelassen hatte.

beb/Reuters/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.