Rechtsstreit mit Sammelklägern Wells Fargo zahlt 110 Millionen Dollar in Scheinkonten-Affäre

Wells-Fargo-Banker eröffneten Tausende Konten - ohne Wissen der Kunden. Nun zahlt die US-Großbank ihnen über 110 Millionen Dollar. Insgesamt belaufen sich die Kosten damit auf 300 Millionen Dollar.

Wells-Fargo-Filiale in Oakland (Archivbild)
AP

Wells-Fargo-Filiale in Oakland (Archivbild)


Nach einer Strafzahlung an US-Behörden hat die Großbank Wells Fargo Chart zeigen im Skandal um fingierte Konten nun einen Vergleich über 110 Millionen Dollar mit Sammelklägern geschlossen. Das teilte das Geldhaus mit.

Mit dem Geld sollen Kunden entschädigt werden, in deren Namen Mitarbeiter unautorisierte Konten eröffneten, um von der Bank vorgegebene Verkaufsziele zu erreichen.

Wells Fargo hatte wegen der Affäre bereits im September Geldstrafen in Höhe von mehr als 185 Millionen Dollar von mehreren US-Behörden akzeptiert.

Die Bank hatte eingeräumt, dass Angestellte mehr als zwei Millionen Spar- und Kreditkartenkonten ohne Erlaubnis der Kunden eingerichtet hatten. Tausende Mitarbeiter wurden im Zuge des Skandals gefeuert, auch Vorstandschef John Stumpf hatte im Oktober seinen Posten geräumt. Analysten rechnen mit weiteren Strafen.

