Widerstand gegen Regierung Konzerne basteln sich Frauenquote selbst

Die Frauenministerin ist sehr froh - doch die Ergebnisse sind mau: Bei einem Regierungstreffen mit Managern der Dax-Konzerne haben sich diese zwar zu einer höheren Frauenquote bekannt, den Vorschlag der Regierung lehnten sie jedoch ab. Jede Firma legt nun ein eigenes Ziel fest.

Minister-Riege mit Managern: Wenn Politik auf ökonomische Wirklichkeit trifft
DPA

Minister-Riege mit Managern: Wenn Politik auf ökonomische Wirklichkeit trifft


Berlin - Sie haben die Regierung abblitzen lassen: Bei einem Spitzentreffen mit Ministern in Berlin haben führende Wirtschaftsvertreter es abgelehnt, eine verbindliche Frauenquote einzuführen. Ein Vier-Stufen-Plan von Familienministerin Kristina Schröder (CDU) scheiterte. "Es gab einen konstruktiven Dialog, aber den Stufenplan haben wir nicht bestätigt", sagte BMW-Personalvorstand Harald Krüger. Stattdessen kündigten die 30 Dax-Konzerne an, für jedes Unternehmen "spezifische und differenzierte Ziele zur Erhöhung des Frauenanteils in der Belegschaft und in Führungspositionen" zu veröffentlichen.

Krüger verteidigte die Haltung der Konzerne damit, dass es besonders in technischen Bereichen wenige Frauen gebe. Deshalb falle es den Unternehmen schwer, einen höheren Frauenanteil in der Führung kurzfristig zu gewährleisten.

Schon Schröders nun abgelehnter Stufenplan war wenig ambitioniert. Er sieht eine "gesetzliche Pflicht zur Selbstverpflichtung" vor. Schröder nennt dies "Flexi-Quote". Diese soll gesetzlich verpflichtend werden, falls sich der Anteil der Frauen in Führungsgremien nicht auf freiwilliger Basis bis 2013 verdreifacht hat.

Von der Leyen ist nicht zufrieden

Schröder sagte, sie sei sehr froh über das Ergebnis der Verhandlungen. "Wir werden nicht eine Quote haben, sondern wir werden in diesem Jahr 30 Zielvorgaben der 30 Dax-Unternehmen erfahren", sagte sie. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen zeigte sich deutlich kritischer: Die Ergebnisse seien "nicht konkret genug", sagte die CDU-Politikerin. Sie halte an ihrem Ziel fest, dass im Jahr 2020 30 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt sein müssten. Es sei zwar durchaus akzeptabel den Dax-Unternehmen mehr Zeit zu lassen, aber der Prozess müsse einen Endpunkt haben.

Laut einer Statistik der Europäischen Kommission nimmt Deutschland beim Frauenanteil in Aufsichtsräten der größten börsenorientierten Unternehmen im europaweiten Vergleich einen Mittelplatz ein. Der Anteil liegt hierzulande knapp über zehn Prozent, wohingegen Norwegen mit einem Frauenanteil von knapp unter 40 Prozent die Rangliste anführt, gefolgt von Schweden und Finnland mit etwa 25 Prozent.

dab/dapd/dpa/AFP



insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
glen13 30.03.2011
1. ...
Zitat von sysopDie Frauenministerin ist sehr froh - doch die Ergebnisse sind mau: Bei einem Regierungstreffen mit*Managern der Dax-Konzerne haben sich diese zwar zu einer höheren Frauenquote bekannt, den Vorschlag der Regierung lehnten sie jedoch ab.*Jede Firma*legt nun ein eigenes Ziel fest. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,754121,00.html
Kampf der Geschlechter, die Regeln werden verhandelt.
b17 30.03.2011
2. kinderbetreung
ich denke als eine arbeitstätige Frau, Hauptproblem ist der Mängel in Kinderbetreuung.
baloo55 30.03.2011
3. Egal
Dem Grunde nach ist mir das schnurzpipegal, wie viel Frauen in Führungspositionen sind. Geschadet hat der jetzige Zustand der Wirtschaft offenbar nicht. Wo Frauen selbst was tun können, z.B. durch Mitgliedschaft in politischen Parteien glänzen sie durch Zurückhaltung, das geht schon bei bloßer Mitgliedschaft los. Was mir noch auffällt, unlängst in einer Diskussion stritt Bascha Mika heftig für eine Quote in den Aufsichtsräten, nicht in den Vorständen. Kommt mir doch gleich der überaus frauenfeindliche Verdacht, warum wohl Aufsichtsräte? Weil da ohne allzu großem Engagement Kohle zu machen ist und auch die gesellschaftliche Reputation was hermacht? Und jetzt noch die ganz bittere Pille: Ich fordere Parität auch bei tödlichen Arbeitsunfällen, momentan 90% Männer
angela_merkel 30.03.2011
4. unglaublich
wie Frau Schröder und Frau von der der Leyen sich da öffentlich blamieren lassen. Die sind ja beide abserviert worden wie vorher dieser komische Baron.
Dr_Lecter 30.03.2011
5. Frauenfragen
Zitat von angela_merkelwie Frau Schröder und Frau von der der Leyen sich da öffentlich blamieren lassen. Die sind ja beide abserviert worden wie vorher dieser komische Baron.
Ob wir eine Frauenquote brauchen kann ich nicht sagen, aber dass die Regierung nicht regiert, sondern nur eine Bitte als Erfolg verkaufen will, ist peinlich. Noch peinlicher ist, dass Frau Schröder ganz stolz darauf ist, dass ihr alberner Vorschlag angeblich Zustimmung gefunden hat. Frau Schröder ist überflüssig. Naja, sie taucht ohnehin erst mal ab. Dass Frau von der Leyen die Minister-Auszubildende Schröder allerdings indirekt kritisiert und verspottet, ist ganz lustig. Die Chaos-Regierung ist zumindest unterhaltsam. Übrigens, liebe Frau Merkel: Mir ist aufgefallen, dass bei Ihnen "erfahrener Benutzer" steht, statt erfahrene Benutzerin. Das wäre doch auch mal ein tolles Thema für das Voranschreiten der Emanzipation. post scriptum: Die Ministerinnen lassen sich nicht blamieren. Das tun sie schon selber ;-)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.