Wahl im Werk Chattanooga VW-Mitarbeiter in Tennessee wollen keinen Betriebsrat

Als einziges großes VW-Werk bleibt die Produktionsstätte in Chattanooga ohne Betriebsrat. Die Mehrheit der Mitarbeiter sprach sich gegen die Gründung des Mitbestimmungsgremiums aus. Für die Gewerkschaft UAW ist das eine bittere Niederlage, sie beklagt politische Einflussnahme.
Gewerkschafter King, Williams: Bittere Niederlage

Gewerkschafter King, Williams: Bittere Niederlage

Foto: CHRISTOPHER ALUKA BERRY/ Reuters

Chattanooga - Mit 712 zu 626 Stimmen haben die Angestellten im VW-Werk Chattanooga die Gründung eines Betriebsrats nach deutschem Vorbild abgelehnt. An der geheimen Abstimmung beteiligten sich 89 Prozent der Beschäftigten. Der Standort im US-Bundesstaat Tennessee verfügt damit weiter als einziges großes VW-Werk weltweit über kein Gremium zur betrieblichen Mitbestimmung.

"Die Belegschaft hat gesprochen, und Volkswagen wird die Entscheidung der Mehrheit respektieren", sagte Werkschef Frank Fischer. Zugleich versprach er, die Belange und Rechte der Mitarbeiter zu achten - im Rahmen der US-Gesetze. Das Wahlergebnis muss noch von der zuständigen US-Aufsichtsbehörde National Labor Relations Board (NLRB) bestätigt werden. Einspruch ist möglich.

Unter dem Druck des VW-Gesamtbetriebsrats hatte der Autobauer im September Verhandlungen mit der US-Autogewerkschaft United Auto Workers (UAW) über eine Mitbestimmung für die Arbeitnehmer in Chattanooga aufgenommen. Geplant war laut Volkswagen die Einrichtung eines Betriebsrats. Arbeitszeit und Gehälter sollten zwischen dem Unternehmen und der UAW ausgehandelt werden. Außerdem hätte die Belegschaft des im Mai 2011 eröffneten Werks einen Sitz im Gesamtbetriebsrat erhalten sollen. Dies alles geschieht nun nicht.

Für die UAW ist dies eine schmerzhafte Niederlage. Die Wahl hatte landesweit Schlagzeilen gemacht, der Süden der USA gilt als gewerkschaftsfeindlich. Aber gerade hier haben sich wegen der niedrigeren Arbeitskosten viele Autohersteller angesiedelt: BMW produziert seit 1994 in Spartanburg im Bundesstaat South Carolina, Mercedes hat seit 1996 ein Werk in Tuscaloosa in Alabama. VW produziert in Chattanooga seit 2011. Auch japanische und südkoreanische Autokonzerne haben Werke in der Region.

"Empört, wie von außen auf diese Wahl eingewirkt wurde"

Ein Ja der VW- Mitarbeiter hätte womöglich Signalwirkung gehabt. Derzeit spielt die UAW nur in den traditionellen Hochburgen der US-Autoindustrie im Norden und Mittleren Westen eine Rolle. Dort produzieren General Motors, Ford und Chrysler.

Tennessee hat wie andere konservative Bundesstaaten im Süden der USA die Macht von Gewerkschaften per Gesetz ausgehebelt. Politiker im Süden hatten gegen die UAW mobilgemacht, weil sie das Ausbleiben neuer Investoren fürchteten. Sie sehen die Gewerkschaft als Mitschuldigen am Niedergang der Autoindustrie rund um Detroit. Die Autometropole im Norden hatte im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden müssen.

"Wir sind empört, wie von außen auf diese Wahl eingewirkt wurde", sagte UAW-Chef Bob King. Für ihn ist die Entscheidung auch eine persönliche Niederlage. Er hat es sich zum Ziel gesetzt, mit der Gewerkschaft auch im Süden der USA Fuß zu fassen. "Wir sind aufgebracht darüber, dass Politiker und Interessengruppen sich in das grundlegende Recht der Arbeiter eingemischt haben, eine Arbeitnehmervertretung zu bilden", sagte UAW-Schatzmeister Dennis Williams.

Unterstützung erhielten die Gewerkschafter von US-Präsident Obama. Er hatte die Betriebsrats-Initiative dagegen begrüßt und gesagt, republikanische Politiker kümmerten sich mehr um deutsche Aktienbesitzer als um amerikanische Arbeiter.

Nach jahrelangem starkem Wachstum hat sich die Nachfrage nach VW-Modellen auf dem US-Markt deutlich abgekühlt, der VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh spricht von einer "Katastrophenveranstaltung". Der Absatz ging 2013 um fast sieben Prozent zurück. Bei der Automesse in Detroit kündigte Volkswagen im vergangenen Monat einen neuen Geländewagen an, um eine von Analysten bemängelte Lücke in seiner Fahrzeugpalette für die USA zu schließen. Der Siebensitzer ist Teil von geplanten Investitionen von mehr als sieben Milliarden Dollar in Nordamerika in den kommenden fünf Jahren.

ulz/dpa/AFP
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