Insolventer Kirchenverlag Weltbild schließt rund ein Viertel seiner Filialen

Weltbild schrumpft: Der insolvente Verlag will sein Ladennetz deutlich verkleinern. Mehr als 50 Geschäfte sind betroffen - und fast 300 Mitarbeiter.

Betriebsversammlung bei Weltbild (Ende März): Im Juli machen 24 Läden zu
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Betriebsversammlung bei Weltbild (Ende März): Im Juli machen 24 Läden zu


Augsburg - Nach der Insolvenz sind die katholischen Träger der Verlagsgruppe Weltbild - darunter zwölf Bistümer - in teils heftige Kritik geraten. Der Vorwurf lautet, die rund 6300 Mitarbeiter des Verlags würden im Stich gelassen. Jetzt soll auch das Ladennetz ausgedünnt werden, teilte die Insolvenzverwaltung der Filialtochter mit. Binnen eines Jahren machen 53 der 220 Buchhandlungen zu. Von den Schließungen sind rund 300 der 1300 Mitarbeiter betroffen.

Nach den Plänen werden insgesamt weitere 179 Mitarbeiter in eine Beschäftigungsgesellschaft wechseln. Zudem verlieren weitere 114 auf 450-Euro-Basis angestellte Mitarbeiter ihren Job. Diese geringfügig Beschäftigten erhalten eine Abfindung. Künftig wird die Weltbild-Filialtochter somit nur noch rund tausend Beschäftigte haben.

Im Juli sollen die ersten Geschäfte geschlossen werden. Trotz des Filialabbaus hält das Unternehmen weiter am Verkauf in Buchhandlungen fest. Diese seien nach wie vor neben dem Onlinehandel eine strategisch relevante Säule für Weltbild, erklärte der Sachwalter der Filialtochter.

Bei der Konzernmutter, der Verlagsgruppe Weltbild, waren schon zum 1. April rund 580 Mitarbeiter in eine Auffanggesellschaft gewechselt, zuvor war von 650 Beschäftigten die Rede.

Weltbild hatte am 10. Januar Insolvenz angemeldet, nachdem die katholischen Gesellschafter eine weitere Finanzierung für die Sanierung des nach Amazon zweitgrößten deutschen Online-Buchhändlers abgelehnt hatten. Im vergangenen Jahr hatte Weltbild laut Insolvenzverwaltung etwa hundert Millionen Euro Verlust verbucht. Derzeit wird ein Investor für das Gesamtunternehmen gesucht.

bos/dpa/AFP



insgesamt 12 Beiträge
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demophon 28.04.2014
1. Weltbild versagt
Wie kommt es, dass Amazon Milliardengewinne macht und das katholische Weltbild mit dem gleichen Geschäftsmodell nur Verluste? Vielleicht hätte man rechtzeitig die Manager austauschen sollen.
mattoregiert 28.04.2014
2. Welt Bild
..das ist schon vermessen.Wir haben genug mit Bild in Deutschland zu tun...
hansulrich47 28.04.2014
3. Wo haben Sie das her?
Zitat von demophonWie kommt es, dass Amazon Milliardengewinne macht und das katholische Weltbild mit dem gleichen Geschäftsmodell nur Verluste? Vielleicht hätte man rechtzeitig die Manager austauschen sollen.
Der Gewinn von Amazon ist seit Jahren ziemlich gering. Bei Amazon wird kontinuierlich in einen weiteren Ausbau investiert, ist die veröffentlichte Erklärung. Das Geschäftsmodell ist ausserdem kompett unterschiedlich, Weltbild hat sich mit vielen, zu teuren Filialen verzettelt. Aber vermutlich kaufen die Deutschen einfach zu wenige Bibeln und andere Traktate von und über Heilige. ;-))
hettar01 28.04.2014
4. Vielleicht
Zitat von demophonWie kommt es, dass Amazon Milliardengewinne macht und das katholische Weltbild mit dem gleichen Geschäftsmodell nur Verluste? Vielleicht hätte man rechtzeitig die Manager austauschen sollen.
liegt das ja daran das amazon keine deutsche Firma ist, und bis auf die MwSt. nicht hier versteuert wird. Oder das man bei Weltbild einfach zu viele Leute mit fairen (zu hohen) Gehältern beschäftigt. Wenn man sich bei vielfach höheren Personalkosten noch dem Preiskampf mit amazon stellen muss, wird es halt sehr schnell eng. Wobei ich aber auch nicht ganz verstehe wie da 100 Mio. zusammenkommen....
maipiu 28.04.2014
5. Kein Wunder!
Weil ich Amazon nicht sonderlich mag, habe ich kürzlich drei Bücher bei Weltbild bestellt. Eins kam nach zwei Tagen. Dann fragte ich per E-Mail, was mit den anderen beiden Büchern los sei. Antwort: die müssten schon längst bei Ihnen sein, ob sie sie nochmal senden sollen. Meine Antwort: ja, aber bitte nicht doppelt schicken. Einen Tag später kamen die beiden Bücher, nochmal zwei Tage später kam eines von diesen ein zweites Mal und noch etwas später das dritte auch noch ein zweites Mal. Die Annahme habe ich verweigert und Weltbild darüber informiert. Wenn man so arbeitet muss man einfach scheitern.
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