Dreiste Werbetricks Wettbewerbshüter gehen gegen Möbelhäuser vor

Irgendwo ist im Möbelhandel immer Ausverkauf oder eine Rabattschlacht. Doch hinter den angeblich so einmaligen Sonderangeboten stecken allzu häufig Täuschungsmanöver, kritisiert die Wettbewerbszentrale.
Onlineshop des Dänischen Bettenlagers

Onlineshop des Dänischen Bettenlagers

Foto: Dänisches Bettenlager

Mondpreise, versteckte Zusatzkosten und vorgetäuschte Jubiläen: Die Wettbewerbszentrale hat dem deutschen Möbelhandel miese Tricks vorgeworfen. Vor allem den Versprechen in den bunten Print-Prospekten sollten die Verbraucher keinen Glauben schenken: Von 266 festgestellten Verdachtsfällen auf unlauteren Wettbewerb fanden sich 247 in den gedruckten Beilagen und nur 19 in der Onlinewerbung, wie die Wettbewerbszentrale mitteilte .

Überprüft wurden demnach in einem Zeitraum von drei Sommermonaten die Aktionen von 20 führenden Anbietern, unter ihnen mehrere nationale Branchenriesen. Nur zwei Unternehmen verhielten sich nach Einschätzung der "Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs" korrekt: Das süddeutsche Haus Möbel-Rogg aus Balingen und Marktführer Ikea. "Die machen die aufgeregten Rabattschlachten der anderen nicht so mit", sagte eine Juristin der Wettbewerbszentrale.

Bei sämtlichen übrigen Anbietern fanden die Anwälte vielfältige Verstöße. So wurden falsche Gesamtpreise gebildet, falsche ursprüngliche Preisempfehlungen zum Vergleich genannt oder gleich Mondpreise frei erfunden. In einem Prospekt eines Möbel-Discounters sei dieselbe Küche mit zwei unterschiedlichen Ausgangspreisen beworben worden, schildert die Anwältin einen besonders krassen Fall.

Unterlassungserklärungen verlangt

Gerne würden auch Rabattversprechen im Kleingedruckten sofort wieder zurückgenommen, ziehen die Anwälte Bilanz. So habe ein Anbieter in einem Prospekt Geburtstagsangebote sowie Rabatte von 20 Prozent "auf alles" versprochen. In einer Fußnote wurde dann erläutert, dass sämtliche in dem Prospekt gezeigten Produkte von diesem Preisnachlass ausgenommen sein sollten.

Auch beim Erfinden von Anlässen für einen Sonderverkauf seien die Händler viel zu kreativ. So habe eine nationale Handelskette ihre bundesweit einheitlichen Angebote in regional differenzierten Prospekten mal als Messepreise und mal als Räumungsverkauf beworben. Auch könne der Verbraucher keineswegs darauf vertrauen, dass das Angebot nur zeitlich begrenzt vorhanden ist. Manche angeblichen Sonderangebote wurden immer wieder zum selben Preis offeriert - womit zumindest der durchgestrichene Vergleichspreis zur wettbewerbswidrigen Angabe wird, weil er letztlich nie zeitnah gefordert wurde.

Die nach eigenen Angaben von 1200 Firmen und 800 Kammern getragene Wettbewerbszentrale verlangt von den Unternehmen jeweils Unterlassungserklärungen. Werden diese nicht freiwillig abgegeben, droht eine Klage wie aktuell in vier Fällen gegen die Firmen Dänisches Bettenlager, Segmüller, Poco und Finke Das Erlebnis-Einrichten. Viele der Hinweise kamen laut der Zentrale aus dem Möbelhandel selbst.

kig/dpa
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