man/dpa-AFX



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infooverdose 29.03.2017
1. Zielvorgaben
Das System lädt zum Betrügen ein, wenn der Druck zu groß wird. Budgetvorgaben?und Verkaufsziele von oben nach unten vorgegeben können nur zu sowas führen. Ich empfehle Das Buch Reinventing Organizations von Frederic Laloux für viele tolle Beispiele von Unternehmen, die das anders machen und erfolgreicher sind als ihre Wettbewerber.
hefe21 29.03.2017
2. Well, Fargo
euer jüngstes (bekanntes) US-Geschäftsmodell zur Umsatzsteigerung geistert ja nun schon seit Monaten in der Aussenhirnrinde unserer Wahrheitsmedien. Aber warum bezahlt ihr hier "Entschädigungssummen" für "Verkaufsziele", wo doch angeblich nur Phantasiekonten eröffnet wurden? Wer stellt hier im Einzelnen fest, wie diese angeblichen Kontonamen mit den "Entschädigungsberechtigten" in Übereinstimmung zu bringen sind? Ist es glaubhaft, hört, hört Wahrheitsmedien, dass die bekannt Umsatz- und damit gewinnkonditionierte US-Bankbranche (wolle mer sie mal so nennen) sich darauf beschränkte lediglich Kontoeröffnungen vorzutäuschen (=die unterste Stufe der Erfolgsgenerierung) und keine darauf aufbauenden Scheingeschäfte mit Scheinkapital getätigt hat. Also logischerweise dieses Scheinkapital in den Kapitalmarktkreislauf injiziert hat um dort reale "Gewinne" zur "Deckung" und Eigennutzüberhang abzuschöpfen. Und bei Nichtaufgehen der Fiktion diese Gelder nun bei Wells Fargo (Brother Lehmann kriegt sich in der Kapitalmarkthölle kaum ein) als abermaliges amerigaunerisches Kreditbetrugsstück vor der Offenbarung steht? Aber nein, tausende inzwischen gefeuerte Mitarbeiter (wo befinden die sich nun genau?) haben einfach nur für ein paar läppische Kontoeröffnungspunkte Namen gefälscht. Eine intellektuelle Zumutung, aber offenbar Stand der Dinge in endlos verwirrten Zeiten.
NewYork76 29.03.2017
3. Was wollen Sie uns sagen?!?
Zitat von hefe21euer jüngstes (bekanntes) US-Geschäftsmodell zur Umsatzsteigerung geistert ja nun schon seit Monaten in der Aussenhirnrinde unserer Wahrheitsmedien. Aber warum bezahlt ihr hier "Entschädigungssummen" für "Verkaufsziele", wo doch angeblich nur Phantasiekonten eröffnet wurden? Wer stellt hier im Einzelnen fest, wie diese angeblichen Kontonamen mit den "Entschädigungsberechtigten" in Übereinstimmung zu bringen sind? Ist es glaubhaft, hört, hört Wahrheitsmedien, dass die bekannt Umsatz- und damit gewinnkonditionierte US-Bankbranche (wolle mer sie mal so nennen) sich darauf beschränkte lediglich Kontoeröffnungen vorzutäuschen (=die unterste Stufe der Erfolgsgenerierung) und keine darauf aufbauenden Scheingeschäfte mit Scheinkapital getätigt hat. Also logischerweise dieses Scheinkapital in den Kapitalmarktkreislauf injiziert hat um dort reale "Gewinne" zur "Deckung" und Eigennutzüberhang abzuschöpfen. Und bei Nichtaufgehen der Fiktion diese Gelder nun bei Wells Fargo (Brother Lehmann kriegt sich in der Kapitalmarkthölle kaum ein) als abermaliges amerigaunerisches Kreditbetrugsstück vor der Offenbarung steht? Aber nein, tausende inzwischen gefeuerte Mitarbeiter (wo befinden die sich nun genau?) haben einfach nur für ein paar läppische Kontoeröffnungspunkte Namen gefälscht. Eine intellektuelle Zumutung, aber offenbar Stand der Dinge in endlos verwirrten Zeiten.
Was soll uns Ihr Beitrag sagen? Sie haben offenbar nicht verstanden worum es hier geht. Aber ich helfe gerne, den so kompliziert ist das nicht: Wells Fargo Mitarbeiter haben mit den Kundendaten von echten Kunden zusaetzliche Konten eroeffnet, ohne die Zustimmung der entsprechenden Kunden einzuholen. Und da das ganze keine Einzelfaelle waren, sonder offenbar im grossen Stil mit Wissen des Managements passiert ist, gab es erst eine saftige Geldstrafe von den Behoerden und jetzt eine Sammelklage der betroffenen Kunden. Was das mit "Wahrheitsmedien", "Scheinkapital" und " amerigaunerisches Kreditbetrugsstück" zu tun hat, wird wohl Ihr ominoeses Geheimwissen bleiben...
janvanwerth 30.03.2017
4. Wir habe das hier selbst erlebt
Vorab: Meine Frau und ich leben in den USA (sie ist Amerikanerin): Fall 1: Wir erkundigen uns bei einer Bank, wo wir ein Giro-Konto unterhalten, ob wir einen "home-equity loan" erhalten können. Wir geben ein paar Daten hinsichtl. Einkommen an, um die Konditionen zu hören, unterschreiben aber nix. Wir unterzeichnen dann bei einer anderen Bank zu besseren Bedingungen, erhalten aber später von der ersten Bank eine Nachricht, dass unser Antrag abgelehnt wurde (weil wir keine weiteren Unterlagen nachgereicht hatten--d.h. unsere Steuererklärung). Bei Anruf wurde dann klar, dass die Mitarbeiterin bei der ersten Bank unseren Antrag eingereicht hatte, um die Provision zu erhalten, ohne unsere Zustimmung. Das klingt an sich harmlos, ist es aber nicht, weil jeder abgelehnte Kreditantrag zu einer zentralen Datenbank geht und eine Reduktion unserer Kreditwürdigkeit (credit rating) verursacht. Das kann reele Folgerungen haben und es ist fast unmöglich, das rückgängig zu machen. Fall 2, und der betrifft direkt Wells Fargo: Meine Frau kriegt eine Kreditkarte zugeschickt assoziiert mit einem neuen Konto, das sie nicht beantragt hat. Auf Nachfrage behauptet die Bankfiliale, dass sie das Konto am soundsovielten beantragt hat, kann aber das Antragsformular mit Unterschrift nicht vorzeigen. Wiederum hatte eine Mitarbeiterin den Antrag vorgetäuscht, um die Provision zu kassieren. Na und? Wir können zumindest die Kreditkarte nicht zurückgeben, weil das wiederum eine Reduzierung unseres credit rankings zur Folge hätte (don't ask me why!) Das Muster ist in beiden Fallen klar: Eine Bank will agressiv ihre Kundenbasis erhöhen und bietet Mitarbeitern Prämien an, was dieselben zu unlauteren Mitteln greifen lässt (Urkundenfälschung), vor allem wenn, wie im Fall Wells Fargo, unrealistische Mindestziele verkündet werden. Und das kann zu mehr als nur Irritierung auf Seiten der Kunden führen.
mazzmazz 30.03.2017
5. Schadenersatz
Ein quantifizierbarer Schaden dürfte wohl nicht entstanden sein. Dennoch wird brav "entschädigt". Glückliche Amerikaner...
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