WTO-Prognose Euro-Krise bremst Welthandel

Die Krise in Europa wirkt sich auf den globalen Warenumschlag aus. Die Welthandelsorganisation hat ihre Prognose für das laufende Jahr deutlich heruntergeschraubt. Auch die Aussichten für 2013 sind trübe.
Hafen von Lissabon: Schlechte Aussichten, und es könnte noch schlimmer kommen

Hafen von Lissabon: Schlechte Aussichten, und es könnte noch schlimmer kommen

Foto: © Rafael Marchante / Reuters/ REUTERS

Singapur - Der globale Warenaustausch steht vor schwierigen Zeiten. Die Welthandelsorganisation (WTO) erwartet für dieses Jahr nur noch ein Wachstum von 2,5 Prozent beim internationalen Warenumschlag. Damit korrigiert die WTO ihre Prognose vom April um weitere 1,2 Prozentpunkte nach unten. Schon damals fiel die Vorhersage verhalten aus. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 war der Welthandel noch um rund sechs Prozent angestiegen. Auch für das kommende Jahr reduzierte die Organisation laut einer in Singapur veröffentlichten Mitteilung die Prognose von 5,6 Prozent auf 4,5 Prozent Wachstum nach unten.

Wie gering der nun erwartete Anstieg für 2012 ist, zeigt der Vergleich mit den Steigerungsraten der Vergangenheit: Der Wert von 2,5 Prozent erreicht nicht einmal die Hälfte des Durchschnittswachstums des Welthandels in den vergangenen 20 Jahren.

Grund für die deutliche Abkühlung ist laut WTO-Chef Pascal Lamy die Wirtschaftskrise in der Euro-Zone. Die Euro-Schuldenkrise habe die Hoffnung der WTO auf eine exportgetriebene Erholung der Weltwirtschaft zunichtegemacht, hieß es in der Mitteilung. Der Währungsraum befindet sich insgesamt in einer Rezession, besonders betroffen sind die schwächelnden Staaten wie Italien, Spanien und Griechenland.

Aber auch die US-Wirtschaft entwickele sich schwächer als erwartet. Außerdem sei die japanische Wirtschaft in keiner guten Verfassung. Der WTO zufolge hat die jahrelange Krise die Gefahr verstärkt, dass Regierungen verstärkt zu protektionistischen Maßnahmen zum Schutz der heimischen Industrien greifen könnten.

Lamy sagte, er sehe ein weiteres Abwärtsrisiko. Bereits in der vergangenen Woche hatte der WTO-Chef angekündigt, dass die Organisation ihre Prognose herunterschrauben würde. Auch das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hatte in der vergangenen Woche seine Wachstumserwartung für den Welthandel veröffentlicht. Diese fiel mit 2,4 Prozent für dieses und 3,8 Prozent im kommenden Jahr sogar noch pessimistischer aus als die der WTO.

fdi/Reuters/dpa
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