Überfüllte Lager Nike muss Sportklamotten verramschen

Die Inflation treibt die Preise für viele Konsumartikel, doch Nike muss seine Klamotten billig loswerden: Der weltgrößte Sportkonzern sitzt auf überfüllten Lagern. Der Grund ist eine Fehlkalkulation.
Nike-Store in San Francisco: Steigende Beschaffungs- und Lieferkosten

Nike-Store in San Francisco: Steigende Beschaffungs- und Lieferkosten

Foto: JUSTIN SULLIVAN/ AFP

Nike steckt in einer schwierigen Lage: Das Geschäft des weltgrößten Sportartikelkonzerns wird von gestiegenen Logistikkosten und dem starken Dollar gebremst. Zugleich stapeln sich Waren in den Lagern. Nike muss deshalb hohe Rabatte gewähren, vor allem in Nordamerika.

Der Konzern hatte die eigenen Lager – wie die Konkurrenten Under Armour, Adidas und Puma in den USA – vor Schulbeginn aufgefüllt, nachdem Lieferungen aus Asien in den vergangenen Jahren unsicher waren. Doch diesmal funktionierten die Lieferketten überraschend reibungslos. Die Folge: Die Ware türmte sich in den Regalen, die Lagerbestände schwollen um 44 Prozent auf 9,7 Milliarden Dollar an, in Nordamerika sogar um fast zwei Drittel.

Die folgenden Rabattaktionen, steigende Beschaffungs- und Lieferkosten sowie der starke Dollar drückten den Nettogewinn im ersten Quartal (per August) um 22 Prozent auf 1,47 Milliarden Dollar, obwohl der Umsatz währungsbereinigt um zehn Prozent auf 12,7 Milliarden Dollar stieg. Finanzvorstand Matt Friend warnte, allein die Wechselkursentwicklung werde den Umsatz von Nike im Geschäftsjahr mit vier Milliarden Dollar und den operativen Gewinn mit 900 Millionen Dollar belasten.

Die Misere dürfte Nike noch länger beschäftigen: Am stärksten werde der Preisdruck im Herbstquartal werden, in dem in den USA bereits das Weihnachtsgeschäft beginnt, erklärte der US-Konzern.

Auch Adidas ist womöglich betroffen

Hinzu kommt: Der starke Dollar lässt Auslandseinnahmen bei der Umrechnung in US-Währung in der Bilanz niedriger erscheinen. Die Quartalszahlen lagen zwar über den Erwartungen der Analysten. Anleger ließen die Aktie dennoch fallen. Im nachbörslichen Handel stürzten die Nike-Papiere um bis zu zehn Prozent ab, in Frankfurt lagen sie am Freitag mit 88,25 Euro 10,5 Prozent tiefer.

Das zog auch die deutsche Konkurrenz mit nach unten. Adidas-Aktien fielen um 3,5 Prozent auf ein Jahrestief von 119 Euro, Puma-Papiere gaben sogar fast fünf Prozent auf gut 48 Euro nach. Die Analysten von Credit Suisse erklärten, Adidas habe ein ähnliches Problem mit vollen Lagern wie Nike. Die Frage sei, ob die Umsätze im zweiten Halbjahr wie erhofft kräftig anzögen. Die Analysten von Stifel gehen davon aus, dass Adidas und Puma nach dem dritten Quartal ihre Prognosen für 2022 bestätigen.

Schon im Sommer hatte Nike die Preise reduziert. Besonders stark stiegen die Lagerbestände in Nordamerika an. Komplett anders war die Situation in Hochphasen der Coronapandemie: Da hatte Nike mit Lieferengpässen zu kämpfen. Der Konzern gehe »entschlossen« vor, um die Überschüsse abzubauen, sagte Finanzchef Friend.

sh/Reuters/dpa-afx
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