Wettbewerbsbericht Deutschland ist Innovationsweltmeister

Die Deutschen jammern über Groko, Reformstau und eine mangelhafte digitale Infrastruktur. Doch das Weltwirtschaftsforum hält das Land für wettbewerbsfähiger als alle anderen in Europa. Besonders eine Note überrascht.
Roboter Josie Pepper am Flughafen in München

Roboter Josie Pepper am Flughafen in München

Foto: Lino Mirgeler/ dpa

Kein Land der Welt ist so innovativ wie Deutschland. Zu diesem Schluss kommt das Weltwirtschaftsforum (WEF) in seiner jährlichen Studie zur Wettbewerbsfähigkeit . Gemessen an zehn verschiedenen Kriterien biete das Land die besten Voraussetzungen, um innovative Prozesse von der Idee bis zur Vermarktung zu bewältigen. Nur etwas schlechter schneiden in dem Punkt die USA und die Schweiz ab.

Das Ergebnis steht in Kontrast zu der hierzulande verbreiteten Kritik, die Deutschen seien zwar große Erfinder, verstünden es aber nicht, ihre Ideen in erfolgreiche Produkte und Firmen umzusetzen. Auch der Mangel an Risikokapital und der langsame Ausbau mit schnellen Datenleitungen (5G) wird oft beklagt.

Das WEF lobt jedoch beispielsweise starke Forschungsinstitute, erfolgreiche Cluster - auf bestimmte Technologien spezialisierte Netzwerke von Firmen und Forschungseinrichtungen - sowie die gute Zusammenarbeit verschiedener "stakeholder", also beispielsweise die betriebliche Mitbestimmung. Führend ist Deutschland außer bei der Innovationskraft nach Einschätzung des WEF mit Blick auf die volkswirtschaftliche Stabilität. Das ist vor allem der niedrigen Inflation und den soliden Staatsfinanzen zu verdanken.

Insgesamt liegt Deutschland im Wettbewerbsranking auf Platz drei, hinter den USA und Singapur. Das Weltwirtschaftsforum sieht Amerika trotz der protektionistischen Handelspolitik und Mängeln im Sozialsystem ganz vorne. Kein anderes Land sei unternehmerisch so dynamisch und verfüge über so ein leistungsfähiges Finanzsystem. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt China liegt weit abgeschlagen auf Platz 28. Ganz hinten finden sich vor allem afrikanische Staaten.

Das WEF untersucht für die Rangliste 140 Industriestaaten, Schwellen- und Entwicklungsländer anhand von 98 Indikatoren, die sie zu zwölf für die Wettbewerbsfähigkeit ausschlaggebenden Faktoren bündelt. In diesem Jahr hatte das WEF die Methodik geändert, um besser abzubilden, wie die Länder für den digitalen Wandel gewappnet sind. "Die vierte industrielle Revolution verändert die Wettbewerbslandschaft dramatisch", heißt es in dem Bericht.

Viele Faktoren, die in diesem neuen Umfeld entscheidend seien, hätten in der Vergangenheit keine Rolle für politische Entscheidungen gespielt, etwa Ideenfindung, unternehmerische Kultur, gesellschaftliche Offenheit und Beweglichkeit.

"Ich erwarte eine neue Spaltung der Welt in Länder, die diesen innovativen Wandel verstehen, und solchen, die ihn nicht verstehen", sagte Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums. Das WEF plädiere für offene Märkte, zugleich müssten jedoch mögliche Verlierer der Globalisierung geschützt werden. Umverteilung und soziale Sicherungssysteme stünden nicht im Widerspruch zu höherer Wettbewerbsfähigkeit.

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