Wettbewerbsverfahren EU knöpft sich Google vor

Google bekommt Ärger mit Europas Wettbewerbswächtern: Die EU-Kommission leitet ein Verfahren gegen den Internetkonzern ein. Sie wird untersuchen, ob der IT-Riese seine marktbeherrschende Stellung missbraucht hat - und bekommt dafür Einblick in dessen geheimen Such-Algorithmus.
Google-Logo: Ärger wegen Suchmaschinen-Rankings

Google-Logo: Ärger wegen Suchmaschinen-Rankings

Foto: dapd

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Wettbewerbsverfahren

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Brüssel - Die leitet ein gegen ein. Die EU-Wettbewerbshüter werden untersuchen, ob der Konzern seine marktbeherrschende Stellung bei der Online-Suche missbraucht haben könnte, teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mit. Google habe, womöglich vorsätzlich, die Seiten anderer bei Google-Suchen zu weit unten angezeigt.

Sollten die Wettbewerbshüter Belege für diesen Vorwurf finden, droht Google ein hohes Bußgeld. Bei Verstößen gegen das Kartellrecht kann die EU einem Unternehmen eine Geldbuße aufbrummen, die bis zu zehn Prozent seines weltweiten Jahresumsatzes beträgt. Schätzungen zufolge könnte Google im laufenden Jahr bis zu 26 Milliarden Dollar umsetzen.

Google kündigte in einer ersten Stellungnahme an, mit der EU-Kommission kooperieren zu wollen, um etwaige Bedenken auszuräumen. Brisant: Um ihrer Arbeit nachgehen zu können, bekommen die Wettbewerbswächter Einblick Googles geheimen Such-Algorithmus, der bestimmt, welche Web-Seite bei einer Suche als wie relevant eingestuft wird.

Der Konzern wird der Kommission nach eigenen Angaben erläutern, wie der Google-Suche funktioniert. Das Unternehmen betonte, dass der Algorithmus ständig verbessert werde. "Allein 2009 haben wir 585 Änderungen am Algorithmus vorgenommen", sagte ein Sprecher SPIEGEL ONLINE.

Benachteiligung bei Suchergebnissen?

Drei Konkurrenzunternehmen - die Rechtssuchmaschine Ejustice.fr sowie die Preisvergleichsportale Foundem und Ciao (Microsoft) - hatten Anfang Februar bei der EU-Kommission Beschwerde gegen die Geschäftspraktiken des Suchmaschinen-Riesen eingereicht. Ihr Hauptvorwurf: Der Konzern benachteilige Wettbewerber bei der Anzeige von Suchergebnissen.

Als möglichen Beleg dafür hat das britische Unternehmen umfangreiches Datenmaterial an die EU-Kommission geschickt (siehe Fotostrecke). Aus diesem gehe unter anderem hervor, dass der Konzern bei Produktanfragen die eigenen Services an prominenter Stelle unter die Suchergebnisse mische und damit Konkurrenten den Platz raube, sagte Foundem seinerzeit SPIEGEL ONLINE.

Fotostrecke

Foundem-Vorwürfe: Manipuliert Google seine Suchmaschine?

Ein anderer Wettbewerber, der Online-Kartendienste MapQuest, musste den Vorwürfen zufolge Einbußen bei Seitenaufrufen hinnehmen, nachdem er in den Suchergebnissen plötzlich hinter Googles eigenem Kartendienst Google Maps auftauchte - selbst dann, wenn Nutzer nach Begriffen wie "mapquest driving directions" gesucht hätten.

Foundem wirft Google zudem vor, die Preise für sogenannte Textanzeigen zeitweise in die Höhe getrieben zu haben. Google zeigt neben Suchergebnissen Werbung in Form von Kurztexten an. Unternehmen können ihre eigene Textanzeige für die Verkoppelung mit einem bestimmten Suchwort vorschlagen und ein Mindestgebot dafür abgeben, was sie für die Verknüpfung zu zahlen bereit sind.

EU-Kommission für hartes Durchgreifen bekannt

In den USA läuft ein ähnliches Verfahren gegen Google. Dort prüft die Generalstaatsanwaltschaft des US-Staates Texas, ob Google bestimmte Web-Seiten bei der Darstellung von Suchergebnissen benachteiligt. Zu den Beschwerdeführern zählen die Unternehmen TradeComet, myTriggers - und, wie in Europa, Foundem.

Foundem-Chefin Shivaun Raff teilte am Dienstagmittag mit, es gebe eine "wachsende Kluft zwischen der öffentlichen Wahrnehmung, Googles Suchergebnisse seien nachvollziehbar und unparteiisch, und der Realität, dass nichts von beidem der Fall ist". "Es wäre definitiv zum Vorteil aller Internetnutzer, wenn Google seine Ranking-Praktiken transparenter machen würde", sagt Raff SPIEGEL ONLINE.

Die EU-Kommission ist für ihr hartes Durchgreifen gegen IT-Riesen bekannt, sie hat mehrfach bewiesen, dass sie das Know-how und die Ressourcen hat, auch Mammutverfahren gegen Konzerne zu gewinnen, deren Jahresumsatz die Wirtschaftsleistung mancher Staaten übersteigt.

Da war der Chip-Riese Intel, dem die EU eine Rekordstrafe von 1,06 Milliarden Euro aufbrummte. Und da war Microsoft, der Software-Gigant, gegen den die EU mehrfach Multimillionenstrafen verhängte - und der sich zuletzt verpflichten musste, in seinem Betriebssystem Windows künftig neben dem Internet Explorer auch Konkurrenz-Browser anzubieten. Im März ging ein entsprechendes Software-Update online.

ssu
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