Wertvollste Unternehmen Deutsche Konzerne entern globale Top-100-Liste

Im weltweiten Vergleich gelten deutsche Firmen als eher klein. Doch während die Finanzkrise die globale Konzernelite schwächt, steigen deutsche Großunternehmen wie VW, SAP und Siemens langsam auf: Ende 2012 schafften es laut "Handelsblatt" bereits fünf in die Top 100.
VW-Auslieferungszentrum in Wolfsburg: Auf Platz 58 in der globalen Top-100-Liste

VW-Auslieferungszentrum in Wolfsburg: Auf Platz 58 in der globalen Top-100-Liste

Foto: dapd

Düsseldorf - Die Rangliste der 100 weltweit wertvollsten Unternehmen wird seit Jahrzehnten von US-Konzernen dominiert. Allein die drei Top-Konzerne Apple, Exxon und Google sind an der Börse zusammen mit rund 870 Milliarden Euro so viel wert wie alle 30 Dax-Konzerne. Es kommt aber Bewegung in die Rangfolge: Wie das "Handelsblatt" ausgerechnet hat, haben deutsche Unternehmen kräftig aufgeholt. Mit Volkswagen (58), SAP (61), Siemens (63), BASF (75) und Bayer (82) besetzt die größte Volkswirtschaft in Europa mittlerweile fünf Plätze in den Top 100 - so viele wie zuletzt im Jahr 2008.

Diese Liste richtet sich nach der Marktkapitalisierung eines Unternehmens, also dem Wert, der sich aus der Multiplikation der Zahl der gehandelten Aktien mit dem aktuellen Börsenkurs ergibt. Die Reihenfolge kann sich also theoretisch an jedem Börsentag ändern.

Der Aufstieg der deutschen Konzerne ist auch deshalb bemerkenswert, weil viele europäische Großkonzerne im ablaufenden Jahr kräftig abrutschten: Die spanische Telefonica   oder der finnische Handykonzern Nokia haben 2012 an Ertragskraft verloren, ihr Börsenwert sackte ab. Nokia  , einst das wertvollste Unternehmen in Europa, kommt laut "Handelsblatt" heute nur noch auf eine Marktkapitalisierung von knapp zwölf Milliarden Euro - so viel wie der Düsseldorfer Markenhersteller Henkel  .

Deutschland dagegen konnte sich in der Finanzkrise von dem Niedergang anderer Länder Europas abkoppeln: Unter den 100 wertvollsten Unternehmen verbessert sich VW der Zeitung zufolge mit einer Kapitalisierung von 76 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr gleich um 25 Plätze. Der Chemiekonzern BASF   kletterte dagegen um 16 Plätze auf Rang 75.

Das Pharmaunternehmen Bayer   schaffte mit einem Kursplus von 47 Prozent in diesem Jahr erstmals in der Firmengeschichte den Sprung in die Top 100. Mit Allianz  , BMW   und Daimler   liegen gleich drei weitere deutsche Unternehmen beim Börsenwert nur knapp hinter dem amerikanischen Online-Auktionshaus Ebay  , das es mit 49 Milliarden Euro gerade noch in die Top 100 geschafft hat. Noch vor zwei Jahren war Siemens   das einzige deutsche Unternehmen, das mit den größten der Welt mithalten konnte.

Weil die deutschen Konzerne ihre Umsätze zu drei Vierteln im Ausland erwirtschaften, sind sie besonders abhängig von der Entwicklung der Weltwirtschaft. Ökonomen erwarten laut "Handelsblatt" im kommenden Jahr deshalb einen weiteren Zuwachs: "Die konjunkturellen Frühindikatoren aus den USA und aus China, die auf eine verbesserte Wirtschaftsdynamik schließen lassen, geben Anlass zu mehr Optimismus für 2013", zitiert die Zeitung Christophe Bernard, Chefstratege der Schweizer Vontobel-Gruppe. Zumindest wenn die USA ihre Haushaltsprobleme lösen.

Viele Analysten gehen zudem davon aus, dass deutsche Aktien im kommenden Jahr zulegen werden. Einerseits sind die Gewinne vieler Dax-Unternehmen in den vergangenen Jahren stärker gestiegen als die Aktienkurse - Anteilsscheine gelten also als vergleichsweise günstig. Andererseits halten Börsenexperten deutsche Aktien im internationalen Vergleich für unterbewertet. Ende kommenden Jahres sehen Analysten verschiedenen Umfragen zufolge den deutschen Leitindex Dax   auf einem Rekordhoch von weit über 8000 Punkten.

nck
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