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18. Januar 2017, 09:57 Uhr

Hilfe bei Geschäftsideen

Amtliche Wetterdaten sollen kostenfrei werden

Daten des Deutschen Wetterdienstes sollen bald nichts mehr kosten. Damit will Minister Dobrindt Geschäftsideen unterstützen. Doch digitale Wetterdienste warnen, er zerstöre dafür ihren Markt.

Amtliche Wetter- und Klimadaten aus ganz Deutschland sollen künftig kostenfrei für Geschäftsideen und andere interessierte Nutzer zur Verfügung stehen. Dafür soll die bisherige Verpflichtung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) aufgehoben werden, zahlreiche Daten nur gegen Gebühr bereitzustellen. Das sieht ein Gesetzentwurf des zuständigen Ministers Alexander Dobrindt vor, der vom Bundeskabinett verabschiedet wurde.

"Wir öffnen einen einzigartigen Datenschatz", sagte der CSU-Politiker. Eine Vernetzung mit anderen Anwendungen schaffe digitale Geschäftsmöglichkeiten über Wettervorhersagen und Wetterwarnungen hinaus.

Auf Dobrindts Vorstoß reagierte die Branche der Wetterdienste entsetzt. Die privaten deutschen Wetterdienstleister befürchteten eine Zerstörung der digitalen Wetterwirtschaft und eine steuerfinanzierte staatliche Monopolisierung des Wettermarktes, warnte der Verband Deutscher Wetterdienstleister (VDW). Durch die Gesetzesänderung soll der DWD sämtliche Leistungen, die auf Wetterdaten beruhen, entgeltfrei und rein steuerfinanziert auf den Markt bringen dürfen.

Private Wetterdienste hätten längst innovative Wetter-Apps entwickelt. Nun solle aber der Staat selbst diese innovativen Endprodukte erstellen und steuerfinanziert in Konkurrenz zur digitalen Wirtschaft treten dürfen, monierte der Verband.

"Die geplante Gesetzesänderung steht in krassem Gegensatz zu den Zielen der Digitalen Agenda und in völligem Widerspruch zur prinzipiellen Idee der Open Data Politik", kritisierte auch der Wirtschaftswissenschaftler Justus Haucap, Leiter des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie. Ziel der Open Data Philosophie sei nicht, durch das Anbieten eigener staatlicher Apps mit Hilfe von Steuergeldern die Entwicklung privater Angebote drastisch zu erschweren.

Wetter- und Klimadaten werden zum Beispiel auch für den zunehmenden Einsatz erneuerbarer Energien oder computergesteuerte Autos benötigt. Neben Entwicklern und Firmengründern könnten von einem einfacheren Zugang zu den amtlichen Daten auch andere Anbieter von Wetterinformationen profitieren, hatte Dobrindt seinen Vorstoß erklärt. Der Deutsche Wetterdienst ist eine Behörde des Bundesverkehrsministeriums.

kig/dpa-AFX

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